Eigentlich war es nicht mein Ziel einen weiteren Beitrag zu Corona zu machen, denn beim ersten wurden eigentlich alle wichtigen Fakten genannt. Wer Interesse hat, kann sich das Video gerne nochmal anschauen. Und: Wer bis Minute 11 nicht folgen konnte, hat sich meines Erachtens nach jegliches Recht verspielt, über Corona zu urteilen. Der erste Beitrag behandelte nicht nur die Grundlagen der Virologie und die Ursprünge des neuen Corona-Virus, sondern setzte sich auch kritisch mit den Thesen von Wodarg und Bhakdi auseinander und widerlegte einige Verschwörungsmythen um das Corona-Virus, u. a. die Behauptung, dass es in einem Geheimlabor gezüchtet wurde. Und eigentlich wurde alles Notwendige erwähnt. Eigentlich. Denn ich habe mir niemals zu träumen gewagt, dass in Bezug zu Corona sich noch weiterer Irrsinn verbreitet, den ich nicht unkommentiert lassen möchte. Im Wesentlichen möchte ich in diesem Beitrag die Frage der Übersterblichkeit durch Corona, den Vergleich mit Influenza, dem R-Wert und die PCR-Tests behandeln. Es geht hier also nochmals um rein medizinische Aspekte. Es werden noch weitere Beiträge kommen, die sich mit der Schweinegrippe, der Sache um Bill Gates und diverser Verschwörungsmythen über Corona, die im ersten Beitrag nicht gedeckt wurden und die unerträgliche Hetze gegen China befassen.

Gefährlicher als die Grippe?

Schon im ersten Beitrag wurde alles Wesentliche dazu gesagt. Der Vergleich mit Influenza ist nicht passend: Influenza-Viren gehören einer völlig anderen Gruppe der Viren an und Corona-Virus ist nicht gleich Corona-Virus, es gibt mehrere Arten, mehrere Stämme etc. Das wurde im ersten Beitrag dokumentiert. Dennoch kursieren diese Behauptungen und es werden Zahlenvergleiche genommen, dass ja im Jahr xy mehr Menschen an Grippe gestorben sind. Fassen wir es nochmal zusammen:

Eine diesbezüglich wichtige Quelle ist das „New England Journal of Medicine“, dort erschien ein Artikel von Anthony S. Fauci und Kollegen mit dem Titel „Covid-19 Navigating the Uncharted“ (Fauci et al. 2020). Fauci ist übrigens einer der bekanntesten Seuchenforscher der Welt und der Leiter des amerikanischen Center for Disease Control. Vielen bekannt als der kleine, ernste Mann, der die Hand vors Gesicht hält, wenn sein Chef Donald Trump einmal wieder Unsinn erzählt. Wer übrigens im „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht, der hat es geschafft, es ist eine der Prestige-Zeitschriften der Medizin, dessen Artikel, Editorials und Arbeiten zu den renommiertesten in diesem Fachbereich gehören.

Und hier das wichtige: Corona-Kritiker, wie Dr. Schiffmann aus der „Schwindelambulanz“, beziehen sich gerne auf diesen Artikel, um zu zeigen, dass Corona harmlos sei.

Der Artikel beschreibt, dass die Sterblichkeit an COVID-19 womöglich „deutlich unter 1%“ liegt, wenn man auch die unterschwelligen Verläufe der Erkrankung mitberücksichtige. Die Sterblichkeit des neuen Sars-CoV-2 liege damit eher in einem Bereich irgendwo zwischen der „normalen“ saisonalen Grippe und einer schweren pandemischen Grippe wie sie etwa 1957 und 1968 aufgetreten ist.

Also: die Sterblichkeit an COVID-19 sei zwar nicht ganz so niedrig wie bei der „normalen“ Grippe. Aber eben weit weg von dem schwindelerregenden Bereich, den wir von den anderen durch Coronaviren bedingten Krankheiten SARS und MERS kennen (an diesen in den Jahren 2002/2003 bzw. 2012 pandemisch aufgetretenen Coronaviruserkrankungen sind 9 bis 36% der Erkrankten gestorben). Hmmm also haben die Corona-Kritiker recht?

Dass sich Corona-Kritiker ausgerechnet auf diese Studie und Anthony S. Fauci beziehen, um Corona zu verharmlosen ist ungefähr genauso sinnvoll, als wollen Evolutionsleugner ihre Argumente mit Richard Dawkins Büchern zur Evolution widerlegen. Herr Faucis Behörde lässt nämlich keine Gelegenheit aus, um der Bevölkerung genau die Botschaft nahe zu bringen, die die COVID-19-Skeptiker ablehnen.

Bei dem Beitrag handelt es sich um ein so genanntes Editorial. Also um einen Kommentar zu zwei „echten“ Forschungsarbeiten, die im selben Heft erscheinen (in ihnen beschreiben zwei Teams von chinesischen Wissenschaftlern die bisher bekannten Charakteristika des neuen Erregers aufgrund der Beobachtungen und Messungen in China). Prof. Fauci fasst in seinem Kommentar die Eigenschaften des neuen Erregers zusammen, die sich jetzt immer besser herausschälen. Dabei erwähnt er insbesondere zwei Kennwerte, die Experten brauchen, um den Verlauf und die medizinischen Folgen einer Epidemie zu berechnen:

  1. die fallbezogene Sterblichkeit (case fatality rate) ; sie besagt, welcher Anteil der jeweils mit COVID-19 diagnostizierten Menschen dann am Ende sterben, und
  2. das Ansteckungspotenzial des neuen Erregers, beschrieben als sog. Basisreproduktionsrate (auch Grundvermehrungsrate genannt). Diese Zahl gibt an, wie viele Menschen eine infizierte Person durchschnittlich ansteckt, wenn in der Bevölkerung noch keine Immunität besteht. (vgl. auch Quelle)

In Bezug zur fallbezogenen Sterblichkeit gibt Fauci einen relativ niedrigen Wert an, niedriger liegt als von vielen Experten anfänglich vermutet. Ist jetzt Covid-19 harmlos? Zwar ist die Sterblichkeit an Covid-19 eher und gesundheitlichen Auswirkungen auf den einzelnen Betroffenen moderat, aber welche gesundheitlichen Auswirkungen auf eine Population eine Infektionswelle hat, hängt auch von anderen Einflüssen ab, die fallbezogene Sterblichkeit ist dabei nur ein Faktor. Weitere Faktoren, die berücksichtigt werden müssen sind z. B. wie viele Menschen sich im Laufe der Infektionswelle anstecken können. Im ersten Corona-Beitrag wurde erläutert, dass weil das neue Corona-Virus eher moderate Symptome hat, die schwerer von anderen Infektionen zu unterscheiden sind, seine Ausbreitung dadurch schneller ist, wodurch die absoluten Größen (und damit auch absoluten Todeszahlen) stark ansteigen. Ein weiterer Faktor ist somit, wie viele Menschen sich gleichzeitig anstecken können. Auch wie schwer die Symptome sind und wie gut das Gesundheitssystem entwickelt ist, sind weitere Größen. Und bei diesen Fragen – sie sind Standard-Lehrbüchern der Infektionsepidemiologie zu entnehmen – sind wir dann bei den anderen Zahlen und Daten, die Prof. Fauci nennt.

Die Basisreproduktionsrate bei dem neuen Erreger liegt damit deutlich höher als bei der normalen saisonalen Grippe. Während sich bei der Grippe an einem Infizierten durchschnittlich nur 1,28 weitere Menschen anstecken (Biggerstaff et al. 2014), sind das bei einer SARS-CoV-2-Infektion nämlich 2,2 Menschen. Und der sorgt dafür, dass deutlich mehr Menschen gleichzeitig krank werden. Während also eine Grippewelle von November bis April Menschen mit schweren Verläufen in die Kliniken treibt, ist dieser Zeitrahmen bei SARS-CoV-2 auf einen viel kürzeren Zeitraum „zusammengestaucht“. Läuft der Erreger frei durch die Bevölkerung, so kann er in wenigen Wochen mehr Menschen in die Kliniken bringen als eine Influenza in einem ganzen Jahr (die entstehende „Krankheitswelle“ ist also hoch und schmal). Tatsächlich ist die Basisreproduktionsrate von SARS-CoV-2 mit 2,2 in etwa so hoch wie bei der Spanischen Grippe der Jahre 1918/19 (Mills et al. 2004).

Was die Schwere der Erkrankung angeht:

Schwere Verläufe kommen bei COVID-19 mindestens 5-mal häufiger vor als bei der saisonalen Influenza. Das lässt sich leicht an den bisher gesammelten Daten zeigen: Bei einer typischen saisonalen Influenza müssen je nach Jahr von den Erkrankten etwa 1 – 2 % (CDC: Disease Burden of Influenza) im Krankenhaus behandelt werden. Bei COVID-19 sind das 5- bis 10-mal mehr (McIntosh et al. 2020), je nach bisher untersuchter Population. In Bezug zum Todesverlauf seien hier noch einige Bemerkungen erlaubt. Es ist ja bezeichnend, dass viele Corona-Kritiker ja gerne mit zahlen rumspielen und Grippe-Vergleiche machen. Keiner arbeitet von ihnen aber direkt mit Corona-Patienten, keiner sieht sie sterben.

Prof. Dr. med. Dr. h.c. Paul Robert Vogt schreibt z. B.:
Fragen muss man die Leute an der Front. Keiner meiner Kollegen – und ich natürlich auch nicht – und niemand vom Pflegepersonal kann sich erinnern, dass in den letzten 30 oder 40 Jahren folgende Zustände herrschten, nämlich dass:

  1. ganze Kliniken mit Patienten gefüllt sind, welche alle dieselbe Diagnose besitzen;
  2. ganze Intensivstationen mit Patienten gefüllt sind, welche alle dieselbe Diagnose aufweisen;
  3. 25% bis 30% der Pflegenden und der Ärzteschaft genau jene Krankheit auch erwerben, welche jene Patienten haben, die sie betreuen;
  4. zu wenig Beatmungsgeräte zur Verfügung standen;
  5. eine Patientenselektion durchgeführt werden musste, nicht aus medizinischen Gründen, sondern weil wegen der schieren Anzahl an Patienten schlicht das entsprechende Material gefehlt hat;
  6. die schwerer erkrankten Patienten alle dasselbe – ein uniformes – Krankheitsbild aufgewiesen haben;
  7. die Todesart jener, die auf der Intensivstationen verstorben sind, bei allen dieselbe ist;
  8. Medikamente und medizinisches Material auszugehen drohen.

Aufgrund von 1-8) ist es klar, dass es sich um einen gefährlichen Virus handelt, der dieser Pandemie zugrunde liegt. Die Behauptungen, eine «Influenza» sei genau gleich gefährlich und koste jedes Jahr gleich viele Opfer ist falsch.“ Quelle

Tatsächlich sind viele Pflegekräfte, die mit Corona-Patienten arbeiten, häufig traumatisiert.

Der Kinderarzt Herbert Renz-Polster schreibt:

Aber dieses neue Virus hat auch eine ganz tückische Eigenschaft – es befällt sehr leicht die Lunge. Tatsächlich lassen sich schon bei weniger schweren Verläufen regelmäßig Verschattungen in der Lunge nachweisen. Nun kann das Immunsystem damit in der Regel umgehen und das Fortschreiten zu einer schweren, diffusen Lungenentzündung verhindern. Manchmal aber eben nicht. Genauer gesagt: Viel häufiger als bei der Influenza nicht! Das ist der Grund, warum viele von COVID-19 betroffene Menschen mindestens zeitweilig eine Beatmung brauchen, um wieder gesund zu werden – bei der Influenza ist das nur in Ausnahmefällen der Fall. Tatsache ist: Von den wegen COVID-19 in ein Krankenhaus Aufgenommenen brauchen je nach Land und Gesundheitssystem etwa 30 bis 75% intensivmedizinische Hilfe. Die Hälfte von ihnen braucht eine Beatmung.

Und wirklich Leute: Gut, wenn es die dann auch gibt (und die Beatmungsmaschine vielleicht nicht gerade belegt ist, weil unser Gesundheitsminister dem Rat eines Dr. Wodarg oder Dr. Schiffmann gefolgt ist, diese Epidemie einfach mal laufen zu lassen – das ist mein letzter sarkastischer Kommentar, versprochen). Denn was jetzt kommt ist ernst: Der Tod an einer diffusen Lungenentzündung ist ein anderer als einer durch Herzinfarkt oder Kreislauf-Stillstand oder einfach am Alter. Es ist kein sanfter Tod. Alle Ärzte (mich eingeschlossen), die einmal am Bett eines Patienten saßen, der an einer nicht ausreichenden Atmung sterben musste, also an Sauerstoffmangel und Übersäuerung des Blutes, weiß was das bedeutet. Und vor allem: wie viel Hilfe ein solcher Patient braucht, um diesen Weg zu gehen. Gut, wenn diese Hilfe gegeben werden kann.“ (Quelle)

Ja in absoluten Zahlen starben an der Grippe bisher mehr Menschen. Nach Angaben der WHO versterben jährlich bis zu 650.000 Menschen weltweit an der Grippe. Und ja, bisher sind an COVID-19 nur knapp 200.000 verstorben (Stand 24.4.2020 usw.). Aber wir sind am Anfang einer Pandemie, die bisher nur in kleinen, regional begrenzten Taschen der Welt wirklich stark wütet. Bei der Grippe sind die Todeszahlen über das Jahr verteilt. Natürlich, auch da wird das Gesundheitssystem stark belastet. Nur: die in einer bestimmten Woche gemessene Sterblichkeit steigt dadurch vielleicht einmal um 30 Prozent, vielleicht auch einmal um 50% an. Bei einer schlecht gebremsten COVID-19-Welle – das zeigen die Daten aus Italien – aber kann die zu einem bestimmten Zeitpunkt gemessene Sterblichkeit dagegen rasch um 700 %, also das 7-fache ansteigen. Das heißt dann auch folgerichtig, dass ein Großteil der Toten aus regional begrenzten Gebieten kommt, die Regionen, die stark betroffen waren, z. B. Lombardei in Italien oder Wuhan in China, hatten eine deutlich höhere Sterblichkeit. Währen alle Regionen genauso stark betroffen, würde die Sterblichkeit viel höher liegen.

Natürlich werden jetzt einige wieder argumentieren: man müsse doch unterscheiden ob man mit Corona oder an Corona stirbt. Diese Unterscheidung ist durchaus nicht irrelevant. Doch das trifft auf die Grippe ebenso zu, wie Prof. Vogt schreibt:

„(…) hat man das Gefühl, bei Influenza seien immer alle Patienten «wegen» Influenza gestorben und nie einer «mit»? Sind wir Mediziner im Rahmen der COVID-19-Pandemie nun alle plötzlich so verblödet, dass wir nicht mehr unterscheiden können, ob jemand «mit» oder «wegen» COVID-19 stirbt, wenn diese Patienten eine typische Klinik, typische Laborbefunde und ein typisches Lungen-CT aufweisen? Aha, bei der Diagnose «Influenza» waren natürlich alle immer hellwach und haben immer die ganze Diagnostik bemüht und waren immer sicher: nein, bei der Influenza sterben alle «wegen» und nur bei COVID-19 viele «mit».” (Quelle)

Was Für Covid-19 und Influenza gilt, gilt übrigens auch für eine HIV-Infektion. Die meisten sterben nicht direkt am HIV, sondern an Begleiterscheinungen, die aber ohne HIV-Infektion nicht tödlich sein müssen. Denn HIV greift Immunzellen an, wodurch das Immunsystem deutlich geschwächt wird. Und Viren-Infektionen sind generell eine Belastung für das Immunsystem. Schon im ersten Beitrag wurde erwähnt, dass durch eine Infektion mit dem Corona-Virus bestehende Erkrankungen sich verschlimmern. Entsprechend wurde dazu eine Studie aus Wuhan genommen. Laut dieser Studie sind die Todesursachen meist klar auf Covid-19 rückführbar. In der Studie waren die häufigsten Begleiterkrankungen eine arterielle Hypertonie und ein Diabetes mellitus, die in den meisten Fällen nicht unmittelbar tödlich sind. Insofern ist es hoch wahrscheinlich, dass die Lungenentzündung verursacht durch das Sars-CoV-2-Virus tatsächlich die Todesursache in den meisten Fällen war.

Nun geht es aber natürlich den meisten Corona-Kritikern nicht um die Kranken und Toten, sondern um die Statistik.

Kritiker wie Dr. Wolfgang Wodarg, die die COVID-Epidemie als künstlichen „Hype“ betrachten, benutzen für ihre Argumentation gerne „offizielle“ Statistiken, um zu belegen, dass es die in der Presse berichtete Welle an COVID-19-Todesfällen eigentlich gar nicht gibt. Gerne genommen: die Daten der Webseite Mortality monitoring in Europe, kurz Euro-MOMO. Von Anfang an wurden die dort von der EU gesammelten Sterbedaten für den immer gleichen Hinweis genutzt: Selbst die EU kann keine erhöhte Sterblichkeit an COVID-19 feststellen!

Auch die Schwindelambulanz Sinsheim hat sich auf Euro-MOMO berufen, um zu zeigen, dass es keine erhöhte Sterblichkeit gäbe. Die angebliche „Corona-Krise“ sei in Wirklichkeit eine Lappalie, „nach allen verfügbaren Daten stirbt so gut wie niemand an COVID 19.“ Nun was aber die Schwindelambulanz Sinsheim betreibt, ist ihrem Namen gerecht: Schwindel.

Wöchentlich veröffentlicht EuroMOMO einen Bericht, wie sich die Sterblichkeitsrate in mehreren europäischen Ländern entwickelt und gibt weiters Details zur Übersterblichkeit, bzw.  excess-death, an. Diese besagt, ob innerhalb einer gewissen Woche mehr Menschen verstorben sind, als dies zu erwarten gewesen war. Eine solche erhöhte Sterblichkeit kann z. B. auf Krieg oder auch auf Pandemien zurückgeführt werden.

Dies trifft beispielsweise auch bei einer Grippe-Welle zu. Hier sterben statistisch gesehen mehr Menschen, wenn Influenzaviren grassieren als in Wochen, die nicht von einer Grippewelle geprägt sind. Wodarg, die Schwindelambulanz usw. wollen einem weismachen diese Übersterblichkeit sehe man bei Covid-19 nicht. Was aber Wodarg und die Schwindelambulanz verschweigen, ist folgende Mitteilung der Seite Euro-MOMO auf der Startseite unter der Graphik:

Note on interpretation of data: The number of deaths shown for the three most recent weeks should be interpreted with caution, as adjustments for delayed registrations may be imprecise. Furthermore, results of pooled analyses may vary depending on countries included in the weekly analyses. Pooled analyses are adjusted for variation between the included countries and for differences in the local delay in reporting.“ https://www.euromomo.eu/

Also:  Die Zahl der Todesfälle in den vergangenen Wochen sollen laut Euro-MOMO mit Vorsicht interpretiert werden, da sie wegen verzögerter Meldung ungenau seien.

Im Bulletin der Woche 16 ist zu lesen:
Pooled mortality estimates from the EuroMOMO network continue to show a marked increase in excess all-cause mortality overall for the participating European countries, coinciding with the current COVID-19 pandemic. This overall excess mortality is, however, driven by a very substantial excess mortality in some countries, primarily seen in the age group of 65 years and above, but also in the age group of 15-64 years.“ https://www.euromomo.eu/bulletins/2020-16/

Übersetzt: „Die jüngsten gepoolten Schätzungen des EuroMOMO-Netzwerks zeigen weiterhin einen deutlichen Anstieg der Übersterblichkeit in den teilnehmenden europäischen Ländern, die in Verbindung mit der aktuellen COVID-19-Pandemie zusammenfallen. Diese Gesamtübersterblichkeit ist jedoch auf eine sehr erhebliche Übersterblichkeit in einigen Ländern zurückzuführen, die vor allem in der Altersgruppe von 65 Jahren und darüber, aber auch in der Altersgruppe von 15 bis 64 Jahren zu beobachten ist.https://www.euromomo.eu/bulletins/2020-16/

Diese erhöhte Sterblichkeit kann man entsprechend in den Statistiken und Graphen auf Euro-MOMO entnehmen: https://www.euromomo.eu/graphs-and-maps/

Abb. 1: Die erhöhte Übersterblichkeit durch Corona nach Euro-MOMO

„The Economist“ zeigt auch für Regionen außerhalb Europas erhöhte Sterblichkeitsraten. Sie schreiben des Weiteren:

An vielen Orten schließen die offiziellen Tageszahlen jeden aus, der nicht im Krankenhaus gestorben ist oder der nicht positiv getestet wurde. Oft dauert es mehrere Tage, bis die Todesursache festgestellt ist, was zu einer Verzögerung der Daten führt.“  Quelle

Weiterhin erwähnen sie:

Im Vergleich zum Basisdurchschnitt der Todesfälle von 2009 bis 2019 waren die Grippesaisonen 2017, 2018 und 2019 ungewöhnlich tödlich. Aber die Covid-19-Pandemie, die viel später im Jahr auftrat, hat bereits einen größeren Höhepunkt erreicht – und wäre ohne social-distancing weitaus schädlicher gewesen.“

Abb. 2: Übersterblichkeit durch Covid-19. Quelle: The Economist

Abb. 3: Übersterblichkeit durch Covid-19 Quelle: The Economist

Die Zahlen der Übersterblichkeit (Quelle The Economist) variieren dabei von Region zu Region. Z. B. gab es zwischen den 1. März und 4. April 2020 in Lombardi, Italien, 12.802 Exzess-Tote, also Tote, die über der erwarteten Sterblichkeit lagen. Hiervon starben 6.132 oder 48% in Verbindung mit Covid-19. In New York gab es zwischen dem 15. März und 4. April 5.099 Exzess-Tote, davon starben 4.981 in Verbindung mit Covid-19. Diese Zahlen zeigen übrigens noch etwas: Die Behauptung, dass jeder der über der erwarteten Sterblichkeitsrate verstirbt automatisch als Corona-Tote registriert wird fruchtet nicht. Für Italien sind es nämlich für den gegebenen Zeitraum die Hälfte.

Gerne wird in diesem Zusammenhang vermutet, dass Grippe-Tote als Corona-Tote gezählt werden. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) wurden 411 Grippe-Tote zwischen Oktober 2019 und Anfang April 2020 gemeldet. Das seien “24.689 Tote weniger als vor zwei Jahren”, wird in sozialen Medien behauptet. Angesichts dieser großen Differenz wird die Vermutung geäußert, dass die Grippe-Toten “jetzt zu Corona gezählt” werden. Aber: Die Grundlage dieser Berechnungen ist falsch. Die 25.100 Todesfälle aus der Saison 2017/18 sind eine Schätzung, die laborbestätigten Todesfälle lagen mit 1.674 deutlich darunter. Das RKI veröffentlicht regelmäßig einen “Influenza-Wochenbericht” mit aktuellen Werten. Im Bericht zur Kalenderwoche 14/2020 führt das RKI seit der 40. KW 2019 insgesamt “411 Todesfälle mit Influenzavirusinfektion” auf. Im Bericht zur Kalenderwoche 15/2020 waren es 434.

Zusätzlich veröffentlicht das Institut jährlich den “Bericht zur Epidemiologie der Influenza in Deutschland”. Darin sind sowohl die erfassten als auch geschätzte Zahlen der durch die Grippe-Viren verursachten Todesfälle der letzten Jahre aufgelistet. Im Saison-Bericht 2018/19 werden daher pro Jahr zwei unterschiedliche Werte tabellarisch aufgeführt.

Bei der “Exzess-Schätzung” wird “die der Influenza zugeschriebene Sterblichkeit mittels statistischer Verfahren” geschätzt. Dabei wird zuerst eine Hintergrundmortalität, also die erwartete Todesrate ohne Einfluss von Influenza, errechnet. “Die mittels statistischer Verfahren geschätzte Anzahl zusätzlicher Todesfälle wird als Exzess-Mortalität bezeichnet,” schreibt das RKI.

Demgegenüber stehen “laborbestätigte Todesfälle”, die auch in den Wochenberichten aufgeführt sind. Dabei handelt es sich um aus Meldedaten der an das RKI übermittelten “Todesfälle mit laborbestätigter Influenzainfektion gemäß Infektionsschutzgesetz”.

Diese Zahl spielt für die “Exzess-Schätzung” keine Rolle. In der Saison 2017/18 war Deutschland einer ungewöhnlich starken Grippewelle ausgesetzt. Im RKI-Bericht werden 25 100 Todesfälle durch die Exzess-Schätzung aufgelistet, daneben stehen 1.674 laborbestätigte Todesfälle. Betrachtet man die Zahlen der laborbestätigten Todesfälle, so kommt man auf eine Differenz von 1.263, nicht von 24 689. Eine “Exzess-Schätzung” zur aktuellen Saison wurde noch nicht veröffentlicht. (vgl. Presseportal mit verweisenen Quellen des RKI)

In einigen Regionen, besonders in den Entwicklungsländern, dürften wahrscheinlich wesentlich mehr Covid-19 Tote vorhanden sein, als offiziell gemeldet. Hierfür zieht The Economist Jakarta, die Hauptstadt Indonesiens, heran. Solche Länder haben geringere Kapazitäten Menschen auf Covid-19 zu testen oder gar zu behandeln. Hier muss hinzugefügt werden, dass das statistische Büro von Jakarta nicht die Toten mit allen möglichen Ursachen zählt, sondern die Zahl der stattgefundenen Beerdigungen und Bestattungen in Friedhöfen und Parks. Man kann also eventuell davon ausgehen, dass an einem Tag mehr Menschen sterben, als beerdigt werden. Durchschnittlich gibt es in Jakarta etwa 2.800 Beerdigungen im Monat, doch im März 2020 wurden 4.400 Beerdigungen gezählt, also 1.600 mehr als üblich. Doch nur 84 Personen bzw. 5% wurden mit Covid-19 in Verbindung gebracht, obwohl Jakarta als das Epizentrum der Pandemie in Indonesien gilt. Vergleicht man diesen relativ geringen Wert mit jenen der anderen Regionen, kann man davon ausgehen, dass die Zahl der tatsächlichen Covid-19-Toten deutlich höher ist. (Quelle The Economist)

Nicht zu vergessen sind die Komplikationen und Folgeschäden nach der Krankheit. Das Universitätsspital Zürich veröffentlichte eine Pressemitteilung, bei der erwähnt wird, dass bei an COVID-19 erkrankten Personen nicht nur die Lunge betroffen ist, sondern auch andere Organe. Bei Untersuchungen der Gewebeproben von verstorbenen COVID-19-Patienten nach einer Autopsie fiel Pathologen am Universitätsspital Zürich nun auf, dass die Patienten nicht nur an einer Entzündung der Lunge litten, sondern die Entzündung das gesamte Endothel verschiedenster Organe betraf. Das Endothel ist eine Zellschicht, die eine Art Schutzschild in den Gefäßen bildet und verschiedene Prozesse in den Mikrogefäßen regelt und ausgleicht. Ist dieser Regelungsprozess gestört, kann dies beispielsweise Durchblutungsstörungen in den Organen oder in Körpergewebe auslösen, die zum Zelltod und damit zum Absterben dieser Organe oder Gewebe führen. Die Forscherinnen und Forscher schlossen daraus, dass das Virus nicht, wie bisher vermutet, über die Lunge angreift, sondern über die körpereigene Verteidigung direkt über die im Endothel vorkommenden ACE2-Rezeptoren. Darüber verteilt sie sich und führt zu einer generalisierten Entzündung im Endothel, die daraufhin dessen Schutzfunktion zum Erliegen bringt. Das Virus löst also nicht nur eine Lungenentzündung aus, die dann ursächlich für weitere Komplikationen ist, sondern direkt eine systemische Endotheliitis, eine Entzündung des gesamten Endothels im Körper, die alle Gefäßbetten erfasst: Herz-, Hirn-, Lungen- und Nierengefäße sowie Gefäße im Darmtrakt. Mit fatalen Folgen: Es entstehen schwere Mikrozirkulationsstörungen, die das Herz schädigen, Lungenembolien und Gefäßverschlüsse im Hirn und im Darmtrakt auslösen und zum Multiorganversagen bis zum Tod führen können. (Universitätsportal Zürich,  siehe auch Russia Today)

So viel zu der Behauptung COVID-19 sei wie eine harmlose Grippe.

War der Lockdown unnötig?

Herdenimmunität wäre übrigens auch keine Lösung. Denn es besteht zum einen keine Immunität gegen das neue Virus, wie der erste Beitrag darlegte und zweitens fehlen hierzu Medikamente, Impfstoffe und die Kapazitäten im Gesundheitssystem. Politisch bedeutet dies: auf eine Herdenimmunität zu setzen, ohne, dass effektive Medikamente zur Behandlung von Covid-19 vorliegen, bedeutet den Tod von zehntausenden Menschen potentiell in Kauf zu nehmen.

Nun mehren sich aber Stimmen seitens einiger liberaler Ökonomen und Ideologen des Staates, dass der Lockdown gar nicht notwendig wäre, der R-Wert, bzw. Reproduktions-Wert, sei nämlich schon bevor die „rigorosen Maßnahmen“ beschlossen wurden unter 1 gefallen. So äußert sich der Ökonom Stefan Homburg, Professor für Öffentliche Finanzen. Der R-Wert sagt aus, wie viele Menschen ein Infizierter im Durchschnitt ansteckt. Je niedriger der Wert, desto besser. Liegt die Reproduktionsrate bei mehr als 1, steckt ein Infizierter im Mittel mehr als einen anderen Menschen an – so erhöht sich die Zahl der täglichen Neuinfektionen. Liegt die Rate unter 1, steckt ein Infizierter im Mittel weniger als einen anderen Menschen an. Nun lag der R-Wert schon tatsächlich laut Angaben des Robert-Koch-Instituts vor dem 22. März bei unter 1. Waren also die Maßnahmen tatsächlich unnötig? Nein, waren sie nicht.

Denn zum einen hat es bereits vor Beschluss der Kontaktverbote am 9. März die Absage von Großveranstaltungen gegeben und ab 16. März wurden die Schulen und Kitas geschlossen. Und auch schon lange vor dem eigentlichen Lockdown gab es wichtige Verhaltensänderungen in der Bevölkerung – viele arbeiteten schon im Homeoffice, mieden Restaurants, Cafés und größere Veranstaltungen. All das habe dazu geführt, dass man Hot Spots stilllegte, also Orte und Situationen, wo besonders viel Virus-Übertragungen stattfinden. Die dritte Maßnahme, die in der Grafik markiert ist, das bundesweit umfangreiche Kontaktverbot, wurde am 23. März eingeleitet. Nach diesem Datum bleibt die Kurve größtenteils unter dem Wert von 1 und auf einem ähnlichen Niveau, wie schon am 22.März. Mit Datenstand 21. April schätzt das RKI die Reproduktionszahl auf 0,9. Das spiegelt sich dann entsprechend im R-Wert wider (Quelle: Focus)

Weiterhin hatten mehrere Großkonzerne, vor allem in der Automobilindustrie, ihre Werke aufgrund wirtschaftlicher Krise geschlossen. Viele Konzerne in Deutschland schlossen also nicht, weil der Staat es angeblich so anordnete, sondern weil die Produktion im bisherigen Umfang nicht mehr möglich oder profitabel war.

Ein großer Fehler in Homburgs Argumentation ist seine Behauptung, man habe um den 23. März schon wissen können, dass der Lockdown nichts bringt. Das ist nicht korrekt. Die Reproduktionszahl konnte laut RKI aus methodischen Gründen nur im Nachhinein abgeschätzt werden, und zwar mit einer Verzögerung von etwa zehn Tagen. Am 23. März konnte demnach niemandem bekannt gewesen sein, wie hoch die Reproduktionszahl war. Bekannt war hingegen, dass die Zahl der Neuinfektionen bis zum 22. März massiv anstieg. Sowohl die Berechnungsmethoden als auch die damals bekannten Fallzahlen lassen sich in dem RKI-Dokument nachlesen. Der R-Wert ist außerdem ein bundesweiter Durchschnitt. Er überdeckt, dass es regional große Unterschiede geben kann. Ein exponentielles Wachstum der Infiziertenzahl ist allerdings immer gefährlich, egal ob auf Bundes-, Landes- oder Kreisebene.

Weiterhin: nur weil der R-Wert einmal unter 1 rutscht, heißt es nicht, dass er nicht wieder steigen könne. Kontaktverbote haben diesen Wert relativ stabil gelassen.

Nun sind die Maßnahmen zum Lockdown gelockert worden, aber die Reichsbürger und Aluhutträger haben eine neue Terrorverordnung im Visier: Das Tragen von Schutzmasken, obwohl noch vor einigen Wochen davon abgeraten wurde sie als Infektionsschutz zu sehen? Warum diese „Schikane“?

Alle Gegenargumente sind noch immer gültig: Einfache Mund-Nase-Bedeckungen schützen die Träger nicht oder nur in sehr geringem Maße vor einer Corona-Infektion. Feine Tröpfchen können noch immer eingeatmet werden.

Was sie jedoch leisten, ist Fremdschutz. Größere Tröpfchen, die beim Husten, Niesen oder Sprechen ausgestoßen werden, bleiben hängen. Die Ansteckungsgefahr für Menschen im Umfeld des Maskenträgers ist daher deutlich niedriger. Warum also die lange Skepsis gegenüber einer Maskenpflicht? Die erklärt sich vor allem mit dem Mangel an medizinischer Ausrüstung. Professionelle Atemschutzmasken, aber auch einfache OP-Masken, würden in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen dringend gebraucht. Auch jetzt besteht das Dilemma, dass Bürger verpflichtet sind, Masken zu tragen, die es nicht gibt. Inzwischen haben aber viele begonnen, selbst Masken zu nähen und zu verkaufen. Auch Schals oder Buffs werden als Mund-Nase-Bedeckungen erlaubt. Die Hoffnung der Politik scheint jetzt darin zu liegen, dass das ausreicht, um Privatmenschen vom Kauf medizinischer Schutzmasken abzuhalten.

Aber: Sind Atemmasken nicht gefährlich? Denn es kursiert die Behauptung, dass sich unter der Maske viel CO2 ansammelt, was zu Atemlähmungen führen könne. Außerdem sammele sich in der Atemmaske viel Feuchtigkeit, die in die Lunge wandern könne (Abb. 4)

Abb. 4: angeblich gefährliche Schutzmasken

Die Aufnahme von CO2 ist tatsächlich etwas erhöht, aber CO2 ist ein sehr flüchtiges Gas, welches durch eine solche Maske definitiv nicht aufgehalten wird. Steigt die CO2 Sättigung im Körper, steigt der Atemantrieb. Bei hohen CO2 Konzentrationen im Körper würden wir Atemnot bekommen und spätestens dann die Maske ablegen. Was die Feuchtigkeit angeht, so ergibt diese Aussage keinen Sinn, denn die Feuchtigkeit – vor allem, wenn man viel mit Maske spricht – wandert nicht in einem problematischen Ausmaß in die Lunge.  Masken können natürlich bei nicht ausreichender Hygiene zur Keimschleuder werden. Aber das sagt ja auch schon der gesunde Menschenverstand, da braucht man kein Arzt oder Virologe sein. Aber würde die Behauptung der Gefährlichkeit von Schutzmasken stimmen, dann würden in den Krankenhäusern (auch bei Normalbetrieb, ohne eine Pandemie) die Ärzte und medizinisches Personal REIHENWEISE umkippen, denn die tragen diese und ähnliche Masken oft eine ganze Schicht oder bei stundenlangen Operationen. Und da ist auch die Keimbelastung weder in deren Lungen oder sonst wo erhöht.

PCR-Test – ein Fake?

Eine weitere Behauptung, die von Corona-Kritikern in die Welt gesetzt wird, ist, dass die PCR-Tests eine Fehlerquote von 30-50% haben. Nun gehe ich fast davon aus, dass die meisten Kritiker nicht wissen was eine PCR ist. Hier die kurze Erklärung, ohne technische Details (vgl. Abb 5):

Abb. 5: PCR

PCR steht für Polymerase-Kettenreaktion und es ist ein Verfahren zur Vervielfältigung von DNA. Praktische Anwendung findet sie etwa bei Vaterschaftstests, Untersuchung des genetischen Fingerabdrucks bei Kriminalverbrechen oder zum Nachweis von Krankheiten (genetische Krankheiten als auch Virusinfektionen). Die PCR läuft in einem sog. Thermocykler ab, bei dem die zu vervielfältigende DNA mit freien Nukleotiden (also den 4 Buchstaben der DNA), dem Enzym DNA-Polymerase (also dem Enzym, welches auch in der lebenden Zelle die DNA vervielfältigt) und sogenannten Primern versetzt wird. Ein Primer ist ein bekanntes DNA-Stück des gesuchten Gens, welches sich an den zu verdoppelnden DNA-Strang heftet und als Startpunkt für die DNA-Polymerase dient. Um geeignete Primer zu finden, muss die Nukleotidabfolge des gesuchten Gens bekannt sein. Der Thermocycler ermöglicht dann einen automatischen Ablauf der PCR, denn es sind mehrere Zyklen notwendig bis genügenden DNA vervielfältigt wurde. Bei der PCR wird die DNA auf 94° erhitzt, sodass die DNA in Einzelsträngen vorliegt (Denaturierung). Nach der Trennung der Stränge wird die Temperatur gesenkt, so dass die Primer sich an die einzelnen Stränge anlagern können. Schließlich füllt die Polymerase die fehlenden Stränge mit freien Nucleotiden auf. Soweit zu den Grundlagen. Weitere Infos unter: https://www.gesundheit.gv.at/labor/laborbefund/polymerase-ketten-reaktion

Bei SARS-Cov2 handelt es sich um einen RNA-Virus. Damit eine PCR hier gemacht werden kann, wird die RNA vorher in DNA umgewandelt. Das geschieht mittels des Enzyms „Reverse Transkriptase“ (das Enzym, das z. B. auch das HIV nutzt um aus RNA DNA umzuwandeln) in einem analytischen Schritt vor der eigentlichen PCR.

Nun behaupten einige, dass die Corona-Tests falsche Ergebnisse liefern, 30-50% seien demnach falsch positiv. Falsch positiv heißt es werde Infektion mit SARS-Cov2 festgestellt, obwohl der Patient sich gar nicht mit dem neuartigen Coronavirus infiziert hat. Interessanterweise wird selten oder gar nicht darauf eingegangen, warum und wie die falschen Testergebnisse Zustandekommen. Falsche Ergebnisse können entweder durch unerwünschte Reaktionen mit anderen Erregern kommen (z. B. mit anderen Corona-Viren) oder durch Kontamination.

Die Publikation des Testverfahrens ist in der Fachzeitschrift Eurosurveillance publiziert worden und öffentlich einsehbar (Corman et al. 2020). Kritiker, die sich fachkundig genug fühlen die Arbeit zu studieren können mir gerne ihre Methodenkritik zusenden – oder besser an die Autoren der Publikation. Vielleicht fühlt sich ja einer der PCR-Kritiker erfahren genug den Test zu revidieren und neu zu konzipieren – was eine PCR ist und wozu sie genutzt wird, habe ich ja weiter oben grob angerissen. Mein beschränktes Wissen zu den Methoden der Genvervielfältigung sieht zumindest nichts Problematisches in dem Artikel – und ohne überheblich wirken zu wollen, kann ich von mir wenigstens behaupten während meines Studiums mehrere PCRs zur Erstellung phylogenetischer Stammbäume der Flechtengattung Cetraria und des Nachweises der Auswirkung eines Antisensegens der Ribulose-1,5-diphosphat-Carboxylase auf die CO2 Fixierung in transgenem Tabak untersucht. Wenn das gewisse homöopathisch aluhuttragende Ursulas aus der Youtube-Universität alternativer Fakten gerade nicht verstanden haben, so bitte ich doch darum, nicht über die Corona-Tests zu urteilen …

Zu möglichen Reaktionen mit anderen Erregern hat sich Christian Drosten ausführlich im NDR-Podcast geäußert (PDF, Folge 16): „Wenn wir eine Patientenprobe testen und die ist positiv, dann ist es dieses neue Coronavirus und auf gar keinen Fall eins der bekannten anderen Coronaviren.“

Theoretisch sei es zwar richtig, dass der Test gegen das alte SARS-Coronavirus reagieren würde, wie zum Beispiel Wolfgang Wodarg in seinem Video behauptete. Allerdings sei das Virus seit 16 Jahren nicht mehr beim Menschen aufgetreten. Auch bei einigen Fledermaus-Coronaviren oder einem Rinder-Coronavirus würde es theoretisch reagieren. Praktisch sei das jedoch irrelevant, weil diese nicht beim Menschen auftreten: „Wir testen mit diesem Test nur das neue Coronavirus beim Menschen.“

Weiter sagt Drosten, es sei im Rahmen der PCR-Testentwicklung eine Validierungsstudie mit einer großen Zahl echter Patientenproben durchgeführt worden, mit bekannt positiven Nachweisen anderer Coronaviren und auch aller anderen Erkältungsviren. „Und nicht ein einziges Mal hat es da eine falsch positive Reaktion gegeben. Also dieser Test reagiert gegen kein anderes Coronavirus des Menschen und gegen kein anderes Erkältungsvirus des Menschen.“

Zu der Möglichkeit falsch positiver Tests durch mögliche Kontamination schrieb uns das RKI: „In jeder Diagnostik können unter sehr besonderen Bedingungen falsche Ergebnisse auftreten, was durch die Verwendung geeigneter Kontrollen minimiert wird“. https://www.ndr.de/nachrichten/info/coronaskript132.pdf

Nebenbei besteht auch die Möglichkeit, dass die Tests falsch negativ sein können, bei denen also infizierte Patienten fälschlicherweise als negativ getestet werden.

Virologe Christian Drosten sagt dazu:

„Die PCR im Rachenabstrich ist nur in der ersten Woche zuverlässig positiv, dann verschwindet bei einigen Patienten im Hals das Virus.“ (PDF, Folge 22) https://www.ndr.de/nachrichten/info/coronaskript146.pdf

Und: „In der zweiten Woche sind die nicht mehr ganz zuverlässig positiv. Dann hat der Patient immer noch Symptome, aber im Hals kann es dann sein, dass der Test das schon nicht mehr nachweisen kann. Das liegt nicht daran, dass der Test nicht gut wäre, sondern das liegt einfach daran, dass das Virus dann im Hals nicht mehr vorhanden ist, wohl aber in der Lunge.“ (PDF, Folge 21) https://www.ndr.de/nachrichten/info/coronaskript142.pdf

Literatur

Biggerstaff, M., Cauchemez, S., Reed, C. et al. Estimates of the reproduction number for seasonal, pandemic, and zoonotic influenza: a systematic review of the literature. BMC Infect Dis 14, 480 (2014). https://doi.org/10.1186/1471-2334-14-480 https://bmcinfectdis.biomedcentral.com/articles/10.1186/1471-2334-14-480

CDC: Disease Burden of Influenza https://www.cdc.gov/flu/about/burden/index.html

Corman Victor M, Landt Olfert, Kaiser Marco, Molenkamp Richard, Meijer Adam, Chu Daniel KW, Bleicker Tobias, Brünink Sebastian, Schneider Julia, Schmidt Marie Luisa, Mulders Daphne GJC, Haagmans Bart L, van der Veer Bas, van den Brink Sharon, Wijsman Lisa, Goderski Gabriel, Romette Jean-Louis, Ellis Joanna, Zambon Maria, Peiris Malik, Goossens Herman, Reusken Chantal, Koopmans Marion PG, Drosten Christian. Detection of 2019 novel coronavirus (2019-nCoV) by real-time RT-PCR. Euro Surveill. 2020;25(3):pii=2000045. https://doi.org/10.2807/1560-7917.ES.2020.25.3.2000045 https://www.eurosurveillance.org/content/10.2807/1560-7917.ES.2020.25.3.2000045

Corona-Virus-Update Folge 16: https://www.ndr.de/nachrichten/info/coronaskript132.pdf

Corona-Virus-Update Folge 21: https://www.ndr.de/nachrichten/info/coronaskript142.pdf

Corona-Virus-Update Folge 22: https://www.ndr.de/nachrichten/info/coronaskript146.pdf

Euro-MOMO: https://www.euromomo.eu/

Focus: Faktencheck zu RKI-Daten“Muss Zahlen richtig lesen”: Experten weisen Kritik zurück, Shutdown sei sinnlos gewesen https://www.focus.de/gesundheit/news/faktencheck-zu-rki-daten-lockdown-sinnlos-weil-r-wert-vorher-schon-unter-1-das-sagen-experten_id_11910847.html

Anthony S. Fauci, M.D., H. Clifford Lane, M.D., and Robert R. Redfield, M.D. (2020): Covid-19 — Navigating the Uncharted. N Engl J Med 2020; 382:1268-1269 DOI: 10.1056/NEJMe2002387 https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMe2002387

Christina Mills, James Robins, Marc Lipsitch, Transmissibility of 1918 pandemic influenza, Nature, Band 432, 2004

McIntosh et al. (2020): Coronavirus disease 2019 (COVID-19): Epidemiology, virology, clinical features, diagnosis, and prevention https://www.uptodate.com/contents/coronavirus-disease-2019-covid-19-epidemiology-virology-clinical-features-diagnosis-and-prevention

Presseportal: Falsche Berechnung: Zahlen zu Grippetoten nicht vergleichbar https://www.presseportal.de/pm/133833/4573988

The Economist: Tracking covid-19 excess deaths across countries. Official covid-19 death tolls still under-count the true number of fatalities https://www.economist.com/graphic-detail/2020/04/16/tracking-covid-19-excess-deaths-across-countries

The Guardian: ‘As if a storm hit’: more than 40 Italian health workers have died since crisis began https://www.theguardian.com/world/2020/mar/26/as-if-a-storm-hit-33-italian-health-workers-have-died-since-crisis-began

Dr. med. Herbert Renz-Polster: Corona ist nicht gefährlicher als die Grippe!? https://www.kinder-verstehen.de/mein-werk/blog/corona-ist-nicht-gefaehrlicher-als-die-grippe/

Universtätsportal Zürich: COVID-19: Auch eine systemische Gefässentzündung http://www.usz.ch/news/medienmitteilungen/Seiten/mm-covid-19-gefaesserkrankung.aspx

Prof. Dr. med. Dr. h.c. Paul Robert Vogt (2020): COVID-19 – eine Zwischenbilanz oder eine Analyse der Moral, der medizinischen Fakten, sowie der aktuellen und zukünftigen politischen Entscheidungen https://www.mittellaendische.ch/2020/04/07/covid-19-eine-zwischenbilanz-oder-eine-analyse-der-moral-der-medizinischen-fakten-sowie-der-aktuellen-und-zuk%C3%BCnftigen-politischen-entscheidungen/?fbclid=IwAR2JhcV6wvDfjPv7yHUi3f_bsdqAFalS5zdUuC6kSZmBa3YMMx3xYdq4QC0