Haben wir uns vielleicht geirrt? Sind Vögel doch keine Dinosaurier und hinter dieser Theorie steckt eine Verschwörung selbstgefälliger Paläontologen im Elfenbeinturm, die sich gegenseitig bestätigen und kritische Stimmen unterdrücken? Klingt das zu absurd um wahr zu sein? Nun, es gibt die „Birds are not Dinosaurs Bewegung“, die genau das behauptet. Ihr führender Vertreter ist Alan Feduccia, der seit Jahrzehnten vehement bestreitet, dass sich Vögel aus Dinosauriern entwickelt haben. Ist an dieser Verschwörung etwas dran? Bin ich selbst in diese Falle getappt oder gar Teil der Dino-Vogel-Verschwörung und wollte euch in den letzten sieben Episoden hinters Licht führen? Ihr werdet es in dieser Episode erfahren. Dieser Beitrag stützt sich zu einem großen Teil auf die Buchbesprechung von Darren Naish zu Feduccias neuestem Buch „Romancing the Birds and the Dinosaurs“ (Naish 2024)[1], welcher von der AG-Evolutionsbiologie ins Deutsche übersetzt wurde.[2]
Taxonomie
Kladistik-Tutorial 3: Homologie und verschachtelte Hierarchien in Kladogrammen
Ein Kerngedanke der Evolution ist, dass alle Arten von Tieren, Pflanzen, Pilzen und Mikroorganismen, die jemals auf der Erde gelebt haben, auf einen gemeinsamen Vorfahren zurückgehen. Das heißt, alle Lebewesen sind miteinander verwandt und lassen sich in einem evolutionären Stammbaum darstellen. Ein solcher Stammbaum stellt die verwandtschaftlichen Beziehungen einer Gruppe von Organismen dar, wie sie nach Darwins Theorie der Abstammung mit Modifikation von gemeinsamen Vorfahren verstanden werden.
Im letzten Beitrag befassten wir uns damit, wie man einen evolutionären Stammbaum richtig lesen kann. In diesem Beitrag wollen wir klären, nach welchen Kriterien diese gemeinsame Abstammung überhaupt geschlossen wird.
Die entscheidende Evidenz für die universelle gemeinsame Abstammung ist die Homologie. Als sich in den frühen 1800er Jahren die vergleichende Anatomie und die vergleichende Embryologie entwickelten, war eines der auffälligsten Ergebnisse, dass den offensichtlichen physischen Unterschieden zwischen den Arten grundlegende Ähnlichkeiten zugrunde liegen. Die frühen Forscher nannten dieses Phänomen Homologie – wörtlich: das Studium der Ähnlichkeit.
Richard Owen, der führende britische Anatom, definierte Homologie als „dasselbe Organ bei verschiedenen Tieren in jeder Form und Funktion“.
Wie kommt es zu diesen Ähnlichkeiten im Aufbau trotz der Unterschiede in Form und Funktion? Darwin argumentierte, dass die Abstammung von einem gemeinsamen Vorfahren die logischste Erklärung ist. Mithilfe von Homologien lassen sich evolutionäre Stammbäume rekonstruieren.
(falsche) Fakten über Menschenrassen
Zu meinem Buch „Eva kam aus Afrika“ sind einige Rezensionen erschienen, die meisten durchweg positiv. Auf einer eher fragwürdigen Internetseite erschien eine negative „Rezension“ … naja es ist eigentlich keine Rezension meines Buches, sondern eine Rezension einer Rezension…
In der „Arbeiterstimme“ Nr. 213 wurde auf Seite 25 eine Rezension zu meinem Buch „Eva kam aus Afrika“ veröffentlicht. Ich möchte den Genossen der Zeitschrift für diese Rezension danken.
Offenbar blieb diese Rezension nicht unbemerkt, denn ein Artikel im „Faktum-Magazin“ von Michael Mansion reagierte auf diese Rezension. Es hat den Titel „Die Arbeiterstimme zum Buch ‚Eva kam aus Afrika … und Adam auch. Der Mythos vom wissenschaftlichen Rassismus‘ Eine Gegenrede als Brief“ (online unter http://www.faktum-magazin.de/2021/10/die-arbeiterstimme-zu-eva-kam-aus-afrika-und-adam-auch/).
Ich kannte das Faktum-Magazin bisher nicht, aber ein kurzes Durchforsten der Seite (http://www.faktum-magazin.de) erweckt bei mir zumindest den Eindruck, dass das Magazin, diplomatisch ausgedrückt, mit der Arbeiterbewegung nicht sympathisiert. Eine Einschätzung dieses Magazins überlasse ich den Lesern selbst, in diesem Artikel möchte ich nur auf einige Aussagen von Michael Mansions als „Gegenrede“ bezeichnete Rezension der Rezension eingehen. Denn Mansion erwähnt gleich zu Anfang, dass er „das Buch nicht gelesen habe“- was natürlich die beste Voraussetzung ist, den Inhalt eines Buches zu kritisieren.
Mansion schreibt: „zunächst [taucht] die durchaus interessante Frage auf, warum mit solcher Vehemenz darauf beharrt wird, dass es angeblich keine menschlichen Rassen geben soll.“
Phylogenetische Systematik Teil 4: Homologie
Lesetext: Homologie
In den vorherigen Kapiteln haben wir uns intensiv mit der phylogenetischen Systematik und Kladistik befasst.
Wir halten fest: Lebewesen sind ein Mosaik aus apomorphen und plesiomorphen Merkmalen. Doch wie bestimme ich, welche Merkmale apomorph und welche plesiomorph sind?
Phylogenetische Systematik Teil 1: Taxonomie
Unsere belebte Welt zeichnet sich vor allem durch eines aus: eine unermessliche Vielfalt an Formen des Lebens. Mittlerweile kennt die Wissenschaft ca. 2 Millionen (2.000.000!) beschriebene, heute lebende Tier-, Pflanzen-, Pilz-, und Bakterienarten. Doch damit nicht genug: Jährlich werden tausende neue Arten beschrieben. Aufgrund dieser Neuentdeckungen schwankt die Schätzung aller Arten auf unserem Planeten zwischen 3 und 100 Millionen. Wenn man bedenkt, dass im Laufe der Erdgeschichte 99% aller Arten ausstarben und wir von einer konservativen Zahl von 10 Mio. heute lebender Arten ausgehen, so brachte die Evolution mindestens 1 Milliarde unterschiedlicher Arten hervor! Wie einem Wunder gleich, so sind sie doch Produkte des natürlichen Ablaufs der Evolution.
Phylogenetische Systematik
Befasst man sich mit Evolution, kommt man an einem bestimmten Thema nicht vorbei: der phylogenetischen Systematik. Jeder hat sicherlich den ein oder anderen evolutionären Stammbaum gesehen. Unten stehend ist ein Stammbaum der Primaten dargestellt (Abb. 1). Solche Stammbäume stellen die Verwandtschaftsbeziehungen zwischen den untersuchten Gruppen der Lebewesen dar; zeigen also, welche Arten auf einen gemeinsamen Vorfahren zurückgehen. Das Ziel dieses Artikels ist es darzustellen nach welchen Regeln und Prinzipien man solche evolutionären Stammbäume erstellt.