Wir haben im Kapitel 13 u. a. unseren Fokus daraufgelegt, sich die Familienbeziehungen menschlicher Gesellschaften anzuschauen. Wir kamen zu der Erkenntnis, dass die menschliche Urgesellschaft egalitär war und es keine festen monogamen Paarbindungen gab. Damit steht die Faktenlage konträr zu den Behauptungen der sog. Evolutionären Psychologie, die postuliert, dass die Urgesellschaft eigentlich der heutigen gleiche. Wir erwähnten dann im Artikel, dass mit dem Beginn der Sesshaftigkeit sich die gesellschaftlichen Bedingungen änderten. Dieser Aspekt soll nochmal aufgegriffen und näher erläutert werden.

Wir wiederholen was wir aus Teil 13 wissen:

  • Die Urgesellschaft bestand aus Jägern und Sammlern, die nomadisch lebten und über kein Eigentum verfügten.
  • Alles was erjagt und erbeutet wurde, wurde verzehrt. Vorräte wurden nicht, bzw. nur sehr kurz, angelegt. Es gab kein sog. gesellschaftliches Mehrprodukt.
  • Die Menschen waren auch nicht sesshaft, sondern lebten nomadisch und suchten neue Jagdgründe.
  • Es gab keine typisch monogame Beziehung, die Vaterschaft war nicht geklärt.
  • Diese aufgelisteten Merkmale finden sich auch heute noch bei reinen Jäger- und Sammlergesellschaften.

Diese Lebensweise hat natürlich eine Konsequenz: die Gruppen waren relativ klein. Eine Reihe von Jagdgebieten erlaubte es nicht, dass die menschliche Population wachsen konnte. Die menschliche Urgesellschaft war sehr klein. Eine Untersuchung legt nahe, dass vor 33.000 Jahren in West- und Mitteleuropa etwa 1500 Menschen lebten (SCHMITD & ZIMMERMANN 2019)!

Jäger- und Sammlergesellschaften sind in den meisten Fällen matrilokal. Das heißt, dass die Frauen in ihrer Sippe bleiben, in der sie geboren sind, während die Männer die Sippen verlassen und sich neue suchen. Häufig kommen auch bilokale Sippen vor (Männer und Frauen verlassen die Gruppe, z. B. als Partner einer Beziehung, ohne jedoch eine Präferenz zu haben zur Familie des Mannes oder der Frau zu ziehen). Patrilokale Gruppen sind bei Jägern und Sammlern selten. Dies lässt sich nicht nur durch den Vergleich heute lebender Jäger- und Sammlergesellschaften belegen, sondern z. B. auch durch genetische Studien. So sind die genetischen Variationen des Y-Chromosoms (nur von Männern vererbt) geographisch weiter verteilt, als die Variationen der mitochondrialen DNA (die nur von der Mutter vererbt wird) (vgl. KNIGHT 2008, MARLOWE 2004, WILKINS & MARLOWE 2006, WILKINS 2006, RASTEIRO et al. 2012). Diese Matrilokalität verhindert eine Dominanz der Männer. Jäger- und Sammlergesellschaften zeichnen sich dadurch aus, dass sie egalitär sind, bei der die Frauen eine wichtige gesellschaftliche Rolle spielen, jenseits ihrer Fähigkeit Kinder zu gebären. Diese Form des Egalitarismus sehen eine Reihe von Anthropologen als wichtigen Schritt für entscheidende Schritte der Menschwerdung – Bewusstsein, Sprache, soziale Organisation. Es gibt bei solchen Jäger- und Sammlergesellschaften jedoch die Tendenz der Arbeitsteilung zwischen Geschlechtern: Männer sind hauptsächlich Jäger, Frauen Sammler (WILDLOK & TADESSE 2006, ENDICOTT 1999, ERDAL & WHITEN 1994, 1996, BOEHM 1999, GOWDY 1998).

Der Übergang zur Sesshaftigkeit brachte eine Reihe Änderungen mit sich:

  • Die Domestikation von Pflanzen und Tieren erlaubte die Sesshaftigkeit
  • Es wurde ein Mehrprodukt geschaffen
  • Es konnten somit auf der gleichen Fläche mehr Menschen ernährt werden.

Sie entstand auch erst vor etwa 10.000 Jahren, also relativ kurz in der Geschichte der Menschheit. Die neolithische Revolution fiel sicherlich nicht vom Himmel, nach dem Prinzip, dass ein Urmensch gestern noch Mammuts jagte und am nächsten Abend Weizen anbaute. Viel mehr war es eine Übergangsperiode, bei der beide Formen gleichzeitig bestanden, d. h. der erste Anbau von Pflanzen und erste Schritte der Viehzucht (z. B. konnte man das Kalb des erjagten Muttertiers mit zur Sippe bringen und großziehen) kamen schrittweise zur Anwendung, wenn noch hauptsächlich gejagt wird. Solche Mischformen finden sich auch noch bei einigen heutigen Stämmen, z. B. den Yanomami in Venezuela. Landwirtschaft und Viehzucht sind wesentlich komplexer als die Jagd nach Wildtieren, weil dies Erfahrung und Kenntnis der Zucht und Haltung erfordert, wie natürlich auch die Geduld auf die Ernte zu warten. Das erklärt auch, warum sie sich so relativ spät in der Menschheitsgeschichte entwickelte. Sie war möglicherweise auch aus der Notwendigkeit geboren: Die neolithische Revolution korreliert nicht nur mit dem Ende der letzten Eiszeit, sondern auch mit dem Verschwinden der Megafauna. Die Mammuts, Riesenhirsche und andere eiszeitliche Großtiere, die die Hauptbeute der frühen Jäger und Sammler waren, verschwanden zunehmend und es mussten neue Nahrungsquellen erschlossen werden.

Die Sesshaftigkeit und das Mehrprodukt alleine schaffen noch keine Klassenherrschaft und Patriarchat. Die ersten neolithischen Agrargesellschaften waren egalitär, bzw. die sozialen Unterschiede waren relativ gering. Einen Hinweis darauf liefert z. B. die ausgegrabene Siedlung Çatalhöyük in der Türkei, die im Zeitraum zwischen 7500 und 5700 v. Chr. bestand. Sie zeichnet sich z. B. dadurch aus, dass die Häuser alle gleich aussahen; die gleichzeitig mehrere Aufgaben erfüllten und wie autonome Wirtschaftseinheiten funktionierten. Es gibt bislang keine Belege für Sonder- oder öffentliche Gebäude, noch für Festungen oder anderen Verteidigungseinheiten. Auffällig sind auch viele weibliche Figurinen, die laut einigen feministischen Forschern „Götter“ darstellen sollen und ein Beweis für ein Matriarchat darstellen. Doch die Belege sind eher umstritten, da nur ein Bruchteil der Figuren weibliche Körper darstellen, es viele männliche Figuren und Figuren von Nutztieren gibt. Es wird vermutet, dass es sich um Spielzeuge handelt und nicht um „Götter“. Zeichen für ein Matriarchat bestehen nicht, sondern die Befunde zeigen eher eine Gleichstellung der Geschlechter, dass das Geschlecht also die Rolle des Individuums in der Gesellschaft nicht bestimmte. (Quelle: wikipedia)

Die ersten neolithischen Agrarkulturen waren also egalitär, wie konnte aber daraus eine Klassengesellschaft mit einem Patriarchat entstehen? Frühe Agrarkulturen hatten (bzw. haben) das Problem, dass sie in ihrer Produktivkraftentwicklung noch sehr einfach waren: Farmmethoden wurden hauptsächlich per Hand gemacht, es gab also weder Pflug noch Ochsen oder andere Tiere, die die Landwirtschaft erleichterten. Da die Haushalte wahrscheinlich autark arbeiteten, gab es wenig Möglichkeiten einer Monopolisierung von Ressourcen. Außerdem war zu Beginn noch genügend Land vorhanden, so dass neue Menschen zuwandern konnten und sich weder Feudalherren, noch Sklavenhalter bilden konnten, die Land monopolisierten. Mit der Erweiterung der Viehzucht, die nicht nur zur Nahrung, sondern auch für die Bearbeitung landwirtschaftlicher Böden dienlich waren, kam es zu einer Ungleichverteilung an Produktionsmittel (Tiere), was zu Konflikten führen konnte. Landmangel führte zu Privateigentum an Grund und Boden und dies zu weiteren Konflikten und Kriegen. So entstanden erste Klassen und auch befestigte Siedlungen (mit Stadtmauern, Wachtürme etc.).

Wenn ein Mehrprodukt entsteht, vor allem an Nahrung, führt das dazu, dass nicht jeder in einer Gruppe an der Produktion von Nahrungsmitteln beteiligt werden muss. So können nicht-landwirtschaftliche Arbeiten entstehen, z. B. Töpfer oder Schmiede. Auch hier entsteht erstmal keine Klassengesellschaft, sondern nur eine Arbeitsteilung zwischen Gleichberechtigten. Klassen entstehen erst, wenn ein Teil des Mehrproduktes zu jenen fließt, die nicht an der Produktion beteiligt sind und sich dieser nicht-produktive Status auf die Nachkommen vererbt. Dieses Mehrprodukt, welches durch die nicht-produktiven Klassen angeeignet wird, konzentriert sich natürlich nicht nur auf die Nahrung, sondern auch auf andere Produkte: Kleidung, Schmuck, Waffen etc. – der Kaiser ist eben nicht nackt. Die Grundlagen der Ausbeutung sind gelegt.

Da jedoch ein Mehrprodukt und Arbeitsteilung prinzipiell keine Klassen, erst recht keine nicht-produktiven (=Ausbeuterklassen), benötigt, sind weitere Voraussetzungen notwendig, damit eine Klassengesellschaft sich etablieren kann: Kriege, Patriarchat, Religion und natürlich ein Staat.

Eine wachsende Bevölkerung braucht mehr Ressourcen und Land – eine Ausbeuterklasse erst recht, da sie ja ohne gesellschaftliche Arbeit an ihre Reichtümer kommt. Neues Land wird vor allem durch Raubzüge und Kriege gewonnen. Die Bevölkerung der eroberten Gebiete kann entweder getötet werden oder die Männer als Arbeitssklaven gehalten werden (man hat billige Arbeitskräfte, deren Mehrprodukt man rauben kann) und Frauen zur Reproduktion der Eroberer dienen (Sicherung des Erbrechtes). Wir haben hier also nicht nur den Übergang zur Sklavenhaltergesellschaft, sondern den Übergang zum Patriarchat (vgl. COCKSHOTT 2019). Es ist bezeichnend, dass die ersten archäologischen Funde für Kriege mit dem Auftauchen der neolithischen Kulturen zusammentreffen. Vorher bestand weder die Notwendigkeit (kein Eigentum) noch die Wahrscheinlichkeit (geringe Populationsdichte) Kriege zu führen (vgl. FRY 2007, 2013)

Gerade der Punkt, Frauen aus den eroberten Gebieten zu entführen, hat entscheidende Gründe (vgl. hierzu COCKSHOTT 2019). Die wichtige Grundlage für die reproduktiven Ressourcen einer Gesellschaft ist die Zahl gebärfähiger jünger Frauen. In den frühen neolithischen Gesellschaften, die zwar schon Landwirtschaft betrieben aber noch auf die Jagd angewiesen waren, war die Bevölkerungsgröße gering (wenig Mehrprodukt) und die Zahl der Frauen, die Kinder gebären konnten, schwankte somit. So gab es Gruppen mit wenigen gebärfähigen Frauen, andere hatten viele. Die logische Konsequenz daraus ist, dass Sippen mit wenigen gebärfähigen Frauen gezwungenermaßen Frauen aus anderen Sippen entführen mussten, um die Population der eigenen Sippe aufrechtzuerhalten. Das führt nicht nur zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den einzelnen Gruppen, sondern auch zu ersten Ansätzen einer patriarchalen Ordnung, selbst wenn die Gesellschaften sonst egalitär und matrilinear sind. Nun besteht aber nicht nur die Möglichkeit Frauen aus solchen Gruppen zu entführen, sondern diese z. B. auch zu verkaufen (z. B. wenn Frauen mit Vieh gekauft werden). Hiermit entwickelt sich auch ein Übergang von einer matrilokalen zu einer patrilokalen Gesellschaft. Während die Männer in ihrem Geburtsort bleiben, „wandern“ die Frauen ab. Die entführten Frauen sind dann natürlich ihrem Mann unterwürfig, aber auch der Mutter des Mannes (also der Schwiegermutter). Hier entsteht ein weiterer Aspekt der Ungleichheit der Geschlechter. Sippen, die die Landwirtschaft und Viehhaltung zunehmend weiterentwickeln, sind in dieser Phase logischerweise im Vorteil. Dies führt aber – neben der Entführung von Frauen – zu einer weiteren Konsequenz. Land, Nutzvieh und Arbeitsgeräte sind Privateigentum. Dieses Privateigentum muss vererbt werden. Das Privateigentum war natürlich Privateigentum des Mannes; er musste es nach seinem Tod jemanden vererben können. Natürlich war der Sohn Erbfolger. Das heißt wiederrum, dass der Vater wissen muss, wer sein Sohn ist. War bei den matrilokalen, egalitären Jäger- und Sammlergesellschaften die Vaterschaft nicht geklärt, so musste dies in den Agrargesellschaften der Fall sein. Der Übergang zur patrilokalen Gesellschaft mit männlicher Erbfolge ermöglichte diesen Schritt. Die Gleichheit der Geschlechter wurde abgeschafft, das Patriarchat entstand. Nicht aus der Boshaftigkeit der Männer, sondern aus den notwendig gewachsenen Widersprüchen des Übergangs nomadischer Jäger zu sesshaften Bauern.

Es gibt zwei Möglichkeiten diese Widersprüche zu lösen:

  1. Durch die Erweiterung der Agrarproduktion und Steigerung des Mehrproduktes, sodass große matrilineare Gesellschaften mit gleichberechtigten Geschlechtern und vielen gebärfähigen Frauen entstehen können. Dies geschah z. B. wahrscheinlich in Çatalhöyük.
  2. Durch die Entstehung patrilokaler Gesellschaften mit patriarchaler Struktur, monogamer oder polygyner (= viele Frauen) Familien und männlicher Erbfolge.

In der Geschichte der Klassenherrschaft dominierte Möglichkeit Nummer zwei. Diese patriarchalen Strukturen erhielten sich auch bis in die heutige Zeit, der kapitalistischen Gesellschaftsformation.

Anti-Butler

Teil eins unserer Mars versus Venus-Reihe befasste sich mit der Queer-Theorie und einer ihrer Wortführerinnen Judith Butler. Wir kamen zu der Erkenntnis, dass die Queer-Theorie eine reaktionäre Strömung ist, die keiner wissenschaftlichen Praxis standhält. An dieser Stelle wollen wir uns etwas näher mit einigen Aussagen Judith Butlers befassen, die diese Unwissenschaftlichkeit exemplarisch aufzeigen sollen. Hierzu bedienen wir uns Butlers 1990 erschienenem Buch „Gender Trouble: Feminism and the Subversion of Identity“ (deutsch: Das Unbehagen der Geschlechter).

Eine der ehrgeizigen Hypothesen von Butler ist, dass nicht nur das soziale Geschlecht (Geschlechterrollen, „gender“), sondern auch das angeborene, biologische Geschlecht („sex“) selbst ein soziales Konstrukt ist. Sie schreibt:

„Does being female constitute a natural fact or a cultural performance, or is naturalness constituted through discursively constrained performative acts that produce the body through and within the categories of sex?“ Butler [1990: page xxviii]

Deutsch:

„Ist Weiblichkeit eine natürliche Sache oder eine kulturelle Performance oder ist Natürlichkeit durch diskursiv beschränkte performative Handlungen konstituiert, die den Körper durch und innerhalb der Kategorien des Geschlechts hervorbringen?“

Dieses unnötig komplizierte Geschwafel Butlers (ich hoffe hier halbwegs richtig übersetzt zu haben) soll eigentlich nur ausdrücken, dass Geschlechter durch eine sog. Performativität erzeugt werden soll. Hierbei handelt es sich um einen Begriff der Sprachakttheorie. Performativ ist die Sprechhandlung, wenn sie ausgeführt oder konkretisiert wird (Beispiele: das tun, was man sagt, oder einen konkreten Entscheidungszeitpunkt nennen). Performativität bezeichnet also die Ausführung oder Konkretisierung des gesprochenen Wortes. Heißt in unserem Beispiel: Wenn ich eine gewisse Gruppe von Menschen als Frauen und eine andere als Männer bezeichne, werden sie entsprechend zu Männern und Frauen. Durch ihre rhetorische Frage verneint Butler in diesem Zitat die Natürlichkeit der Weiblichkeit.  Doch was bringt es die Weiblichkeit zu leugnen? Es gibt ja auch männliche und weibliche Tiere, der Geschlechtsdimorphismus ist natürlich, wie wir festgestellt haben. Wenn Butler nur sagen würde, dass Frauen in der Geschichte der Menschheit eine unterschiedliche soziale Repräsentation bekommen, wäre das ein Punkt, über den man nicht streiten müsste. Ähnliches könnte man über die Kindheit sagen.

Bei allen Primatenarten gibt es eine Kindheit, bei der die Jungtiere wachsen, spielen und lernen. Das trifft natürlich auch auf die Menschen zu. Jedoch ist neben dieser biologisch natürlichen Tatsache, dass es Kinder gibt, die soziale Kategorie der Kindheit gesellschaftlich verschieden und abhängig vom Wirtschaftssystem. In unserer Gesellschaft korreliert die soziale und juristische Kategorie „Kind“ mit der Wachstumsperiode der Kinder. In anderen Gesellschaften gilt man schon mit jüngeren Jahren als erwachsen (Kinderarbeit, Zwangsheirat etc.). Es würde aber keiner auf die Idee kommen zu sagen, Kinder seien nur ein soziales Konstrukt und gesellschaftlich nicht real. Kein Gesetz zur Kinderarbeit und keine Gesetze zur Pädophilie würde an der Tatsache rütteln, dass es sowas wie eine Kindheit, also eine Wachstumsperiode bei Menschen, gibt und keiner würde auf die Idee kommen zu behaupten Kinder hätten dieselben Fähigkeiten und Stärken wie Erwachsene. Doch Butler tut dies genau bei dem Begriff der Geschlechter.

„What is sex anyway? Is it natural, anatomical, chromosomal, or hormonal, and how is a feminist critic to assess the scientific discourses which purport to establish such facts for us? Does sex have a history? Does each sex have a different history, or histories? Is there a history of how the duality of sex was established, a genealogy that might expose the binary options as a variable construction? Are the ostensibly natural facts of sex discursively produced by various scientific discourses in the service of other political and social interests?“ Butler, [1990, Page 10]

Auf deutsch:

„Was ist sex überhaupt? Ist es natürlich, anatomisch, chromosomal oder hormonell und wie kann eine feministische Kritikerin die wissenschaftlichen Diskurse bewerten, die vorgeben, solche Tatsachen für uns zu begründen? Hat Sex eine Geschichte? Hat jedes Geschlecht eine andere Geschichte oder Geschichten? Gibt es eine Geschichte darüber, wie die Dualität des Geschlechts hergestellt wurde, eine Genealogie, die die binären Optionen als variable Konstruktion enthüllen könnte? Werden die angeblich natürlichen Tatsachen des Geschlechts diskursiv von verschiedenen wissenschaftlichen Diskursen im Dienste anderer politischer und sozialer Interessen hervorgebracht?“

Es kommt einer Verschwörungstheorie nahe: Der Hinweis, dass es in der Natur keine Geschlechter gibt und dass Beobachtungen in der biologischen Literatur, dass sich andere Tiere sexuell vermehren, nur eine Verschwörung aus politischen und sozialen Interessen sind. Die rhetorische Technik, eine Reihe von “kühnen” Fragen zu stellen, ohne Beweise oder Argumente dafür vorzulegen, ist eine typische Herangehensweise von jenen Kräften, die eigentlich gar keine Argumente und Beweise haben.

Butler zeigt, dass ihrer Meinung nach „Sex“ (also das biologische Geschlecht) tatsächlich nur ein soziales Konstrukt ist.

If the immutable character of sex is contested, perhaps this construct called sex is as culturally constructed as gender; indeed, perhaps it was always already gender.“ Butler, [1990,Page 10]

Auf deutsch:

„Wenn der unveränderliche Charakter des Geschlechts umstritten ist, ist dieses Konstrukt, das Sex genannt wird, vielleicht ebenso kulturell aufgebaut wie das Geschlecht; vielleicht war es ja schon immer gender.“

Aus wissenschaftlicher Sicht wissen wir, dass Sex keine soziale Konstruktion ist. Wir haben das in den anderen Teilen zu genüge nachgewiesen. Die These, dass Sex nur ein soziales Konstrukt ist, wird nun als Tatsache dargestellt, mit der Annahme, dass diese auf ihren Wahrheitsgehalt erfüllt ist, ohne dass versucht wird, die Wahrscheinlichkeit oder Plausibilität der Behauptung zu beurteilen.

Butler weiter:

„It would make no sense, then, to define gender as the cultural interpretation of sex, if sex itself is a gendered category. Gender ought not to be conceived merely as the cultural inscription of meaning on a pregiven sex (a juridical conception); gender must also designate the very apparatus of production whereby the sexes themselves are established. As a result, gender is not to culture as sex is to nature; gender is also the discursive/cultural means by which sexed nature or a natural sex is produced and established as prediscursive, prior to culture,.“  Butler, [1990,Page 11]

Deutsch:

„Es macht also keinen Sinn gender als eine kulturelle Interpretation von sex anzusehen, wenn sex selbst eine genderspezifische Kategorie darstellt. Gender darf nicht nur als kulturelle Inschrift der Bedeutung eines vorgegebenen sex verstanden werden (juristische Konzeption); gender muss auch den eigentlichen Produktionsapparat bezeichnen, durch den die Geschlechter (sexes) selbst bestimmt werden. Infolgedessen ist gender nicht nur Kultur und sex nicht nur Natur; gender ist auch das diskursive / kulturelle Mittel, mit dem geschlechtliche Natur (sex) oder ein natürliches Geschlecht (sex) vor der Kultur erzeugt und als prädiskursiv etabliert wird.“

Sie geht von einer bedingten Formulierung „wenn sex selbst eine gender Kategorie ist“ zu einer uneingeschränkten Schlussfolgerung über, dass sex das Ergebnis von gender ist. Was genau damit gemeint ist, wird nicht dargelegt.

Der einzige Weg, ihren Text zu interpretieren, der mit dem kompatibel ist, was wir aus der Wissenschaft kennen, wäre folgender (Wir setzen mal voraus, wir würden Butlers Text tatsächlich wissenschaftlich ernst nehmen): Butler schreibt: „gender muss auch den eigentlichen Produktionsapparat bezeichnen, durch den die Geschlechter (sexes) selbst bestimmt werden.“ Der „Produktionsapparat“ der Bildung des Geschlechts (sex) ist die Ansammlung der Gene, Hormone und ihrer Regulation und Ausführung, welche die Geschlechterunterschiede entstehen lassen. Hierzu zählt z. B. die An- oder Abwesenheit des Y-Chromosoms bei Säugetieren oder die Temperatur bei Krokodilen. Würde man also Butlers Text wörtlich und ernst nehmen ist gender der (biologische) Prozess, welches männliche und weibliche Individuen entstehen lässt, quasi gender = Genotyp, sex = Phänotyp. Doch Butler meint selbstverständlich etwas völlig anderes.

Haben Biologen aufgrund kultureller Geschlechtsunterschiede festgestellt, dass alle plazentaren Säugetiere bestimmte Merkmale aufweisen, zu denen die Fortpflanzung durch innere Befruchtung, Schwangerschaft und Stillzeit gehören? War es die Geschlechterideologie, die die Bauern zu der Annahme veranlasste, dass Vieh sich sexuell fortpflanzt? Würden sich Kühe, die keinen Bullen ausgesetzt sind, durch Parthenogenese (nicht sexuell = klonen) wie Blattläuse vermehren?

All dies sind absurde Fragen, aber sie wiederholen nur Butlers eigene Fragen in einer konkreteren Form. Butler kommt dem Vorschlag nahe, dass das gesamte Korpus der biologischen Wissenschaften, sofern es sich um sexuelle Fortpflanzung handelt, eine Erfindung ist. Dies ist eine außergewöhnliche Annahme. Außerordentliche Annahmen bedürfen eines entsprechend starken Nachweises, um plausibel zu sein. Wenn sie Beobachtungen oder experimentelle Beweise für die Prävalenz der asexuellen Fortpflanzung bei Säugetieren hat, hätte sie diese zitieren müssen. Geschieht dies nicht, muss ihre Hypothese als besonders ausgefallene Verschwörungstheorie behandelt werden.

Soweit sie eine Unterstützung für das soziale Konstrukt Sex hervorbringt, zitiert sie keine Biologen, sondern rechnet dies als Schlussfolgerung aus den Ansichten einer anderen Philosophin, Simone de Beauvoir, an:

„Beauvoir is clear that one becomes a woman, but always under a cultural compulsion to become one. And clearly, the compulsion does not come from sex. There is nothing in her account that guarantees that the one who becomes a woman is necessarily female. If the body is a situation, as she claims, there is no recourse to a body that has not always already been interpreted by cultural meanings; hence, sex could not qualify as a prediscursive anatomical facticity. Indeed, sex, by definition, will be shown to have been gender all along.“ Butler, [1990,Page 12]

Deutsch:

„Für Beauvoir ist es klar, dass jemand zu einer Frau wird, aber immer unter kulturellen Zwängen. Und dieser Zwang entsteht eindeutig nicht aus dem biologischen Geschlecht [sex]. Es gibt in ihren Aufzeichnungen nicht einen Hinweis, dass die Person, die zur Frau wird notwendigerweise weiblich ist. Wenn der Körper eine Situation ist, wie sie behauptet, gibt es keinen Rückgriff auf einen Körper, der nicht immer schon von kulturellen Bedeutungen interpretiert wurde; Daher konnte sich Sex nicht als prädiskursive anatomische Tatsache qualifizieren. Tatsächlich wird sich per Definition herausstellen, dass sex die ganze Zeit über ein gender war.“

Butler leitet die Auslöschung der Frau lediglich aus ein paar Zeilen von Simone de Beauvoir her. Butler räumt ein, dass Beauvoir sagt, dass Frauen unter kulturellem Zwang zu Frauen werden. Aber de Beauvoir geht vernünftigerweise davon aus, dass es weibliche Kinder sind, die unter diesem sozialen Zwang stehen. Die Tatsache, dass de Beauvoir dies nicht garantiert, ist unerheblich. De Beauvoir sollte nicht verpflichtet sein, offensichtliche und unumstrittene Punkte zu beweisen. De Beauvoir beschrieb Formen des kulturellen Zwangs, die seit Jahrhunderten bestanden hatten.

In einem früheren Werk schrieb Butler:

„If being a woman is one cultural interpretation of being female, and if that interpretation is in no way necessitated by being female, then it appears that the female body is the arbitrary locus of the gender ‘woman’, and there is no reason to preclude the possibility of that body becoming the locus of other constructions of gender.“ (Butler 1986)

Deutsch:

„Wenn Frau sein eine kulturelle Interpretation des Weiblichen ist und diese Interpretation in keiner Weise durch das Weibliche erforderlich ist, dann scheint der weibliche Körper der willkürliche Ort des Geschlechts „Frau“ zu sein, und es gibt keinen Grund, die Möglichkeit auszuschließen die, dass dieser Körper zum Ort anderer Geschlechterkonstruktionen wird.“

Diese „Logik“ ist in sich widersprüchlich. Wir können Butlers Satz mit einem Vergleich aus der phylogenetischen Systematik ad absurdum führen: Wale sind eine Gruppe der Säugetiere. In Butlers Interpretation der „Weiblichkeit“, würde sich die Interpretation des „Säugetiers Wal“ so anhören:

„Wenn ein Wal sein ein evolutionäres Ergebnis des Seins eines Säugetiers ist und wenn diese Interpretation eines Wals in keiner Weise durch das Sein eines Säugetiers erforderlich ist, dann ist das Sein eines Säugetiers völlig willkürlich zum Sein eines Wales; also können auch Haie Wale sein.“

Klingt kompliziert? So ist die Denkweise von Butler.

Alles, was man logisch aus den von Butler vorgebrachten Prämissen schließen kann, ist der triviale Punkt, dass Frauen eine Untergruppe des Weiblichen sind. Dies kann sowohl in Bezug auf die Ontogenese als auch in Bezug auf die historische Genese gesehen werden. Frauen sind eine Untergruppe des Weiblichen, da Mädchen keine Frauen sind (aber weiblich), und Frauen in ihrer gegenwärtigen kulturellen Rolle sind historisch eine Untergruppe aller Frauen, die existiert haben, seit Frauen in anderen Gesellschaften unterschiedliche kulturelle soziale Rollen hatten.

Man beachte den Hinweis, den Butler macht, dass sex unmöglich prä-diskursiv sein kann. Das heißt, dass wir nicht vorher wissen können, welches Geschlecht eine Person hat, wir es also nicht vorher schlussfolgern können. Erst durch die Macht der Sprache werde das Geschlecht Realität. Unsere Sinneseindrücke, insbesondere das Sehen, werden dabei ignoriert. Schließlich sagen wir vor allem durch das Betrachten von Menschen, welches Geschlecht sie haben. Nur in einigen Fällen trifft dies nicht zu (z. B. das Ausfüllen von Formularen) und dort wird die Sprache zur Notwendigkeit das Geschlecht zu erfahren, indem wir jemanden Fragen können.

Butlers Behauptung, dass wir das Geschlecht nicht prä-diskursiv erfahren können, wird übrigens durch die empirische Forschung widerlegt. Eine Studie von LENDERBERG et al. (1986) mit tauben Kindern konnte demonstrieren, dass Butler sich irrt. Wäre Butlers Hypothese wahr, dass Geschlechter durch Sprechakte entstehen, müssten taube Kinder Mädchen und Jungen nicht unterscheiden können. Die Wissenschaftler untersuchten taube und nicht-taube Kinder im Alter von drei bis fünf Jahren auf ihre präferierten Spielpartner (Spielpartner des gleichen oder anderen Geschlechtes). Sowohl taube, wie nicht-taube Kinder hatten eine Präferenz mit Kindern des gleichen Geschlechtes zu spielen. Man könnte einwerfen, dass einige taube Kinder die Zeichensprache beherrschten und durch diese die Kategorien des Geschlechts an andere Kinder kommuniziert hätten, womit Butlers Hypothese zumindest Plausibilität hätte. Doch das trifft nicht zu. Zum einen konnten nur sehr wenige Kinder oder ihre Eltern die Zeichensprache. Zum anderen stellte man fest, dass diese bei denjenigen, die die Zeichensprache konnten keinen Einfluss auf die Präferenz ihrer Spielkameraden hatte. Die Fähigkeit das eigene Geschlecht zu erkennen muss daher prä-diskursiv sein und über die visuellen als über die sprachlichen Fähigkeiten vermittelt werden.

Butler und die Ausbeutung der Frau im Kapitalismus

Butler lässt uns glauben, dass es keine universelle Kategorie von Frauen gibt. Sie versucht, das Wort jeder Gruppenmitgliedschaft auszulöschen und es in eine Frage von Performances oder Selbstwahrnehmungen zu verwandeln, die durch die sozialen Stereotypen, die durch gender auferlegt werden, zusammengehalten werden.  Anstelle der universellen Kategorien von Männern und Frauen, die auf der materiellen Natur des geschlechtlichen Körpers beruhen, ignoriert Butler Sex völlig zugunsten der Geschlechtsidentität.

Mann du Frau unterscheiden sich in einem Aspekt, nämlich in der Fortpflanzung. Frauen sind in der Lage Kinder zu gebären. Dies hat logischerweise soziale Konsequenzen, die sich die herrschende Klasse zu Nutze macht. Voraussetzung sind die sozialen Erwartungen, die aufgrund ihres Fortpflanzungspotentials an Frauen gestellt werden. Die Handlung eines Mannes, eine sozial konstruierte Weiblichkeit darzustellen, ändert also nichts an der Universalität der Kategorie der Frau und erlaubt es Männern auch nicht, in diese Kategorie einzutreten. Also, ja, von der Frau wird erwartet, dass sie sich “wie eine Frau” verhält, was auch immer das Verhalten einer Frau in einer bestimmten Gesellschaft ausmacht. Sie wird dies jedoch nur aufgrund ihres biologischen Geschlechts erwarten. Ihre weibliche Performativität macht sie nicht zu einer Frau; Ihr wird Weiblichkeit aufgezwungen, weil sie eine Frau ist, und sie wird bestraft, wenn sie sich weigert, sich zu fügen. Wir haben weiter oben die Ursprünge des Patriarchates ergründet, der nicht in der Boshaftigkeit der Männer liegt, sondern aus den Veränderungen und den Widersprüchen des Übergangs der Jäger- und Sammlergesellschaften zu Agrargesellschaften hervorgeht.  Geschlechtsnormen sind nicht willkürlich, werden jedoch aus keinem der von Butler vorgeschlagenen Gründe auferlegt. Weil sie ihren Zweck missversteht, ist ihr Appell Geschlechternormen zu zerstören, sie zu dekonstruieren, zum Scheitern verurteilt.

Das System der Geschlechtsnormen wurde geschaffen und wird gestärkt, weil es der herrschenden Klasse einen echten materiellen Nutzen bringt. Dieser Vorteil ist untrennbar mit der Ausbeutung des weiblichen Fortpflanzungspotentials und der mit diesem Fortpflanzungspotential verbundenen Arbeit verbunden. Es ist kein Zufall, dass alle Merkmale der Weiblichkeit an Passivität und die Versorgung anderer gebunden sind, ohne sich um sich selbst zu kümmern. Es ist auch kein Zufall, dass die Merkmale der Männlichkeit mit der Aktivität und der Durchsetzung des Willens anderer verbunden sind. Um das weibliche Fortpflanzungspotential zu kontrollieren, muss die Frau ihren Körper eher zu den Männern der Familie oder der Gesellschaft als zu sich selbst gehörend betrachten. Ihr Fortpflanzungspotential ist, warum sie existiert. Die Kinder, die sie zur Welt bringt, werden Eigentum der Männer. Der „unreine“ Frauenkörper wird für die Männer zur Last. Die Kontrolle über ihre Fortpflanzung und Sexualität ist daher von entscheidender Bedeutung. Aus diesem Grund konzentrieren sich die Gesetze und kulturellen Regeln für Frauen auch heute noch darauf, den Zugang zu Verhütungsmitteln und Abtreibungen einzuschränken, sexuelle Aktivitäten außerhalb heterosexueller Ehen zu unterbinden und Frauen zu bestrafen, die Kinder alleine großziehen. Abgesehen von Gesetzen und kulturellen Geboten besteht die effizienteste Methode zur Kontrolle des Fortpflanzungspotenzials von Frauen darin, sie davon zu überzeugen, dass es ihre Besonderheit ist, sich ausschließlich darauf zu konzentrieren, Kinder für Männer zu schaffen und dann sowohl den Männern als auch den Kindern Trost zu spenden. Ob diese Kinder proletarisch oder bourgeois sind, sie kommen der Bourgeoisie zugute. Die proletarischen Söhne und Töchter werden neue Arbeiter und Soldaten. Die bourgeoisen Söhne und Töchter werden das System fortführen und Eigentum und Stellung erben. Ihre Ideologie mit dem Fokus auf das passive Weibliche ist die Methode, die Frau davon zu überzeugen, der bestehenden Gesellschaftsordnung zu folgen. Aufgrund dieses Nutzens hat das Geschlecht keine Bedeutung außerhalb seiner Anwendung auf den geschlechtlichen Körper. Männer, die die Stereotypen der Weiblichkeit vertreten, lindern nicht die Probleme, die mit der Gewinnung von Fortpflanzungsressourcen bei Frauen verbunden sind. Biologische Frauen werden weiterhin auf der Grundlage der Biologie ausgebeutet, und sie werden weiterhin in das Geschlechtssystem indoktriniert, um diese Extraktion zu erleichtern. Die kapitalistische Produktionsweise musste möglichst viel Profit aus den Arbeitskräften herausschöpfen, bei dem auch Kinder nicht verschont blieben. Die Reproduktion der Arbeitskraft, also die Wiederherstellung der verausgabten Arbeitskraft, die alle gesellschaftlichen und individuellen Aufwendungen für Nahrung, Kleidung, Wohnraum, Erholung, Kultur, Erziehung und Bildung beinhaltet, war “Privatsache” der Arbeiter. Zu dieser Reproduktion zählte also auch die Kindererziehung (die ja die zukünftige Arbeitergeneration darstellte). Da die Klasse der Privateigentümer (Kapitalisten, Bourgeoisie) nicht willens war dafür aufzukommen (und wenn das nur für das Allernötigste), war es die logische Folge, dass sich Frauen zu Hause um ihre Kinder kümmern mussten – ob sie berufstätig waren oder nicht. Entsprechend war es üblich, dass die Frau, da die Kindererziehung wie auch der Haushalt zur “Frauensache” wurde, zur Hausfrau wurde und der Mann zum Werktätigen. Dadurch entstand auch die Abhängigkeit der Frau vom Manne, die bürgerliche Familie. Marx und Engels sprachen daher von der doppelten Ausbeutung der Frauen – einmal als Ware Arbeitskraft, einmal als Hauptlast der Reproduktion. Erst mit dem Erstarken der Arbeiterbewegung war der bürgerliche Staat dazu gezwungen Zugeständnisse zu machen.

Hieraus wird ersichtlich, dass die Frage der Befreiung der Frau zweifelsohne eine Klassenfrage ist. Denn als die Gesellschaft in Klassen geteilt wurde, wurden Frauen infolgedessen zu häuslichen Sklaven von Männern, und die einzige Möglichkeit, diesen Status endgültig zu beseitigen, besteht darin, Klassen abzuschaffen. Daher sind die Interessen der Arbeiterinnen eng mit dem Kampf der gesamten Arbeiterklasse um ihre Emanzipation verbunden.

Man könnte natürlich einwenden, dass es ja Frauen gibt, die keine Kinder kriegen können oder haben wollen. Treffen sie ebenso auf diese Ausbeutungskategorien zu? Dieser Einwand ignoriert die Sozialisation, die alle Frauen durchmachen, sobald ihr Geschlecht bekannt ist. Diese Sozialisation beginnt, bevor ein Kind sein eigenes Bewusstsein hat und setzt sich zeitlebens fort. Ob ein einzelnes Mädchen Kinder haben oder sogar fruchtbar sein wird, spielt für ihre Sozialisation keine Rolle; Sie wird in die Weiblichkeit mit der Erwartung indoktriniert, freie reproduktive Arbeit zu leisten. Ebenso leistet eine Frau, die über die Wechseljahre hinaus fortgeschritten ist, diese Arbeit als Frau, als Mutter erwachsener Kinder, als Großmutter. Außerdem wird von Frauen, die keine Kinder haben, erwartet, dass sie als Ehefrauen im häuslichen Bereich produzieren.

Das biologische Geschlecht ist in der heutigen Gesellschaft nur die Begründung der Herrschenden, nicht der Grund für Unterschiede in den Rollenbildern. Butler stellt das auf den Kopf: Sie zieht den Schluss, dass die Ausdifferenzierung der Rollen ein Beweis dafür sei, dass auch das biologische Geschlecht selbst nur eine Zuschreibung wäre!

Dabei lässt sie auch vollkommen außer Acht, wie das heutige „Diskurssystem“ entstanden ist. Karl Marx und Friedrich Engels schreiben bereits im kommunistischen Manifest: „Die herrschenden Ideen einer Zeit waren stets nur die Ideen der herrschenden Klasse”. Der „Diskurs“ ist also nichts, was über der Gesellschaft schwebt, sondern etwas, das sich mit den ökonomischen und gesellschaftlichen Bedingungen ändert. Wenn man das „Diskurssystem“ ändern will, muss man die materiellen Bedingungen ändern.

Geboren im „falschen Körper“?

Eine logische Konsequenz Butlers Ideen ist, dass wenn das biologische Geschlecht ein soziales Konstrukt ist, es auch sowas wie Frauen nicht gibt. Insofern wäre jeder, der sich als Frau fühlt eine Frau – auch Männer. Das ist ungefähr so wissenschaftlich unlogisch wie die Behauptung eines Weißen er wäre Schwarz, oder die Behauptung einer Person Hund, Katze oder Maus zu sein (sowas gibt es wohl wirklich).

Wir haben schon in Teil 8 unserer „Mars versus Venus-Reihe“ bestätigt, dass man nicht im „falschen Körper“ geboren sein kann. Wir wiederholen einige Stellen dieses Artikels:

Die BSTc-Region des Hypothalamus spielt eine Rolle beim männlichen Sexualverhalten und ist bei ihnen daher etwa doppelt so groß wie bei Frauen und hat etwa doppelt so viele Neuronen. Einige Untersuchungen haben gezeigt, dass bei jenen Männern, die sich zur Frau operieren haben lassen, die BSTc-Region denen von Frauen ähnlich ist, wobei hormonelle Einflüsse angeblich keine Rolle spielten (KRUJIVER et al. 2000, ZHU et al. 1995). KRUJIVER et al. (2000) sowie ZHU et al. (1995) untersuchten dabei das Gehirn von sechs transsexuellen Menschen.

Es hat damit den Anschein, dass der Hypothalamus eine Rolle bei der sexuellen Orientierung spielt. Das sollte nachdem, was man über den Hypothalamus, der auch in der Pubertät stärker aktiv wird und z. B. auch den Menstruationszyklus steuert, nicht verwundern. Es wäre aber hier dennoch Vorsicht geboten, die sexuelle Orientierung alleine am Hypothalamus festzulegen. Zum einen wissen wir, dass unser Gehirn, und damit auch der Hypothalamus, auf Umwelteinflüsse reagiert, zum anderen ist menschliches Sexualverhalten zu komplex, als dass es auf nur einen Faktor reduziert werden kann. Das trifft auch für die BSTc-Region und Transsexualität zu. Denn mittlerweile gibt es eine Reihe an Studien, die die Theorien des Transsexuellen-Gehirns” (und auch des “Schwulen-Gehirns”) ablehnen. Es soll zwar nicht abgestritten werden, dass diese Region des Hypothalamus eine Rolle im Sexualverhalten hat: doch auch hier sind die Überschneidungen zwischen den Geschlechtern vorhanden, es lässt sich also nicht behaupten, dass die BSTc-Region bei jedem Mann größer ist als bei Frauen. Außerdem handelt es sich bei KRUJIVER et al. (2000) sowie ZHU et al. (1995) um Postmortal-Studien, also nach dem Tode der Patienten. Beide Arbeiten untersuchten das Gehirn von sechs bis acht transsexuellen Personen, die Stichprobe war also sehr gering. Wir wissen mittlerweile, dass auch Alter und Tod einen Einfluss auf die Hirngröße und ihren Abbau haben.

CHUNG, DE VRIES & SWAAB (2002) konnten zeigen, dass der sexuelle Dimorphismus der BSTc-Region erst im Erwachsenenalter auftritt, wodurch die Theorie, dass Transsexuelle schon in ihrer Kindheit einen anderen Hypothalamus haben, ins Wanken gerät. Transsexuelle berichten, dass sie schon während der Kindheit sich im falschen Geschlecht fühlten (z. B. LAWRENCE 2003). CHUNG, DE VRIES & SWAAB (2002) gehen entsprechend davon aus, dass Hormone einen Einfluss auf die Geschlechtsidentität haben können, wodurch sich die BSTc-Region nachträglich ändere. Zwar schließen KRUJIVER et al. (2000) und ZHU et al. (1995) hormonelle Einflüsse der untersuchten Gehirne in Bezug zur BSTc-Region aus, doch LAWRENCE (2007) geht stark davon aus, dass die Änderung dieser Region Folge der Hormontherapie war. So konnten HULSHOFF POL et al. (2006) belegen, dass die Behandlung von Transgender-Personen mit Hormonen einen Einfluss auf das Gehirnvolumen der Patienten hat. Dabei nahm auch das Volumen des Hypothalamus ab, wodurch die Mann-zu-Frau-Transgender-Personen entsprechend auch eine kleinere BSTc-Region haben. Das entspricht auch den Befunden der Postmortal-Studien. KRUJIVER et al. (2000) irren, wenn sie die Behauptung aufstellen, dass Hormone die BSTc-Region nicht beeinflussen. LAWRENCE (2006) schlussfolgert, dass die Theorie von einem Transsexuellen-Hirn den klinischen Befunden nicht entspreche und man neue Wege finden müsse, dieses Phänomen zu erklären.

(die zitierten Quellen sind in Teil 8 der „Mars versus Venus Reihe“ aufgelistet).

Auch weitere, in Teil 8 nicht behandelte, Studien widerlegen die Vorstellungen eines Transsexuellengehirns. SAVIC & ARVER (2011) untersuchten den Sexualdimorphismus einiger Gehirnstrukturen bei Mann-zu-Frau-Transsexuellen (=Transfrauen). Wir wissen ja bereits aus Teil 8, dass einige Hirnareale, z. B. Hippocampus und Amygdala, sowie die Graue Substanz, sich durchschnittlich zwischen den Geschlechtern unterscheiden (was jedoch nicht ausreichende Relevanz für evolvierte Verhaltensunterschiede hat, da z. B. kleinere Regionen durch dichtere Nervenzellverbindungen ihre geringe Größe kompensieren). Wir sollten aber auch hier nochmal vergegenwärtigen, dass die Unterschiede zwischen Männer- und Frauenhirnen, anders als der chromosomale und genitale Geschlechtsdimorphismus, gering ist und die Überschneidungen zwischen beiden extremen sehr groß sind. Nun stellten sie jedoch keine Unterschiede zwischen heterosexuellen Männern und Mann-zu-Frau-Transsexuellen (=Transfrauen) in diesen Gehirnregionen fest. Eine Studie von FERNANDEZ et al. (2014) untersuchte diverse genetische Marker (ERβ, AR, und CYP19A1) bei Mann-zu-Frau-Transsexuellen und Männern. Diese Gene sind u. a. für die Bildung von Rezeptoren für Sexualhormone wichtig Erβ codiert für einen Estrogen-Rezeptor, AR für einen Androgen-Rezeptor. An diese Rezeptoren können weibliche (Estrogene) und männliche (Androgene wie Testosteron) Sexualhormone binden. CYP19A1 ist das gen für das Enzym Aromatase, welches die Umsetzung von Testosteron zu Östradiol katalyisert (siehe hierzu auch unser Kapitel über das Hormonsystem). 442 Mann-zu-Frau-Transsexuelle und 473 gesunde XY-Männer wurden untersucht. Trifft die These von der „im falschen Körper geborenen“ zu, müssten sich Unterschiede in diesen Hormonrezeptoren ausmachen. Z. B. wäre denkbar, dass eine „Frau“ im „Männerkörper“ mehr weibliche Sexualhormone bilden könnte. Das Ergebnis der Studie: keine Unterschiede zwischen Mann-zu-Frau-Transsexuellen und Männern. LOMBARDO et al. (2013) untersuchten ebenfalls hormonelle und genetische Faktoren bei Transsexuellen. Man untersuchte die Hormone des Hypothalamus-Hypophysen-Stammes, als auch die Gene SRY, AR, DAX1, SOX9 und AZF. Eine reihe dieser Gene und ihre Rolle zur Geschlechtsdetermination haben wir in Teil drei kennengelernt. 31 Mann-zu-Frau-Transsexuelle wurden untersucht, 17 hatten schon eine Geschlechtsumwandlung. Alle nahmen Estrogene und Anti-Androgene zu sich. Diejenigen, denen die Operation noch bevorstand hatten erhöhte Werte von Prolaktin und reduzierte Testosteron-Werte. Post-operative Transsexuelle hatten reduzierte Androgen-Werte, dafür höhere LH und FSH-Werte, der Prolaktin-Spiegel war durchschnittlich. Diese „verweiblichten“ Hormonwerte sind für Transsexuelle, die weibliche Sexualhormone zu sich nehmen, bzw. männliche blockieren nicht ungewöhnlich. Es fanden sich jedoch keine genetischen Besonderheiten in den untersuchten Genen. Die Autoren schlussfolgern, dass die Geschlechtsstörung nicht mit molekularen Mutationen einiger der an der sexuellen Differenzierung beteiligten Hauptgene verbunden zu sein scheint. Aber schon eine alte Studie von WACHTEL et al. (1986) konnte belegen, dass das Histocompatibility-Y (H-Y) Antigen, welches für die Hodenentwicklung bei Säugetieren wichtig ist und dem man nachsagte, dass Unterschiede in dessen Genexpression die Ursache für Transsexualität bzw. Genderdysphorie seien, hierbei keine Rolle spiele. Eine Hormonstudie von Johanna Olson belegt, dass Transgender-Jugendliche denselben Hormon-Spiegel haben, wie das Geschlecht mit dem sie geboren sind; d. h. ein Junge, der sich wie ein Mädchen fühlt, hat dasselbe Hormonlevel wie ein Junge, der sich wie ein Junge fühlt.

Eine weitere Studie von BURKE et al. (2014) legt zwar nahe, dass mit Einsetzen der Pubertät Jungen beginnen Androstadienon, ein Nebenprodukt von Testosteron, zu produzieren und mit dem Schweiß aussondern. Jungen mit Genderdysphorie (also jene die sich mit ihrem angeborenen Geschlecht nicht identifizieren wollen) reagieren mit Einsetzen der Pubertät auf Androstadienon so wie Frauen; besonders der Hypothalamus reagiert hierauf. Nur was sagt uns diese Studie? Sie gibt keine Auskunft darauf, dass wir es hier mit einem Transsexuellen-Gehirn zu tun haben, sondern liefert lediglich ein Indiz dafür, dass diese Jungen mit Genderdysphorie so reagieren wie Frauen (oder wie homosexuelle Männer?). Wir haben in Teil 8 festgestellt, dass das Gehirn über eine gewisse Plastizität verfügt, also auf Umweltreize reagiert. Ist es da nicht verwunderlich, dass Jungen, die denken sei seien ein Mädchen und sich auch so verhalten, sich das im Gehirn widerspiegelt? Ein biologischer Determinismus liegt hier nicht vor.

Doch was passiert eigentlich mit Kindern, wenn sie unter Genderdysphorie leiden, wenn sie also das Gefühl haben, im falschen Körper geboren worden zu sein? Genderdysphorie, bzw. Gender Identity Dysphorie (GID) bezeichnet jenes Phänomen, dass man sich nicht mit seinem angeborenen Geschlecht identifizieren kann. Ist eine Hormonbehandlung oder gar eine Geschlechtsangelichende Operation die Rettung? Dr. James Barrett, Facharzt für Psychiatrie an der Charing Cross Clinic, der ältesten Fachklinik, die sich mit Genderdysphorie in Großbritannien befasst, rät von solchen Behandlungen ab:

Wenn Sie warten, bis die Pubertät vorüber geht, ändert ein angemessener Anteil der Kinder das klinische Erscheinungsbild und fühlt sich eher wie eindeutig lesbische und schwule Kinder (…) Sie streben keinen sozialen Rollenwechsel mehr an und werden am Ende keine lebenslangen medizinischen Eingriffe, Operationen brauchen und erleiden keinen Verlust der natürlichen Fruchtbarkeit, wenn sie Kinder wollen.Quelle

Barrett bezieht sich hier auf die sog. „Desistenz-Literatur“. „Desistenz“ bedeutet in diesem Zusammenhang die Tendenz, dass mit dem älter werden des Kindes die Genderdysphorie endet. Desistenz deutet darauf hin, dass das wahrscheinlichste Ergebnis für ein Kind mit geschlechtsspezifischer Dysphorie ist, dass es cisgender, schwul oder bisexuell wird. Die Forscher wissen nicht, warum das so ist, aber es scheint, dass sich bei manchen Kindern die entstehende Homo- oder Bisexualität als Genderdysphorie manifestiert. In anderen Fällen kann eine Genderdysphorie als Folge eines Traumas oder eines anderen ungelösten psychologischen Problems auftreten und mit der Zeit oder durch Beratung verschwinden. In einigen Fällen leidet das Kind aber tatsächlich unter Genderdysphorie und wird transsexuell. Obwohl die tatsächlichen Prozentsätze von Studie zu Studie variieren, scheint es insgesamt so zu sein, dass sich ungefähr 80 Prozent der Kinder mit Genderdysphorie auf lange Sicht mit den Körpern wohl fühlen, in die sie hineingeboren wurden. Wir wollen einige dieser Studien hier erwähnen.

Eine Studie von STEENSMA et al. (2013) untersuchte 127 Jugendliche mit Genderdysphorie in einer Verlaufsstudie (sog. Follow-up-Studien). Von den 127 Jugendlichen mit Genderdysphorie desistierten 80, fühlten sich also wieder zum eigenen Geschlecht hingezogen. In der Promotionsarbeit von SINGH (2012) hatten 122 von 139 Personen, die mit Genderdysphorie diagnostiziert wurden desistiert, fühlten sich also ihrem angeborenen Geschlecht wieder zugehörig. CANTOR (2016) sammelte mehrere Studien, die sich mit der Lebensgeschichte von Menschen mit diagnostizierter Genderdysphorie befasst haben. Trotz der Unterschiede in Land, Kultur, Jahrzehnt und Follow-up-Studien-Länge und -Methode sind alle Studien zu einem bemerkenswert ähnlichen Ergebnis gekommen: Nur sehr wenige Kinder, die transsexuell werden wollen verspüren diesen Wunsch im Erwachsenenalter. Stattdessen erweisen sie sich im Allgemeinen als normale schwule oder lesbische Personen. Die genaue Anzahl variiert je nach Studie, aber ungefähr 60–90% der Trans-Kinder erweisen sich im Erwachsenenalter nicht mehr als Trans-Kinder. Eine Meta-Analyse von BARLETT et al. (2000) demonstriert, dass Kinder mit Genderdysphorie (‘Gender Identity Disorder’, GID) ohne Behandlung sich zu normalen homo- und bisexuellen Menschen entwickeln. Weiterhin ist die Verhinderung der Homosexualität ein Grund weshalb Kinder mit Genderdysphorie zur Behandlung eingewiesen werden! Auch ist ein Leiden der Kinder nicht der Hauptgrund dafür Kinder mit Genderdysphorie in Kliniken einzuweisen. Eine größere Rolle spielen geschlechtsübergreifende Verhaltensweisen, also wenn man sich nicht nach den erwarteten Geschlechterrollen verhält. Auch WALLIEN & COHEN-KETTENIS (2008) kamen zu ähnlichen Schlussfolgerungen. Die meisten Kinder mit Genderdysphorie leiden nach der Pubertät nicht mehr daran. Kinder mit persistierender ‚Gender Identity Disorder’ (GID) sind in der Kindheit durch eine auffällig extremere Genderdysphorie gekennzeichnet als Kinder desistierender GID. In Bezug auf die sexuelle Orientierung ist Homosexualität oder Bisexualität das wahrscheinlichste Ergebnis der GID im Kindesalter. KORTE et al. (2008) belegen, dass in allen Studienfällen 2,5 – 20% aller Kinder mit GID als Erwachsene irreversibel transsexuell sind. Eine Studie des „Journal of Adolescent Health“ aus dem Jahr 2015 (VROUENRAETS et al. 2015) untersuchte die medizinische Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Genderdysphorie. Auch sie belegen, dass nur eine Minderheit (10% – 27%) im Erwachsenenalter noch Genderdysphorie hat. Es besteht kein Konsens darüber, ob diese frühen medizinischen Interventionen angewendet werden sollen. Auffällig ist, dass die Leitlinien sowohl als zu liberal als auch als zu einschränkend diskutiert werden. Dennoch prüfen viele Behandlungsteams, die die Leitlinien anwenden, die Möglichkeit, die derzeitigen Altersgrenzen zu senken.  Solange eine Debatte über diese Themen stattfindet und nur begrenzte Langzeitdaten verfügbar sind, wird es keinen Konsens über die Behandlung geben. Daher ist eine systematischere, interdisziplinäre und (weltweite) multizentrische Forschung erforderlich.

Die Tendenz dieser Studien ist eindeutig: Die Mehrheit der Kinder mit Genderdysphorie wird im Erwachsenenalter zu gewöhnlichen homo- oder bisexuellen Menschen, die sich mit ihrem angeborenen Geschlecht identifizieren. Die Verteidiger der Queer- und Transideologie behaupten jedoch, dass die Studien gar keine Kinder mit echter Genderdysphorie untersuchten, sondern welche, die sich nicht geschlechtskonform verhielten. Ein Junge, der gerne mit Puppen spielt, habe noch lange keine Genderdysphorie und daher zählen solche Desistenz-Studien nicht. Diesem Einwand könnte man zustimmen, wenn in den Studien Kinder untersucht wurden, die keine Genderdysphorie hätten. Aber trifft dies zu?

Zum Zeitpunkt von SINGHS (2012) erwähnten Dissertation und der Behandlung ihrer Probanden am GIC wurde die Genderdysphorie durch den DSM-IV-Eintrag erfasst, was damals als “Störung der Geschlechtsidentität” bezeichnet wurde und seitdem in DSM-5 umbenannt wurde. Singh merkt an, dass von den 139 Teilnehmern, mit denen sie erfolgreich Kontakt aufnahm, 88 (63,3%) die diagnostischen Kriterien für die GID im Kindesalter erfüllten und die verbleibenden 51 (36,7%) die Unterschwelle für die Diagnose darstellten. SINGH (2012) gibt auf Seite 275 eine detaillierte Auflistung der Diagnosekriterien wieder:

  1. Eine starke und anhaltende geschlechtsübergreifende Identifikation (nicht nur der Wunsch nach wahrgenommenen kulturellen Vorteilen des anderen Geschlechts.

AA Bei Kindern manifestiert sich die Störung durch vier (oder mehr) der folgenden Symptome:

  1. Wiederholter Wunsch, das andere Geschlecht zu sein oder darauf zu bestehen.
  2. Präferenz für das Cross-Dressing oder die Simulation weiblicher Kleidung bei Jungen; bei Mädchen, nur stereotype männliche Kleidung zu tragen.
  3. Starke und anhaltende Präferenzen für geschlechtsübergreifende Rollen in Fantasiespielen oder anhaltende Fantasien, das andere Geschlecht zu sein.
  4. Intensiver Wunsch, an den stereotypen Spielen und Freizeitbeschäftigungen des anderen Geschlechts teilzunehmen.
  5. Starke Präferenz für Spielkameraden des anderen Geschlechts.

Bei Jugendlichen und Erwachsenen äußert sich die Störung in Symptomen wie dem erklärten Wunsch, das andere Geschlecht zu sein, dem Wunsch, als das andere Geschlecht zu leben oder behandelt zu werden oder der Überzeugung, dass er oder sie die typischen Gefühle und Reaktionen des anderen Geschlechts hat.

  1. Anhaltendes Unbehagen mit seinem Geschlecht oder ein Gefühl der Unangemessenheit in der Geschlechterrolle des eigenen Geschlechts.

Bei Kindern manifestiert sich die Störung durch Folgendes: Bei Jungen: Behauptung, dass sein Penis oder seine Hoden ekelhaft sind oder verschwinden werden, oder die Behauptung, dass es besser ist, keinen Penis zu haben, oder eine Abneigung gegen Raufereien und die Ablehnung stereotyper Spielzeuge, Spiele und Aktivitäten für Männer.

Bei Mädchen: Ablehnung des Urinierens in sitzender Position, die Behauptung, dass sie einen Penis hat oder einer wachsen wird, oder die Behauptung, dass sie keine Brüste wachsen lassen möchte oder nicht menstruieren will, sowie eine ausgeprägte Abneigung gegen normative Frauenkleidung.

Bei Jugendlichen und Erwachsenen äußert sich die Störung in Symptomen wie der Beschäftigung mit der Beseitigung primärer und sekundärer Geschlechtsmerkmale (z. B. der Forderung nach Hormonen, einer Operation oder anderen Verfahren zur physischen Veränderung sexueller Merkmale, um das andere Geschlecht zu simulieren) oder der Annahme, dass er oder sie im falschen Geschlecht geboren wurde.

  1. Die Störung ist nicht gleichzusetzen mit einem körperlichen intersexuellen Zustand.

D. Die Störung verursacht klinisch signifikante Belastungen oder Beeinträchtigungen in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen.

Diese lange Diagnoseliste bekräftigt die These, dass SINGH (2012) tatsächlich nach Menschen mit Genderdysphorie suchte; 63% der Probanden hatten Genderdysphorie. Es sei hier noch erwähnt, dass viele Diagnosepunkte zusammentreffen müssen, um eine Genderdysphorie zu haben; die Punkte hängen miteinander zusammen. Außerdem gab es, wie Singh in ihrer Dissertation ausführt, keinen statistisch signifikanten Unterschied in der Desistenzrate zwischen denjenigen, die die Kriterien erfüllten und nicht erfüllten.

In der Studie von STEENSMA et al. (2013) hatten 70% zweifelsohne eine diagnostizierte Genderdysphorie.

Kurzgefasst: Männer die gerne Stöckelschuhe tragen, Jungs die mit Puppen spielen, Männer, die homosexuell sind und Männer, die sich wie Frauen fühlen sind schlicht und einfach eines: Männer. Selbiges gilt für Frauen. Aber genau das leugnet die Queer-Theorie: Transfrauen (also Mann-zu-Frau-Transsexuelle) seien echte Frauen, Transmänner (Frau-zu-Mann-Transsexuelle) echte Männer, es gäbe viele Geschlechter, die Kategorisierung in zwei Geschlechter und die ganze Biologie überhaupt seien transphob, Männer können schwanger werden und menstruieren, Frau oder Mann zu sein, sei nur ein Gefühl und Geschlechter eben ein soziales Konstrukt. Und alle die dagegen sind, sind einfach Faschisten. Was für den gesunden Menschenverstand erstmal total absurd und blödsinnig klingt, wird schon Realität. So erschien in deutscher Sprache ein Buch für Kleinkinder, in dem der Papa schwanger wird. Wie das geht? Ganz einfach: Frau wird zum Mann erklärt und ihre Gebärmutter halt zur Babyhöhle – so einfach ist das, muss man nur wissen. Dass sich das weibliche Geschlecht nun mal durch die Eizellenproduktion definiert, wurde zigmal erklärt. Das hilft es auch nicht sich eine reproduktive Frau als Mann vorzustellen. Aber so ist nun mal die Queer-Theorie: Statt Wissenschaft irrationale Hirngespinste.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Das heißt nicht, dass es keine Menschen mit echter Genderdysphorie gibt, genauso wenig soll Transphobie gefördert werden. Echte Transsexuelle haben ein Leiden, ihre Diskriminierung ist zu verurteilen. Aber keineswegs ist dies eine Rechtfertigung für eine Queer-Agenda aus jedem, der nicht in die „traditionellen“ Geschlechterrollen passt, einem neuen Geschlecht zuzuordnen. Das Bedürfnis Menschen weiter in Schubladen zu kategorisieren, ob nicht-binär, a-gender, pan-gender, genderqueer, genderfluid, demiboy, demigirl usw., wird diese nicht von sozialen Einschränkungen und Stereotypen befreien können. Kämpfte man früher dafür, dass alle Menschen die gleichen Rechte haben sollen, wird heute der Fokus daraufgelegt, die Menschen in immer weitere künstliche Grüppchen zu atomisieren. Die Konsequenzen einer solchen Ideologie sind weitreichend: Wie kann man beispielsweise für Frauenrechte kämpfen, wenn man Frauen nicht mehr als solche benennen darf? Gibt es sowas wie Frauen (und Männer) nicht, so ist der Kampf um Frauenrechte unnötig bis absurd. Die unbegründeten Behauptungen der Menschen, dass sie einem anderen Geschlecht angehören, als zum Zeitpunkt ihrer Geburt, würde auch bedeuten, dass sie dieselben Rechte wie dieses „erdachte“ Geschlecht haben. Wenn Männer sich wie Frauen fühlen und als solche identifizieren, werden die Schutzmechanismen außer Kraft gesetzt, die aufgrund der biologischen Realität von Frauen bestehen. Und diese Schutzmechanismen wurden von Frauen erkämpft, aufgrund ihrer Unterdrückung. Es seien nur einige Beispiele erwähnt: Während Transfrauen (Mann-zu-Frau-Transsexuelle) wesentlich häufiger vorkommen als Transmänner (Frau-zu-Mann-Transsexuelle) – ein Zeichen dafür, dass wohl sehr viele Männer mit ihrer Rolle als Mann in der Gesellschaft nicht zurechtkommen und daher angeblich unter Genderdysphorie leiden – führen nur die wenigsten Transfrauen eine geschlechtsangleichende OP durch; d. h. dass 80-95% der Transfrauen ihre männlichen Geschlechtsorgane behalten (Quelle: Sex and Gender Ethics Society). Dabei haben Transfrauen dieselbe Kriminalitätsstatistik wie „echte Männer“ (DHENJE et al. 2011) und 60 von 125 Transfrauen, die in England und Wales im Gefängnis sitzen haben Sexualstraftaten gegen Frauen verübt (Quelle: Fair Play for Women).

Die Ängste von Frauenrechtsbewegungen wirken zumindest real: Wenn Männer sich als Frauen ausgeben dürfen und Ortschaften aufsuchen dürfen, die eigentlich nur für Frauen gedacht sind (Frauen-WCs, Frauenparkplätze, Frauenhäuser), besteht die Gefahr, dass Gewaltverbrechen gegen Frauen steigen können. Das wirkt bei der tatsächlich geringen Zahl von Menschen mit Genderdysphorie banal und keineswegs sollen Menschen mit Genderdysphorie pauschal kriminalisiert werden. Doch es geht um etwas Anderes: Wenn sich Männer als Frauen ausgeben dürfen und „Frauenorte“ somit aufsuchen dürfen, wer garantiert den Schutz der Frauen? Wer garantiert, dass sich männliche Sexualstraftäter nicht einfach als Personen mit Genderdysphorie ausgeben können (obwohl sie keine diagnostiziert bekommen haben) um ihren Gewaltfantasien an Frauen freien Lauf zu lassen?

Die Queer-Theorie öffnet auch Türen für eine andere reaktionäre Ideologie: der Konversationstherapie. Wir haben sie im Kapitel über die sexuelle Orientierung kurz vorgestellt. Es geht darum homosexuelle Menschen zu heterosexuellen umzuerziehen; eine Form die bisher zu 100% gescheitert ist. Genderdysphorie und Transideologie führen zu einer anderen Form der Konversationstherapie: homosexuelle Menschen kann als mit Genderdysphorie „diagnostizieren“ und sie dadurch „heilen“, indem man eine Geschlechtsumwandlung durchführt. Die oben zitierten Beispiele zur Desistenz-Literatur haben belegt, dass etwa 80% der Jugendlichen mit Genderdysphorie im Erwachsenenalter ihr angeborenes Geschlecht behalten und Großteils homo- oder bisexuell sind. Außerdem wurde festgestellt, dass ein Hauptmotiv Jugendliche mit Genderdysphorie einzuweisen ihr homosexuelles oder zumindest nicht „normgerechtes“ Verhalten ist. Wird das biologische Geschlecht durch Geschlechtsidentität ersetzt, Transfrauen als „echte Frauen“, die ggfs. lesbisch sind, definiert, hat auch das Konzept der sexuellen Orientierung keine (wissenschaftliche) Bedeutung. Wenn es keine Geschlechter gibt, kann man nicht auf das eigene oder andere Geschlecht stehen. Da Homosexualität in vielen Bereichen immer noch verpönt ist, können schwule Männer dann zu Frauen umoperiert werden – etwas was übrigens im Iran der Fall ist (dort steht sonst für Homosexualität die Todesstrafe).

Grundsätzlich ließe sich eh fragen, ob eine geschlechtsangleichende Operation für Menschen mit Genderdysphorie wirklich eine Alternative ist. So gibt es auch andere Formen der Dysphorie, z. B.  Body Integrity Identity Disorder (deutsch: Körperintegritätsidentitätsstörung), Kurzform BIID. Bei dieser Dysphorie leiden die Menschen u. a. an dem Bedürfnis ein oder mehrere Gliedmaßen zu amputieren oder das Rückenmark zu durchtrennen oder eine andere Funktion (Hörfähigkeit, Sehfähigkeit) aufzuheben und damit den realen Körper in Einklang mit der als „richtig“ empfundenen Querschnittlähmung, Gehörlosigkeit, Erblindung usw. zu bringen. Hier sei die provokante Frage erlaubt: Werden Menschen mit BIID geheilt, wenn man ihnen Arme und Beine abschneidet? Durch die Tatsache, dass die meisten Menschen mit Genderdysphorie im Erwachsenenalter nicht mehr daran leiden, sollten zumindest für Jugendliche andere Behandlungsmöglichkeiten gegeben werden, als das verabreichen von Hormonen, Pubertätsblockern etc.

Transsexuelle (gemeint sind also jene, die wirklich eine Genderdysphorie haben, die sich auch im Erwachsenenalter zeigt) sollten das Recht haben, ihr Leben so zu leben, wie sie es möchten, und sie sollten vor Missbrauch und Diskriminierung geschützt werden. Aber andere Gesellschaftsschichten, insbesondere Frauen und Kinder, Lesben und schwule Männer, verdienen die gleiche Berücksichtigung, und die Queer-Theorie und Transideologie mit ihrer einhergehenden Agenda bringen dieses Gleichgewicht nicht zustande. Gefühle haben keine Menschenrechte. Menschen haben sie.

Dies ist übrigens auch eine Kritik der radikalfeministischen Strömung, die sich als Gegner der queer-Theorie auszeichnen. Während der Radikalfeminismus richtigerweise die queer-Theorie ablehnt du auch einige andere Punkte richtig kritisiert (z. B. Prostitution), zeichnet er sich jedoch ebenfalls durch eine Reihe irrsinniger Positionen aus. Radikalfeministen sehen in Männern an sich das Problem. Sie suchen die Unterdrückung der Frauen im Verhalten der Männer, den Männern an sich, an Patriarchalen Strukturen. Männer können daher niemals Teil der feministischen Bewegung sein. Sie ignorieren es völlig die sozio-ökonomischen Verhältnisse, die zur Klassenherrschaft und Patriarchat führen, miteinzubeziehen. Die Befreiung der Frau ist immer eine soziale Frage und damit verbunden mit dem Klassenkampf und nicht mit dem Kampf gegen Männer. Kurzum: Männer aus der Arbeiterklasse haben mit Frauen aus der Arbeiterklasse wesentlich mehr gemeinsam, als Frauen aus der Arbeiterklasse mit Frauen aus der Klasse der Kapitalisten. Dasselbe gilt übrigens für homosexuelle und transsexuelle Arbeiter. Übrigens ist eine Strömung innerhalb des Radikalfeminismus der politische Lesbianismus. Die einzige Form der Befreiung der Frau liege demnach sich der heterosexuellen Beziehung zu verweigern und lesbisch zu leben. Ob dies die Befreiung der Frau ermöglichen wird, ist sehr stark anzuzweifeln.

Wir sollten endlich lernen anzuerkennen, dass es viele Möglichkeiten gibt männlich oder weiblich zu sein. Männer und Frauen unterscheiden sich in ihren Chromosomen, Genitalien und ihren produzierten Keimzellen, nicht in ihren Interessen, Gedanken und Hobbies. Dies wird in der unteren Abbildung verdeutlicht. Sowas wie im „falschen“ Körper geboren zu sein gibt es genauso wenig, wie die Behauptung, man habe ein völlig anderes Gehirn, das nicht zum Körper passt. Diese Behauptungen erinnern an einen religiösen Kult, als ob Gehirn und Geist, völlig unabhängig von der Materie besteht.

 

Genosse Kutschera?   

Kutscheras Buch zur Gender-Ideologie (KUTSCHERA 2018), welches an mehreren Stellen einer scharfen Kritik unterzogen wurde, versucht natürlich im Sinne der bürgerlichen Ideologie die bürgerliche Kernfamilie zu verteidigen. Folgerichtig muss Kutschera auch den Kommunismus bzw. den Marxismus angreifen. Das Problem bei der Sache ist, dass er wohl vom Marxismus noch weniger versteht als von den anderen Themen, die er anspricht, was der Sache eine unfreiwillige Komik beschert. Schon auf Seite 15 berichtet Kutschera über seine Erlebnisse mit Verwandten in der DDR und dass diese von einer „Marx-Engelsschen kommunistischen Ersatzreligion“ indoktriniert waren. Marx und Engels und die DDR wollten geschlechtsneutrale Menschen erziehen, die Unterschiede zwischen den Geschlechtern abschaffen. Wir haben nun an mehreren Stellen und schwerpunktmäßig in diesem Kapitel die Positionen von Marx und Engels zur Geschlechterfrage und der Entstehung des Patriarchates ergründet. Das was Kutschera produziert ist eine peinliche Ente. Kein kommunistischer Theoretiker leugnete den Unterschied zwischen Mann und Frau. Entscheidende Theoretiker des Marxismus, die sich mit der Frauenfrage befassten –August Bebel, Clara Zetkin, Rosa Luxemburg, Nadjeschda Krupskaja (Lenins Ehefrau), Alexandra Kollontai usw. – als auch die „Klassiker des Marxismus-Leninismus“ – Karl Marx, Friedrich Engels, Wladimir Lenin und Josef Stalin – untersuchten die Frauenfrage aus der Perspektive der ökonomischen Klassenanalyse. Niemals verwischten sie den Unterschied zwischen Männern und Frauen, niemals postulierten sie weitere Geschlechter, niemals kreierten sie einen Hass zwischen den Geschlechtern, ja sie genderten noch nicht einmal! Tatsächlich hätten solche Leute wie John Money und Judith Butler, die von Kutschera so gerne angegriffen und als „Marxisten“ oder „linke“ dargestellt werden, enorme Probleme ihre Positionen zu veröffentlichen. Die queer-Theorie ist von ihrem philosophischen Ansatz her idealistisch. Eine der Grundfragen der Philosophie ist die Frage nach dem Verhältnis von Bewusstsein und Materie. Wird das Bewusstsein als primär angesehen, so schafft dieser die Materie (also die Welt), sei es durch einen Gott, die Sprache oder die Sinneseindrücke; man spricht vom Idealismus. Vertritt man den Ansatz, dass die Materie zuerst da war und sich daraus das Bewusstsein abgeleitet hat spricht man von Materialismus. Die Materie ist aber vom Bewusstsein erkennbar und wird widergespiegelt. Marxisten fassen den Materiebegriff aber nicht rein Stofflich, er wird also anders definiert als in der Physik. Materie wird hier Erkenntnistheoretisch verstanden. Wladimir Lenin fasst sie in seiner Schrift „Materialismus und Empiriokritizismus“ (S. 124) zusammen:

„Die Materie ist eine philosophische Kategorie zur Bezeichnung der objektiven Realität, die dem Menschen in seinen Empfindungen gegeben ist, die von unseren Empfindungen kopiert, fotografiert, abgebildet wird und unabhängig von ihnen existiert.“ Quelle:

Die Naturwissenschaften gehen in der Regel auch von diesem materialistischen Ansatz aus. Das muss hier nicht vertieft werden. Fest steht jedoch: Diese postmodernen Ideologien stehen im kompletten Gegensatz zum marxistischen Ansatz. Tatsächlich stehen kommunistische Parteien der Gender-Ideologie sehr ablehnend bis skeptisch gegenüber: die Kommunistische Partei der Russischen Föderation kann man sogar als homophob bezeichnen (gemessen an der Tatsache, dass Homosexualität in der Sowjetunion kriminalisiert wurde nicht verwunderlich: zu den Hintergründen siehe diesen Artikel von der „Stalin Society USA“ ).

Die Communist Party of Great Britain/Marxist-Leninist veröffentlichte sogar folgende Resolution auf ihrem achten Parteitag:

Während wir die Diskriminierung aufgrund von Rasse, Geschlecht und sexueller Neigung vollständig ablehnen, erklärt dieser Parteitag, dass die Besessenheit von Identitätspolitik (identity politics), einschließlich der sexuellen, anti-marxistisch ist.

Der Parteitag beschließt daher, dass die Verbreitung der Identitätspolitik, einschließlich der LGBT-Ideologie, reaktionär und arbeiterfeindlich ist und eine schädliche Ablenkung und Diversion vom Klassenkampf des Proletariats für seine soziale Emanzipation mit der Mitgliedschaft in der Partei unvereinbar ist, und jene die sich an deren Förderung beteiligen aus der Partei ausgeschlossen werden.“ Quelle:

In einem anderen Artikel betont die CPGB-ML richtigerweise, dass die LGBT-Bewegung keine Klassenbewegung ist, die soziale Frage nicht stellt und homosexuelle Arbeiter für den Sozialismus als Arbeiter kämpfen und nicht als homosexuelle. Sie legen in ihrem Artikel dar, dass Sexismus und Rassismus, aufgrund der Ausbeutung der Frau (oben dargelegt) und anderer Völker (imperialistische Aggression, Kolonialisierung) immer mit der sozialen Frage und des Klassenkampfes verbunden sind, die Frage der LGBT-Bewegung jedoch nicht. (Quelle) Dies soll hier nicht analytisch dargelegt werden, zumindest ist aber historisch nichts bekannt, dass homosexuelle Männer beim Übergang von der Urgesellschaft zur Agrargesellschaft das ähnliche Schicksal erleiden mussten wie die Frauen. Da homosexuelle Paare meist keine Kinder haben, sind sie auch weniger an der Reproduktion der Gesellschaft beteiligt: während Erziehung, Hausarbeit etc. historisch zu Lasten der Frauen gelegt wurde, sind diese Hürden bei homosexuellen Paaren nicht gegeben. Ironischerweise ist der Wunsch homosexueller Paare auf ein Adoptionsrecht aus marxistischer Sicht nicht der Kampf um mehr Rechte, sondern um mehr Ausbeutung (Kinder sind nun mal teuer du der durchschnittliche schwule Arbeiter wird es sich nicht leisten können). Es sind auch keine Statistiken bekannt, dass z. B. homosexuelle durchschnittlich weniger verdienen als heterosexuelle des gleichen Geschlechts – oft sogar das Gegenteil: da sie sich nicht um Kinder kümmern müssen, haben sie weniger Ausgaben (womit mehr Geld übrigbleibt). Das ist natürlich kein Argument dafür, dass Homosexuelle keine Kinder adoptieren sollen, wir haben schließlich dargelegt, dass sie genauso gute (oder schlechte) Eltern sein können wie heterosexuelle Paare, hier soll auch keine Homophobie gerechtfertigt werden. Es geht bloß um die nüchterne Feststellung, dass die LGBT-Bewegung keinen Klassencharakter hat – zumindest scheint ihre Förderung in den imperialistischen Machtzentren die Klasse der Kapitalisten nicht zu gefährden.

Kutschera liegt hier ein absolutes Armutszeugnis dar Gender-Ideologie mit Marxismus zu verbinden, dass eher an eine typisch jüdisch-bolschewistische Weltverschwörung erinnert und man kann offensichtlich davon ausgehen, dass er nicht kennt, was er kritisiert. Geschmückt wird Kutscheras Realsatire damit, dass er an verschiedenen Stellen seines Buches DDR-Propaganda-Bilder veröffentlicht, die die Gleichheit der Geschlechter angeblich belegen sollen. Zwei Beispiele sollen aus seinem Buch gezeigt werden (S. 16 und 25):

Kutschera verkündet, dass man an diesen Bildern sehen könne, wie Mann und Frau identisch aussehen und ein Unisex-Ideal darstellen sollen. Komisch ist nur, dass man selbst ohne Kutscheras Kritzeleien sofort erkennt, wer männlich und weiblich ist. Anhand solcher Bildchen „beweisen“ zu wollen, dass die DDR „Unisex-Menschen“ produzierte ist schon sehr an den Haaren herbeigezogen. Mehr muss zu so einem Blödsinn nicht gesagt werden.

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Weiteres zu den Persönlichkeitsmerkmalen

Wir hatten in Teil zehn der „Mars versus Venus?“ Reihe uns mit den kognitiven Unterschieden zwischen den Geschlechtern befasst (und in Teil acht mit den neurophysiologischen Grundlagen). Das Ergebnis dieser Artikel war, dass die kognitiven und Persönlichkeitsunterschiede zwischen den Geschlechtern relativ gering sind und dass es viele Überschneidungen gibt. Wenn Unterschiede vorhanden sind, ist dies aber auch nicht auf rein „biologische“ Ursachen zurückzuführen, sondern dies kann durch „Umweltfaktoren“ (z. B. Sozialisation, Geschlechter-Stereotypien etc., auf die unser Gehirn reagiert) hervorgerufen werden. Ohnehin lassen sich alleine an Gehirnstrukturen keine Persönlichkeitsmerkmale ableiten. Wir hatten in Teil 10 die „Gender-Similarity-Hypothese von HYDE (2005) vorgestellt.  In ihrer Studie von 2005 gab sie einen Überblick über psychologische und standardisierte Bewertungen von kognitiven Variablen (mathematisch, verbal, räumlich), Kommunikation (verbal und nonverbal), sozialen und Persönlichkeitsvariablen (Aggression, Verhandlung, Hilfe, Sexualität, Führung, Introversion / Extroversion), psychisches Wohlbefinden, motorisches Verhalten (Werfen, Gleichgewicht, Flexibilität usw.) und einige andere (moralisches Denken, Treue usw.). Die Daten von Shibley HYDE (2005) bestanden aus der Untersuchung von 46 früheren Metaanalysen der Unterschiede zwischen Männern und Frauen (veröffentlicht zwischen 1980 und 2004), bestehend aus fast 5.000 Berichten und der Bewertung von 128 psychologischen Maßnahmen.

Als mathematische Größe wurde der d-Wert nach COHEN (1988) verwendet, der angibt, wie weit die männlichen und weiblichen Mittelwerte in standardisierten Einheiten voneinander entfernt sind. Ist der d-Wert unter 0.2 ist der Effekt klein, ein d-Wert von 0.5 hat einen mittleren Effekt, ein d-Wert ab 0.8 hat einen großen. HYDE (2005) konnte feststellen, dass der d-Wert in 78% der Fälle unter d 0,35 liegt und in 38% sogar bei 0,1 oder geringer. Der durchschnittliche d-Wert für alle Persönlichkeitsmerkmale lag bei 0.35 (als Vergleich: bei der Körpergröße liegt er bei 1.72).

Nun hat aber eine jüngere Studie von DEL GIUICE et al. (2012) die Ergebnisse von Shibley Hyde herausgefordert. Sie werfen zum einen den Arbeiten, die eine Geschlechterähnlichkeit postulieren vor, methodisch unsauber zu arbeiten. Anstatt den d-Wert von COHEN (1988) zu nutzen, nahmen sie den Mahalanobis-Abstand (Mahalanobis D). Dies ist ein Distanzmaß zwischen Punkten in einem mehrdimensionalen Vektorraum du wird in multivarianten Verfahren eingesetzt, bei dem also mehrere Statistische Variablen oder Zufallsvariablen zugleich untersucht. Die statistischen Details brauchen uns erstmal nicht zu interessieren, wichtig ist zu erwähnen, dass die Persönlichkeitsmerkmale hier komplexer betrachtet werden, um ein differenziertes Bild darzustellen. Die Auswertung von DEL GIUICE et a. (2012), die eine Stichprobe von über 10.000 Menschen aus psychologischen Befragungen beinhaltete, ergab, dass die Geschlechterunterschiede bei Persönlichkeitsmerkmalen sehr groß waren. Es wurden Persönlichkeitsmerkmale wie Herzlichkeit, emotionale Stabilität, Forschheit, Wachsamkeit, Eigenverantwortlichkeit und Perfektionismus untersucht (insgesamt 15 Persönlichkeitsmerkmale). DEL GIUICE et al. (2012) scheinen also HYDE’S (2005) Ergebnissen zu widersprechen. Einer der Forscher von Marco Del Giuices Team sagt in einem Zeitungsartikel, dass die Unterschiede so groß seien, als ob Mann und Frau zwei völlig unterschiedliche Spezies seien. Bekanntermaßen sind zwei verschiedene Arten nicht miteinander fortpflanzungsfähig. Folgerichtig sollten solche Aussagen nicht ernst genommen werden. Doch trotz der Behauptung angeblicher methodischer Schwächen der Gender-Similarity-Hypothese weist auch die Studie von DEL GIUICE et al. (2012) erhebliche Mängel auf.

In der Studie bewerten Männer und Frauen ihre eigenen Persönlichkeitsmerkmale. Hier liegt schon das eigentliche Problem der Sozialisation. Da es als nicht „männlich“ angesehen wird, sensibel zu sein, werden sich Männer dementsprechend eher als nicht sensibel bewerten.

HYDE (2013) merkt auch an, dass der Mahalanobis-Abstand dazu neigt vorhandene Gruppendifferenzen künstlich zu maximieren. Man kommt zu diesem großen Geschlechtsunterschied, indem ausreichend große Mengen psychologischer Messungen nimmt und diese zu einer Persönlichkeit kombiniert. Je mehr Persönlichkeitsmerkmale zusammengefasst werden, desto größer der Unterschied. Aber was ist daran aussagekräftig, wenn Herzlichkeit, emotionale Stabilität, Forschheit, Wachsamkeit, Eigenverantwortlichkeit und Perfektionismus in eine Persönlichkeit zusammengefasst werden? Unabhängig davon wie groß die Unterschiede nun tatsächlich sind, werden ihre Ursachen nicht ergründet, sondern es werden evolutionspsychologische Spekulationen gemacht. Es sollte nicht vergessen werden, dass in dieser Studie nur US-Bürger befragt wurden, was zu der Komplikation führt, dass heutige Gesellschaften als evolutionär Ursprünglich angesehen werden – über dieses Problem wurde in einem anderen Kapitel berichtet. Die Messung evolutionärer Verhaltensunterschiede innerhalb einer Art ist äußerst schwierig, es sind jedoch mindestens zwei grundlegende methodische Ansätze erforderlich. Erstens müssen die Bewertungen für mehr als eine Population der interessierenden Arten vergleichend sein. Zweitens müssen die gemessenen Merkmale in irgendeiner Weise mit vererbbaren Aspekten der menschlichen Physiologie oder des menschlichen Verhaltens in Verbindung gebracht werden, die sich auf die allgemeine Fitness auswirken, und sie müssen anhand von Maßnahmen bewertet werden, die für verschiedene Populationen in der Art zugänglich und reproduzierbar sind . Del Giudici et al. haben einen großen Fragebogen mit überwiegend weißen, gebildeten US-Amerikanern verwendet. Bezogen auf die globale Vielfalt der Kulturstruktur handelt es sich um eine begrenzte Stichprobe und nicht um eine vergleichende Evolutionsstichprobe für die Art. Die untersuchten Persönlichkeitsmerkmale spiegeln sich auch in den kulturellen Eigenarten der US-amerikanischen Gesellschaft wider und sind daher nicht auf andere Kulturen eins zu ein übertragbar. Offen bleibt auch, ob es im Leben der Befragten nicht zu Änderungen ihrer Persönlichkeitsmerkmale kam, ob also eine Person vom introvertierten zum extrovertierten durch veränderte Lebensumstände wurde.

Man neigt dazu, eifrig zu beweisen, dass Männer und Frauen entweder komplett unterschiedlich oder komplett gleich sind und versuchen darauf „einfache“ Antworten zu geben. Es gibt keine klaren und einfachen Antworten darauf, warum wir das tun, was wir tun, und warum Männer und Frauen manchmal Probleme haben, miteinander auszukommen. Das liegt alleine an der Komplexität, Vielgestaltigkeit und Flexibilität unseres Verhaltens, dass sich kein einfaches schwarz-weiß-Bild abzeichnen lässt. Die enorme Fülle von Daten darüber, wie Männer und Frauen sich ähneln UND unterscheiden, zu ignorieren und zu versuchen, diese enorm komplexe Realität über eindimensionale Ansätze anzugehen, ist nur eine schlechte Wissenschaft. Menschliches Verhalten ist kompliziert und faszinierend zu gleich, aber wir alle sind Erdbewohner.

Ein Persönlichkeitsmerkmal wird von KUTSCHERA (2018) erwähnt, welches wir ebenfalls nicht genauer beobachtet haben. In den Seiten 188-193 gibt er zu bemerken, dass im Bereich der klassischen Musik Männer eine absolute Dominanz haben. Für Kutschera kann es niemals an Frauenunterdrückung liegen, habe doch z. B. August Weismann all seine Kinder gleichbehandelt und trotzdem wurde keines seiner Töchter Komponistin, im Gegensatz zu seinem Sohn Julius und auch Vater Mozart hat seine beiden Kindern Wolfgang Amadeus und Nannerl gleich erzogen. Was dieses „Gleich erziehen“ genau heißen soll, erklärt Kutschera nicht, zitiert hierzu aber weder soziologische noch kulturelle noch biologische Studien, sondern verweist „nüchtern“ (oder doch sturzbesoffen wegen des Genderwahns?) darauf hin, dass in der Welt der Natural Sciences Frauen Ausnahmeerscheinungen geblieben sind (und gesellschaftliche Gründe seien da niemals schuld, S. 193). Wer sich mit solchen billigen Antworten zufrieden gibt, der kann es dabei belassen, doch der Wissenschaftlich ist stets skeptisch und hakt mal genauer nach.

Eine Homepage nennt zumindest eine ganze Reihe von Pianistinnen: Rose Cannabich,  Lucy Anderson, Clara Schumann, Adele aus der Ohe, Vera Timanova, Sophie Menter, Adelina de Lara, Fanny Davies, Arabella Goddard, Teresa Carreño, Marguerite Long, Rosina Lhévinne, Ania Dorfmann, Olga Samaroff, Rose und Ottilie Sutro. Die Aufzählung alleine sagt natürlich nicht aus, wie hoch der prozentuale Anteil weiblicher Komponisten war, doch sicherlich sind die meisten (inklusive mir), außer Clara Schumann, eher unbekannt. Ein Artikel von „The Guardian“ stellt zumindest fest, dass von 1.455 klassischen Konzerten 2019 nur 76 Stücke weibliche Komponisten spielten. Der Artikel legt den Schluss nahe, dass weibliche Komponisten oft ignoriert werden, was zumindest dafürsprechen würde, dass gesellschaftliche Faktoren nicht auszuschließen sind. Ein Essay von Eugene Gates (GATES 1994) untersucht diverse psychologische und biologische Erklärungen der letzten zwei Jahrhunderte, warum Frauen unter Komponisten so selten vertreten sind. Hier sind seine Schlussfolgerungen:

Die vorangegangene Untersuchung der psychologischen Literatur zur weiblichen Kreativität in der Musik macht deutlich, dass Psychologen erfolglos versucht haben, eine biologische Grundlage für das ‚historisch schlechte Abschneiden‘ von Komponistinnen zu beweisen. Der Grund, warum so wenige Frauen als Komponistinnen eine herausragende Stellung erlangt haben, liegt nicht in der Biologie, sondern in den Umständen, die das Leben von Frauen umgeben – Umstände, die mit den exakten Bedürfnissen des musikalischen Schaffens weitgehend unvereinbar sind. (…)  Während des größten Teils der historischen Vergangenheit wurde den musikalisch begabten Frauen der Zugang zu einer theoretischen Ausbildung verweigert, die sie für eine Karriere als Komponistin gerüstet hätte. Erst in den letzten zwei Jahrzehnten des neunzehnten Jahrhunderts begannen die großen europäischen Konservatorien, Frauen in fortgeschrittenen Theorie- und Kompositionsklassen aufzunehmen, und das nur widerwillig. Zuvor hatten nur drei Gruppen von Frauen Zugang zu angemessenem Musikunterricht: Nonnen, Töchter adliger und wohlhabender Familien und solche, die das Glück hatten, in eine Musikerfamilie hineingeboren zu werden, die die kreativen Talente ihrer Töchter und gleichermaßen förderte wie die ihrer Söhne. Darüber hinaus genossen die meisten Frauen weder die Freiheit von Haushaltspflichten und Kindererziehung noch die finanzielle Unabhängigkeit, die es ihnen ermöglicht hätte, nachhaltig kreativ zu arbeiten. Und selbst die wenigen Auserwählten, die glücklicher platziert waren, stießen auf eine fast undurchdringliche Mauer aus Diskriminierung und Vorurteilen. Angesichts solcher Hindernisse grenzt es an ein Wunder, dass Frauen überhaupt komponiert haben. Aber sie haben komponiert. Der Mythos der angeborenen minderwertigen Kreativität der Frau in der Musik wird durch die Tatsache angeheizt, dass die Leistungen der Komponistinnen weitgehend aus den üblichen musikgeschichtlichen Lehrbüchern ausgeschlossen wurden.“ (S. 31-32)

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