“𝐒𝐨𝐥𝐥 𝐢𝐜𝐡 𝐦𝐢𝐜𝐡 𝐠𝐞𝐠𝐞𝐧 𝐒𝐀𝐑𝐒-𝐂𝐨𝐕-𝟐 𝐢𝐦𝐩𝐟𝐞𝐧 𝐥𝐚𝐬𝐬𝐞𝐧, 𝐬𝐨𝐛𝐚𝐥𝐝 𝐢𝐜𝐡 𝐝𝐚𝐫𝐟 – 𝐨𝐝𝐞𝐫 𝐥𝐢𝐞𝐛𝐞𝐫 𝐧𝐨𝐜𝐡 𝐰𝐚𝐫𝐭𝐞𝐧?”

Gastbeitrag von Christian Kaller

Die Frage habe ich mir seit dem Sommer gestellt, und für mich eine klare Antwort gefunden. Da mir die Frage auch in meinem Freundeskreis desöfteren mal untergekommen ist, möchte ich meine eigenen Ergebnisse mit euch teilen. Das wird etwas länger, also holt euch einen Kaffee.
Da im Internet viele, auf den ersten Blick widersprüchliche Informationen zu den kurz vor der Zulassung stehenden Impfstoffe kursieren, begegnet mir immer wieder Verunsicherung – und das ehrlich gesagt aus total nachvollziehbaren Gründen. Die Entwicklung ging extrem schnell, schneller als jemals zuvor. Da hat sich mir auch die Frage gestellt, ob das so mit rechten Dingen zugeht. Deshalb wollte ich für mich die folgenden drei Fragen beantworten:
𝐚) 𝐖𝐢𝐞𝐬𝐨 𝐠𝐢𝐧𝐠 𝐝𝐚𝐬 𝐬𝐨 𝐬𝐜𝐡𝐧𝐞𝐥𝐥, 𝐮𝐧𝐝 𝐥𝐞𝐢𝐝𝐞𝐭 𝐝𝐚𝐫𝐮𝐧𝐭𝐞𝐫 𝐝𝐢𝐞 𝐒𝐢𝐜𝐡𝐞𝐫𝐡𝐞𝐢𝐭?
𝐛) 𝐖𝐞𝐥𝐜𝐡𝐞 𝐈𝐦𝐩𝐟𝐬𝐭𝐨𝐟𝐟𝐞 𝐬𝐢𝐧𝐝 𝐝𝐚𝐬, 𝐛𝐫𝐢𝐧𝐠𝐞𝐧 𝐝𝐢𝐞 𝐰𝐚𝐬 – 𝐮𝐧𝐝 𝐰𝐞𝐥𝐜𝐡𝐞𝐧 𝐰𝐢𝐥𝐥 𝐢𝐜𝐡 (𝐰𝐞𝐧𝐧 𝐢𝐜𝐡 𝐝𝐢𝐞 𝐖𝐚𝐡𝐥 𝐡𝐚𝐛𝐞𝐧 𝐬𝐨𝐥𝐥𝐭𝐞)?
𝐜) 𝐖𝐚𝐬 𝐢𝐬𝐭 𝐦𝐢𝐭 𝐍𝐞𝐛𝐞𝐧𝐰𝐢𝐫𝐤𝐮𝐧𝐠𝐞𝐧, 𝐒𝐩ä𝐭𝐟𝐨𝐥𝐠𝐞𝐧 𝐮𝐬𝐰.?

Disclaimer: ich bin natürlich weder Immunologe, Virologe, oder sonst wissenschaftlich in dem Feld unterwegs. Ich habe versucht, meine Informationen möglichst aus wissenschaftlich validen Veröffentlichungen zu ziehen und dabei auch Gegenstimmen anzuschauen. Trotzdem: Alle Wissenschaftler & Ärzte in meinem Freundeskreis sind herzlich dazu aufgerufen mich zu korrigieren, sollte ich Mist erzählen!

𝐚) 𝐖𝐢𝐞𝐬𝐨 𝐠𝐢𝐧𝐠 𝐝𝐚𝐬 𝐬𝐨 𝐬𝐜𝐡𝐧𝐞𝐥𝐥, 𝐮𝐧𝐝 𝐥𝐞𝐢𝐝𝐞𝐭 𝐝𝐚𝐫𝐮𝐧𝐭𝐞𝐫 𝐝𝐢𝐞 𝐒𝐢𝐜𝐡𝐞𝐫𝐡𝐞𝐢𝐭?

Bisher wurden Impfstoffentwicklung und -zulassung immer in Jahren gemessen. Dass es jetzt nur ein paar Monate gedauert hat, hat mich zuerst zugegebenermaßen etwas beunruhigt. Je mehr ich mich damit beschäftigt habe, desto mehr bin ich allerdings zu dem Entschluss gekommen, dass meine Sorge unbegründet war. Woher kam also die Zeitersparnis?
1. Entwicklung:
Ein riesen Vorteil ist, dass sich das neue Coronavirus und das SARS Virus aus 2003 so ähnlich sind. Damals wurde schon mit Hochdruck an Impfstoffen geforscht. Und obwohl sie damals nicht gebraucht wurden konnten Forscher auf die entwickelten Plattformen zurückgreifen und sie modifizieren. Das hat Jahre an Basisforschung erspart.
2. Tests & Zulassungsverfahren:
Der Weg von der Entwicklung eines Impfstoffs bis zur Zulassung dauert normalerweise Jahre. Wichtig war für mich also, wo genau die Zeitersparnis hier herkam. Die wichtigsten Faktoren:
– Phase I & II (begrenzte Tests an Menschen, um Verträglichkeit & Immunantwort sicherzustellen) wurden zusammengelegt und Phase III (Test mit tausenden Probanden, um Sicherheit und Wirkung zu beweisen) direkt danach gestartet. Sonst liegen zwischen den Phasen oft Monate bis Jahre, in denen vor allem die kommerzielle Rentabilität überprüft wird und Gelder eingesammelt werden. Diese Studien sind super teuer, und die Freigabe innerhalb der beteiligten Unternehmen kostet daher Zeit.
– Phase III Durchführung: Normalerweise dauert es lange, bis überhaupt die nötige Menge an Menschen in den Studien geimpft werden kann, weil noch keine Produktionsstätten in industriellem Maßstab bereitstehen. Dadurch, dass die hier auf Risiko schon parallel aufgebaut wurden, konnte die kritische Masse viel schneller erreicht werden. Außerdem war es deutlich einfacher freiwillige Teilnehmer zu finden.
– Phase III Abschluss: Da man nicht einfach Menschen impfen und absichtlich dem Virus aussetzen darf, muss man ganz viele impfen und abwarten bis eine statistisch signifikante Menge an Studienteilnehmern erkrankt – um dann zu schauen, wieviele davon in der Impf- und wieviele in der Placebogruppe waren. Daraus errechnet sich dann die Wirksamkeit. Bis überhaupt genug Studienteilnehmer erkranken dauert bei anderen Krankheiten (wenn nicht gerade eine globale Pandemie herrscht) teilweise Jahre. Hier war das durch die in vielen Ländern auch im Sommer fast ungebremst weiterlaufende Pandemie schon nach ein paar Monaten soweit.
– Zulassung: Auch hier lassen sich die Behörden teilweise lange Zeit. Nicht weil sie gründlicher sind, sondern weil sie nur begrenzte Ressourcen haben. Da hilft hier natürlich zum einen die klare Priorisierung, aber auch, dass die Daten in einem “rolling review” Verfahren noch während die Tests liefen von einem unabhängigen Expertengremium laufend mitausgewertet wurden.
Die Standards im Studiendesign wurden hier also nicht aufgeweicht – es wurden ganz im Gegenteil in der Phase III sogar teilweise deutlich mehr Leute untersucht, als das bei anderen Impfstoffen der Fall war. Unterm Strich weiß ich zwar nicht, ob ich den Russischen und Chinesischen Zulassungsbehörden trauen würde – in der Europäischen Zulassungsbehörde sitzen aber unabhängige Wissenschaftler, die einen gefährlichen Impfstoff auch mit Druck aus der Politik nicht zulassen würden.
𝑴𝒆𝒊𝒏𝒆 𝒌𝒍𝒂𝒓𝒆 𝑨𝒏𝒕𝒘𝒐𝒓𝒕 𝒅𝒂𝒉𝒆𝒓: 𝑬𝒔 𝒈𝒊𝒏𝒈 𝒗𝒐𝒓 𝒂𝒍𝒍𝒆𝒎 𝒅𝒖𝒓𝒄𝒉 𝑭𝒐𝒓𝒔𝒄𝒉𝒖𝒏𝒈𝒔𝒗𝒐𝒓𝒔𝒑𝒓𝒖𝒏𝒈, 𝒗𝒊𝒆𝒍 𝑮𝒆𝒍𝒅 𝒖𝒏𝒅 𝑷𝒓𝒊𝒐𝒓𝒊𝒔𝒊𝒆𝒓𝒖𝒏𝒈 𝒔𝒐 𝒔𝒄𝒉𝒏𝒆𝒍𝒍.
Einen super Überblick dazu gibt es hier in Nature: https://www.nature.com/articles/s41586-020-2798-3

𝐛) 𝐖𝐞𝐥𝐜𝐡𝐞 𝐈𝐦𝐩𝐟𝐬𝐭𝐨𝐟𝐟𝐞 𝐬𝐢𝐧𝐝 𝐝𝐚𝐬, 𝐛𝐫𝐢𝐧𝐠𝐞𝐧 𝐝𝐢𝐞 𝐰𝐚𝐬 – 𝐮𝐧𝐝 𝐰𝐞𝐥𝐜𝐡𝐞𝐧 𝐰𝐢𝐥𝐥 𝐢𝐜𝐡 (𝐰𝐞𝐧𝐧 𝐢𝐜𝐡 𝐝𝐢𝐞 𝐖𝐚𝐡𝐥 𝐡𝐚𝐛𝐞𝐧 𝐬𝐨𝐥𝐥𝐭𝐞)?

Vor der Zulassung stehen drei Impfstoffe: Zwei sehr ähnliche mRNA Impfstoffe von BioNtech/Pfizer und Moderna, und ein “traditionellerer” Vektorimpfstoff von AstraZeneca/Uni Oxford. Die Unterschiede zu erklären würde den Rahmen hier sprengen, daher nur in Kürze: mRNA Impfstoffe liefern in Lipide gepackte “Baupläne” aus mRNA, aus denen unsere Zellen selbst ein Oberflächen (Spike) Protein des Virus herstellen, auf das unser Immunsystem dann reagiert. Der Vektorimpfstoff klebt das Spikeprotein an ein für den Menschen ungefährliches Schimpansen-Adenovirus, auf das wir dann eine Immunantwort entwickeln. Der in den USA forschende österreichische Immunologe Prof. Florian Krammer erklärt das sehr schön: https://www.youtube.com/watch?v=l-XzMIu8Mww (ich kann auch sehr empfehlen, ihm auf Twitter zu folgen!).
Die beiden Impfstoffe von Pfizer & Moderna haben in ihrer Effektivität alle Erwartungen übertroffen: beide haben um die 94% Effektivität. Schaut euch mal die Grafik unter meinem Post an: 7 Tage nach der ersten Dosis ist kaum noch jemand aus der Impfgruppe erkrankt (blauer Graph) – insgesamt nur 8 Leute, alle leicht. Dagegen sind im gleichen Zeitraum 162 Personen aus der Placebogruppe erkrankt! Das ist wirklich fantastisch und eine Wirksamkeit, die ich mir auch für mich wünschen würde.
Die veröffentlichte Studie zu den Pfizer Phase III Ergebnissen ist super geschrieben und auch für Laien verständlich: https://www.nejm.org/doi/10.1056/NEJMoa2034577
Bei AstraZeneca ist die Lage etwas undurchsichtiger: Der Trial war im bisher veröffentlichten Zwischenergebnis etwas kleiner, und der Teil mit den meisten Teilnehmern (der zwei volle Impfdosen erhielt) hatte “nur” eine 60% Wirksamkeit – obwohl auch hier fast alle schweren Verläufe verhindert wurden. Durch einen Produktionsfehler haben aber 2.000 Teilnehmer in UK erst eine halbe, dann eine ganze Dosis bekommen. Hier lag die errechnete Wirksamkeit bei 90%. Die kommunizierten Zahlen sind aber so klein, dass ich hier noch ein bisschen unsicher bin, ob sich das so bestätigt. Unterm Strich konnten aber auch viele Erkrankungen vermieden – und vor allem schwere Erkrankungen so gut wie ausgeschlossen werden.
𝐔𝐧𝐭𝐞𝐫𝐦 𝐒𝐭𝐫𝐢𝐜𝐡: 𝐃𝐮𝐫𝐜𝐡 𝐝𝐢𝐞 𝐝𝐞𝐮𝐭𝐥𝐢𝐜𝐡 𝐛𝐞𝐬𝐬𝐞𝐫𝐞 (𝐯𝐞𝐫ö𝐟𝐟𝐞𝐧𝐭𝐥𝐢𝐜𝐡𝐭𝐞) 𝐃𝐚𝐭𝐞𝐧𝐥𝐚𝐠𝐞 𝐝𝐞𝐫 𝐌𝐨𝐝𝐞𝐫𝐧𝐚 & 𝐏𝐟𝐢𝐳𝐞𝐫 𝐓𝐫𝐢𝐚𝐥𝐬 𝐮𝐧𝐝 𝐝𝐢𝐞 𝐠𝐫𝐚𝐧𝐝𝐢𝐨𝐬𝐞 𝐖𝐢𝐫𝐤𝐬𝐚𝐦𝐤𝐞𝐢𝐭 𝐰ü𝐫𝐝𝐞 𝐢𝐜𝐡 𝐚𝐤𝐭𝐮𝐞𝐥𝐥 𝐚𝐦 𝐥𝐢𝐞𝐛𝐬𝐭𝐞𝐧 𝐞𝐢𝐧𝐞 𝐈𝐦𝐩𝐟𝐮𝐧𝐠 𝐯𝐨𝐧 𝐝𝐞𝐧 𝐛𝐞𝐢𝐝𝐞𝐧 𝐛𝐞𝐤𝐨𝐦𝐦𝐞𝐧.
Vor allem wenn man berücksichtig, dass im Frühjahr nicht mal klar war, ob wir überhaupt einen Impfstoff bekommen: Die Wirksamkeiten hier sind absolut großartig.

𝐜) 𝐖𝐚𝐬 𝐢𝐬𝐭 𝐦𝐢𝐭 𝐍𝐞𝐛𝐞𝐧𝐰𝐢𝐫𝐤𝐮𝐧𝐠𝐞𝐧, 𝐒𝐭𝐟𝐨𝐥𝐠𝐞𝐧 𝐮𝐬𝐰.?

Das ist der wahrscheinlich kontroverseste Teil – ich habe mir hier die impfkritische Seite angeschaut, und versucht für mich Antworten zu den wichtigsten Fragen und Sorgen zu finden:
𝗪𝗮𝘀 𝘀𝗶𝗻𝗱 𝗱𝗶𝗲 𝗡𝗲𝗯𝗲𝗻𝘄𝗶𝗿𝗸𝘂𝗻𝗴𝗲𝗻 𝗱𝗲𝗿 𝗺𝗥𝗡𝗔 𝗜𝗺𝗽𝗳𝘂𝗻𝗴?
Von den kombiniert über 35.000 Personen, die die Impfung erhielten, hat niemand Nebenwirkungen gezeigt, die über ein, zwei Tage Katersymptome, ggf. mit etwas Fieber hinausgingen. Das zeigt erstmal nur, dass das Immunsystem reagiert. Seit dieser Woche werden hunderttausende Menschen in den USA und UK schon damit geimpft, und die einzigen weiteren Folgen waren bisher allergische Reaktionen bei zwei Personen (die hatten auch eine Vorgeschichte allergischer Reaktionen auf andere Impfungen und Medikamente und konnten gut behandelt werden). Interessant ist, dass die Nebenwirkungen bei älteren Personen deutlich milder auszufallen scheinen.
Bei AstraZeneca sieht es ähnlich aus, unterm Strich scheinen die möglichen Symptome da noch etwas milder auszufallen.
𝗪𝗮𝘀 𝗶𝘀𝘁 𝗺𝗶𝘁 𝗟𝗮𝗻𝗴𝘇𝗲𝗶𝘁𝗳𝗼𝗹𝗴𝗲𝗻? 𝗞𝗮𝗻𝗻 𝗺𝗮𝗻 𝗱𝗮𝘀 ü𝗯𝗲𝗿𝗵𝗮𝘂𝗽𝘁 𝘀𝗰𝗵𝗼𝗻 𝘀𝗮𝗴𝗲𝗻?
Grundsätzlich: Spätfolgen bei Impfungen kommen so gut wie nie vor. Man bekommt hier ja kein Medikament jeden Tag oder jede Woche über einen langen Zeitraum verabreicht, sondern einmalig ein bis zwei Impfungen. Von denen sind nach ein paar Wochen dann ja keine Moleküle mehr im Körper – viel kann da nicht mehr passieren. Wenn es zu Impfschäden kommt, treten die also fast immer sofort oder in den ersten paar Wochen nach der Impfung auf. Die erste Charge der Phase III Trial Teilnehmer von Pfizer hat den letzten Shot vor über 3 Monaten erhalten. Wenn die noch nichts haben, kann man relativ sicher sein, dass da nichts mehr kommt.
100%ige Sicherheit gibt es natürlich nicht, aber dafür werden die Trial Teilnehmer auch weiter beobachtet.
Die Technologie der mRNA Impfung ist recht neu, allerdings gibt es Erfahrungen mit kleinzahligeren Versuchsreihen an Menschen, die über 10 Jahre zurück reichen und die gute Verträglichkeit bestätigen.
𝗜𝘀𝘁 𝗱𝗶𝗲 𝗜𝗺𝗽𝗳𝘂𝗻𝗴 𝗴𝗲𝗳ä𝗵𝗿𝗹𝗶𝗰𝗵 𝗳ü𝗿 𝗦𝗰𝗵𝘄𝗮𝗻𝗴𝗲𝗿𝗲, 𝗼𝗱𝗲𝗿 𝘄𝗲𝗻𝗻 𝗶𝗰𝗵 𝘀𝗽ä𝘁𝗲𝗿 𝗞𝗶𝗻𝗱𝗲𝗿 𝗵𝗮𝗯𝗲𝗻 𝘄𝗶𝗹𝗹? 𝗩𝗲𝗿ä𝗻𝗱𝗲𝗿𝘁 𝗱𝗶𝗲 𝗺𝗥𝗡𝗔 𝘂𝗻𝘀𝗲𝗿𝗲 𝗗𝗡𝗔?
Aktuell wird empfohlen, die Impfung nicht an Schwangere zu geben. Das kommt daher, dass sie in den Phase III Trials nicht an Schwangeren getestet wurden – das ist Standard aufgrund der ethischen Richtlinien. Das heißt jetzt aber nicht, dass der Impfstoff automatisch auch für Schwangere gefährlich ist, nur dass er eben nicht dafür getestet wurde. Wir haben aus dem Contergan Skandal eben einiges gelernt.
Die Idee, dass der Impfstoff irgendwie gefährlich ist, wenn man mal Kinder bekommen möchte, ist – soweit ich das sagen kann – absoluter Unsinn. Das kommt daher, dass einige Impfgegner behaupten, mRNA Impfstoffe könnten irgendwie unsere DNA verändern. Das ist eine glatte Lüge – die mRNA wird in der Zelle nur in das Spike-Protein umgebaut und dabei abgebaut, ist also irgendwann weg. Sie kann dabei nicht einmal in den Zellkern vordringen (wo unsere DNA sitzt) – geschweige denn diese irgendwie verändern.
Hier noch einmal eine richtig gute, einfach verständliche Erklärung zur Wirkweise von RNA Impfungen: https://www.youtube.com/watch?v=0LnkoEOHSiM
𝗜𝗰𝗵 𝗵𝗮𝗯𝗲 𝗴𝗲𝗵ö𝗿𝘁, 𝗱𝗶𝗲 𝗣𝗵𝗮𝗿𝗺𝗮𝗸𝗼𝗻𝘇𝗲𝗿𝗻𝗲 𝗵𝗮𝗯𝗲𝗻 𝘀𝗶𝗰𝗵 𝘃𝗼𝗻 𝗱𝗲𝗿 𝗛𝗮𝗳𝘁𝘂𝗻𝗴 𝗯𝗲𝗳𝗿𝗲𝗶𝗲𝗻 𝗹𝗮𝘀𝘀𝗲𝗻 – 𝗶𝘀𝘁 𝗱𝗮𝘀 𝗻𝗶𝗰𝗵𝘁 𝗮𝗹𝗮𝗿𝗺𝗶𝗲𝗿𝗲𝗻𝗱?
Hier habe ich ehrlich gesagt bei ein paar Schlagzeilen auch erstmal ziemlich gestutzt und wurde vorsichtig. Wenn man sich das aber genauer anschaut, ist es (wie immer) komplexer und alles halb so wild:
Erstens gibt es keinen HaftungsAUSSCHLUSS, sondern die Hersteller bleiben in der Haftung. Was vereinbart wurde ist eine (beschränkte) finanzielle Unterstützung der EU in bestimmten Haftungsfällen. Davon ausgenommen sind aber zum Beispiel explizit Fälle, die auf Herstellerfehler wie ein schlechtes Studiendesign vor der Zulassung zurückzuführen sind. Im Gegenzug stellt aber zum Beispiel AstraZeneca auch 300 Mio Impfdosen ohne Profit zur Verfügung – wollten die alle unvorhersehbaren Risiken absichern, müsste das auch viel teurer als die gerade angesetzten 3-5€ pro Dosis werden. Im übrigen sind solche Programme nicht neu und auch bei anderen von der StiKo empfohlenen Schutzimpfungen schon seit Jahrzehnten üblich – in erster Linie auch aus Patienteninteresse, weil Haftungsansprüche bei Nebenwirkungen gerichtlich superschwer durchzusetzen sind, und Betroffene damit direkter entschädigt werden können.
Habt ihr noch weitere Bedenken? Für mich waren das die wichtigsten, aber mich würde auch interessieren, was euch beschäftigt.
𝐅𝐚𝐳𝐢𝐭:
𝑫𝒊𝒆 𝑹𝒊𝒔𝒊𝒌𝒐𝒂𝒃𝒘ä𝒈𝒖𝒏𝒈 𝒇ü𝒓 𝒎𝒊𝒄𝒉 𝒊𝒔𝒕 𝒂𝒍𝒔𝒐:
– 𝑨𝒖𝒇 𝒅𝒆𝒓 𝒆𝒊𝒏𝒆𝒏 𝑺𝒆𝒊𝒕𝒆: 𝒆𝒊𝒏 𝑻𝒂𝒈 𝑲𝒂𝒕𝒆𝒓𝒔𝒚𝒎𝒑𝒕𝒐𝒎𝒆.
– 𝑨𝒖𝒇 𝒅𝒆𝒓 𝒂𝒏𝒅𝒆𝒓𝒆𝒏 𝑺𝒆𝒊𝒕𝒆: 𝑫𝒓𝒆𝒊 𝑾𝒐𝒄𝒉𝒆𝒏 𝒇𝒍𝒂𝒄𝒉𝒍𝒊𝒆𝒈𝒆𝒏, 𝒎𝒊𝒕 𝒎ö𝒈𝒍𝒊𝒄𝒉𝒆𝒓𝒘𝒆𝒊𝒔𝒆 𝒅𝒂𝒖𝒆𝒓𝒉𝒂𝒇𝒕𝒆𝒏 𝑺𝒄𝒉ä𝒅𝒆𝒏 𝒖𝒏𝒅 𝒆𝒊𝒏𝒆𝒎 (𝒌𝒍𝒆𝒊𝒏𝒆𝒏) 𝑹𝒊𝒔𝒊𝒌𝒐 𝒇ü𝒓 𝒆𝒊𝒏𝒆𝒏 𝒍𝒆𝒃𝒆𝒏𝒔𝒈𝒆𝒇ä𝒉𝒓𝒍𝒊𝒄𝒉𝒆𝒏 𝑽𝒆𝒓𝒍𝒂𝒖𝒇.
𝑭ü𝒓 𝒎𝒊𝒄𝒉 𝒆𝒊𝒏 𝑵𝒐-𝑩𝒓𝒂𝒊𝒏𝒆𝒓.
Auch wenn unerkannte Spätfolgen auftreten sollten, bewegen die sich basierend auf den jetzt schon Geimpften wohl eher in einer Größenordnung von ein Fall auf Millionen Geimpfter. Vergleiche ich das mit einer Krankheit, von der wir wissen, dass um die 10-15% der Erkrankten Langzeitfolgen entwickeln können – und wir genausowenig wissen, ob da in einem Jahr noch was kommt – ist das ebenfalls: ein No-Brainer.
𝐃𝐢𝐞 𝐤𝐥𝐚𝐫𝐞 𝐀𝐧𝐭𝐰𝐨𝐫𝐭 𝐚𝐮𝐟 𝐦𝐞𝐢𝐧𝐞 𝐄𝐢𝐧𝐠𝐚𝐧𝐠𝐬𝐟𝐫𝐚𝐠𝐞 𝐢𝐬𝐭 𝐝𝐚𝐡𝐞𝐫: 𝐈𝐦𝐩𝐟𝐭 𝐚𝐥𝐥𝐞, 𝐝𝐢𝐞 𝐞𝐬 𝐧ö𝐭𝐢𝐠𝐞𝐫 𝐡𝐚𝐛𝐞𝐧 𝐳𝐮𝐞𝐫𝐬𝐭. 𝐒𝐨𝐛𝐚𝐥𝐝 𝐞𝐬 𝐚𝐛𝐞𝐫 𝐒𝐢𝐧𝐧 𝐦𝐚𝐜𝐡𝐭 𝐮𝐧𝐝 𝐢𝐜𝐡 𝐝𝐚𝐫𝐟, 𝐬𝐭𝐞𝐥𝐥𝐞 𝐢𝐜𝐡 𝐦𝐢𝐜𝐡 𝐢𝐧 𝐝𝐢𝐞 𝐒𝐜𝐡𝐥𝐚𝐧𝐠𝐞. 𝐀𝐦 𝐥𝐢𝐞𝐛𝐬𝐭𝐞𝐧 𝐟ü𝐫 𝐞𝐢𝐧𝐞 𝐈𝐦𝐩𝐟𝐮𝐧𝐠 𝐯𝐨𝐧 𝐏𝐟𝐢𝐳𝐞𝐫/𝐁𝐢𝐨𝐍𝐓𝐞𝐜𝐡 𝐨𝐝𝐞𝐫 𝐌𝐨𝐝𝐞𝐫𝐧𝐚 (𝐧𝐚𝐜𝐡 𝐚𝐤𝐭𝐮𝐞𝐥𝐥𝐞𝐦 𝐒𝐭𝐚𝐧𝐝 𝐦𝐞𝐢𝐧𝐞𝐬 𝐖𝐢𝐬𝐬𝐞𝐧𝐬).
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𝑵𝒂𝒄𝒉𝒕𝒓𝒂𝒈
Unter meinem Post haben sich mittlerweile einige wirklich gute Nachfragen gesammelt, die ich versuche nach bestem Wissen zu beantworten. Damit das nicht untergeht werde ich sie hier in einer laufend aktualisierten Liste festhalten.
1. 𝐒𝐜𝐡ü𝐭𝐳𝐭 𝐝𝐢𝐞 𝐈𝐦𝐩𝐟𝐮𝐧𝐠 𝐧𝐮𝐫 𝐯𝐨𝐫 𝐄𝐫𝐤𝐫𝐚𝐧𝐤𝐮𝐧𝐠, 𝐨𝐝𝐞𝐫 𝐚𝐮𝐜𝐡 𝐯𝐨𝐫 𝐞𝐢𝐧𝐞𝐫 𝐈𝐧𝐟𝐞𝐤𝐭𝐢𝐨𝐧?
Der Pfizer Trial hat die Frage nach der Infektion nicht untersucht, daher gibt es dazu keine Daten.
ABER: Diese Woche kamen die ersten Ergebnisse des Moderna Trials raus, der das mit untersucht hat. Und tatsächlich sieht es so aus, als könnten die Impfungen auch das Infektionsrisiko massiv verringern!
Macht ja auch intuitiv Sinn – selbst wenn Infektionen nicht komplett verhindert werden, springt das Immunsystem von Geimpften früher und effektiver an, und verringert damit sowohl die Viruslast (und damit die Infektiosität), als auch die Zeit der Infektion.
Rundum gute Neuigkeiten also, dass man nach der Impfung nicht nur sich selbst, sondern auch andere schützt.
2. 𝐖𝐞𝐢ß 𝐦𝐚𝐧 𝐬𝐜𝐡𝐨𝐧, 𝐰𝐢𝐞 𝐥𝐚𝐧𝐠𝐞 𝐝𝐢𝐞 𝐒𝐜𝐡𝐮𝐭𝐳𝐰𝐢𝐫𝐤𝐮𝐧𝐠 𝐝𝐞𝐫 𝐈𝐦𝐩𝐟𝐮𝐧𝐠 𝐚𝐧𝐡ä𝐥𝐭?
Das kann man natürlich noch nicht mit Sicherheit sagen – die ganze Krankheit gibt es ja erst ein Jahr, und wir wissen es noch nicht einmal für die Immunität ehemaliger Erkrankter. Aber es gibt ein paar Mut machende Indizien:
– Die Immunwirkung nach einer natürlichen Infektion scheint bisher recht robust zu sein, Berichte von Neuinfektionen sind sehr, sehr selten und bei Abermillionen Infizierten die absolute Ausnahme.
– Das Virus ist deutlich stabiler und mutiert/rekombiniert nicht so schnell wie die Grippeviren. Damit fällt schonmal ein Mechanismus weg, der eine jährliche Impfung nötig machen würde.
– Die Infizierten mit dem sehr ähnlichen SARS-CoV-1 Virus aus der SARS Epidemie von 2003 zeigen heute noch eine Immunreaktion.
3. 𝐖𝐚𝐫𝐮𝐦 𝐰𝐮𝐫𝐝𝐞 𝐛𝐢𝐬𝐡𝐞𝐫 𝐧𝐨𝐜𝐡 𝐤𝐞𝐢𝐧 𝐦𝐑𝐍𝐀 𝐈𝐦𝐩𝐟𝐬𝐭𝐨𝐟𝐟 𝐳𝐮𝐠𝐞𝐥𝐚𝐬𝐬𝐞𝐧?
An möglichen Nebenwirkungen lag es bisher nicht, sondern nach meinem Verständnis schlicht daran, dass kein Geld für große Studien gegeben wurde (die kosten hunderte Millionen, und die meisten neuen Ansätze kamen von eher kleinen Unternehmen). Dazu kommt, dass zwar nicht die Produktion per se teurer ist als bei klassischen Impfstoffen, aber dass man bisherige Produktionsanlagen nicht einfach dafür verwenden kann. Damit musste man die Produktion komplett neu aufbauen, auch davor haben Investoren zurückgeschreckt. Im Veterinärbereich sind sie aber tatsächlich schon länger im Einsatz.
4. 𝐈𝐜𝐡 𝐡𝐚𝐛𝐞 𝐠𝐞𝐡ö𝐫𝐭 𝐛𝐞𝐢 𝐝𝐞𝐫 𝐒𝐜𝐡𝐰𝐞𝐢𝐧𝐞𝐠𝐫𝐢𝐩𝐩𝐞𝐢𝐦𝐩𝐟𝐮𝐧𝐠 𝐠𝐚𝐛 𝐞𝐬 𝐍𝐚𝐫𝐤𝐨𝐥𝐞𝐩𝐬𝐢𝐞𝐟ä𝐥𝐥𝐞 𝐚𝐥𝐬 𝐒𝐩ä𝐭𝐟𝐨𝐥𝐠𝐞𝐧 – 𝐰𝐢𝐞 𝐠𝐫𝐨ß 𝐢𝐬𝐭 𝐝𝐢𝐞 𝐆𝐞𝐟𝐚𝐡𝐫?
Die Pandemrix Geschichte habe ich mir auch angeschaut, und ehrlich gesagt hat das meine Risikoabwägung nicht wesentlich beeinträchtigt. Warum?
Es gab 60-90Mio verimpfte Dosen. Davon sind weltweit 1.300 Narkolepsiefälle bekannt (davon nur wenige schwer, viele eher im Bereich allgemeiner gefühlter Schläfrigkeit). Man vermutet, dass es an einem Adjuvans gelegen haben könnte (umstritten und bei der mRNA Impfung sowieso nicht dabei), oder daran, dass das verwendete Spike Protein des Virus einem körpereigenen, die Wachheit regulierenden Protein ähnelt, das dann von der Immunantwort bei manchen Menschen mit angegriffen wurde. Das wäre dann aber wohl bei der Krankheit auch passiert (tatsächlich war das gestiegene Narkolepsie-Risiko durch die Grippe laut einer Stanford Studie deutlich höher als der Anstieg durch die Impfung).
Und viel wichtiger:
Die Inzidenz liegt also bei 1.300 Erkrankten geteilt durch gemittelt 75.000.000 Impfungen irgendwo bei 0,0017%.
Selbst die Todes(!!)rate von COVID19 liegt in meiner Altersgruppe (Anfang 30) noch bei 0.068% – also 𝟒𝟎 𝐌𝐚𝐥 𝐡ö𝐡𝐞𝐫. Und da sind die mit zerstörter Lunge Überlebenden nach Intensivbeatmung nicht eingerechnet.
Lange, aber sehr gute Zusammenfassung zu den Hintergründen:
5. 𝐖𝐮𝐫𝐝𝐞𝐧 𝐝𝐢𝐞 𝐈𝐦𝐩𝐟𝐬𝐭𝐨𝐟𝐟𝐞 𝐧𝐮𝐫 𝐚𝐧 𝐣𝐮𝐧𝐠𝐞𝐧, 𝐠𝐞𝐬𝐮𝐧𝐝𝐞𝐧 𝐌𝐞𝐧𝐬𝐜𝐡𝐞𝐧 𝐞𝐫𝐩𝐫𝐨𝐛𝐭?
Nein. Unter den Teilnehmern des Pfizer Impfstoffs waren 42% der Teilnehmer über 55 Jahre alt (Median Alter: 52 Jahre), 35% der Teilnehmer waren schwer übergewichtig und 21% hatten mindestens eine Vorerkrankung.
“Among these 37,706 participants, 49% were female, 83% were White, 9% were Black or African American, 28% were Hispanic or Latinx, 35% were obese (body mass index of at least 30.0), and 21% had at least one coexisting condition. The median age was 52 years, and 42% of participants were older than 55 years of age.”
𝐖𝐞𝐢𝐭𝐞𝐫𝐟ü𝐡𝐫𝐞𝐧𝐝𝐞 𝐐𝐮𝐞𝐥𝐥𝐞𝐧 𝐳𝐮 𝐞𝐢𝐧𝐳𝐞𝐥𝐧𝐞𝐧 𝐓𝐡𝐞𝐦𝐞𝐧:
Impftracker von Bloomberg:
– Haftungsausschluss und Impfstoffpreise:
– Spätfolgen von COVID-19 (“Long Covid”):