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Mars versus Venus? Teil 10 Gehirn 3/3: kognitive Fähigkeiten bei Mann und Frau

Zusammenfassung Teil 8:

Im letzten Teil haben wir uns intensiv mit der Anatomie und Funktionsweise des Gehirns befasst und nach Geschlechterunterschieden gesucht. Wir können Folgendes festhalten:

* Es gibt Geschlechterunterschiede im Gehirn, doch diese sind eher gering, es gibt große Überlappungen und die Unterschiede zwischen zwei Männern können u. U. größer sein, als die zwischen Mann und Frau.

* Wenn es Unterschiede gibt, heißt es noch lange nicht, dass diese Unterschiede “angeboren” sein müssen. Da unser Gehirn plastisch ist, reagiert es auch auf seine Umwelt (und bei Menschen besonders auf das soziale Umfeld und die Kultur) und kann sich entsprechend anpassen. Ein gefundener Unterschied muss also nicht zwingend biologische Ursachen haben

* Damit sind die Unterschiede auch nicht starr: z. b. lassen sich Unterschiede zwischen Mann und Frau bei kognitiven Leistungen durch intensiveres Training reduzieren.

* Wenn sich Unterschiede finden, heißt das bei Weitem nicht, dass diese Unterschiede irgendeine Qualität haben. Unterschiede sind erst einmal eines: nämlich nur Unterschiede. Sie geben keine Anzeichen dafür, welche Eigenschaft besser oder höher gestellt ist.

* Unterschiede in der Persönlichkeit lassen sich nicht mit Unterschieden in der Gehirnstruktur in Verbindung bringen. Zwar haben die unterschiedlichen Gehirnareale verschiedene Aufgaben. Doch selbst die kleinste Tätigkeit (z. b. den Namen mit einem Stift auf Papier schreiben) erfordert die Koordination unterschiedlicher Hirnareale: Sehzentrum (sehe ich den Stift und das Papier?), Sprachzentrum (kenne ich meinen Namen?), motorisches Zentrum (kann ich den Stift festhalten?), Erinnerungsvermögen (erinnere ich mich an meinen Namen?), Emotionen (welche Gefühle habe ich, wenn ich meinen Namen schreibe?), Stammhirn (ich muss immer noch atmen können) etc. sind erforderlich, um den eigenen Namen aufzuschreiben. Folgerichtig müssen auch bei unserer Persönlichkeit und unserer Identität mehrere Hirnregionen miteinander koordiniert sein. Es lässt sich also an der Struktur des Hypothalamus z. B. kein “Transsexuellen-Gehirn” festmachen. Außerdem können tatsächlich gefundene Unterschiede im Gehirn nicht die Ursache, sondern die Folge der Persönlichkeit sein, da das Gehirn auch auf Umweltreize reagiert.

* Hirnregionen können einander kompensieren. Kleinere Hirnareale können ihre “Defizite” dadurch ausgleichen, dass sie z. B. mehr Neurotransmitter produzieren.

* Weil unser Gehirn wesentlich komplexer ist, lassen sich nicht so einfach Erkenntnisse aus Tierversuchen 1:1 auf Menschen übertragen.

* Unabhängig davon, ob man die Unterschiede zwischen Männerhirnen und Frauenhirnen übertreibt oder herunterspielt, liefern beide Versionen keine nennenswerten Argumente für die Queer-Theorie. Wenn es keine wesentlichen Unterschiede zwischen Männer- und Frauenhirnen gibt, so kann die Behauptung, dass man ein Frauenhirn in einem Männerkörper (oder umgekehrt) haben kann, nicht richtig sein. Sollten jedoch sehr große Unterschiede bestehen, dann ist z. B. ein Mann, der sich „weiblicher“ fühlt, lediglich jemand der vom statistischen Durchschnittswert abweicht, aber immer noch ein Mann. Denn die Kriterien für die Unterschiede zwischen Mann und Frau liegen nicht in der Gehirnanatomie, sondern in der Funktion der Fortpflanzung.

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Mars versus Venus? Teil 8: Gehirn 2/3: Frauenhirn und Männerhirn oder Menschenhirn?

zu Teil 7:

Einführendes zum Gehirn

Als Gehirn wird bei Wirbeltieren und einigen Wirbellosen der im Kopf gelegene Teil des Zentralen Nervensystems (ZNS) bezeichnet (als weiterer Bestandteil des zentralen Nervensystems der Wirbeltiere gilt das Rückenmark). Unser Gehirn verarbeitet Sinneswahrnehmungen und koordiniert das Verhalten. Die Länge aller Nervenbahnen zusammengenommen beträgt ungefähr 5,8 Millionen Kilometer (145-fache des Erdumfangs). Das Volumen des Gehirns beträgt bei erwachsenen Männern durchschnittlich 1,27 Liter, bei Frauen 1,13 Liter; das Hirngewicht erwachsener Männer beträgt ungefähr 1400 g, bei gleichgroßen Frauen ist es 100 g leichter (ALLEN, DAMASIO & GRABOWSKI 2002, RUSHTON 1992).

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Mars versus Venus? Teil 7: Gehirn 1/3, Problem des biologischen Determinismus

Problemstellung

Wir haben uns in den vorherigen Teilen vor allem mit der Genetik befasst. Wir konnten feststellen, dass biologisch zwei Geschlechter funktional sind und mit der Produktion unterschiedlicher haploider Keimzellen einhergehen. Intersexuelle hingegen lassen sich keinem eindeutigen Geschlecht zuordnen, bilden aber damit kein drittes (oder x-tes) Geschlecht, da sie keinen neuen Keimzellentyp hervorbringen. In der Biologie besteht weitestgehend Einigkeit darüber, dass die beiden biologischen Geschlechter Fakten sind.

Nun mögen vielleicht Penis und Vagina sowie Samen- und Eizelle interessant sein, doch die meisten interessieren sich vor allem für das, was angeblich wirklich Männer und Frauen unterscheidet: ihr Wesen, ihre Persönlichkeit, ihr Fühlen, ihr Denken und ihr Gehirn. Wenn behauptet wird Männer und Frauen seien völlig unterschiedlich, so als ob sie von verschiedenen Planeten kämen, dann treffe es eben auch auf alles zu. Die “Wissenschaft” dahinter scheint simpel und klar: Die Evolution erschuf Männer und Frauen mit evolutionär unterschiedlichen Aufgaben und entsprechenden Hirnen. Die Geschlechterunterschiede scheinen auch im Gehirn, also damit auch im Verhalten und der Psyche festgelegt (“hardwired”): Frauen seien die Sprachbegabteren und können sich besser in andere einfühlen, weil ihre Gehirnhälften besser vernetzt sind. Männer hingegen seien Sprachmuffel, dafür jedoch besser in Mathematik und im räumlichen Denken. Das habe natürlich auch evolutionäre Hintergründe. Während der Steinzeit saßen die Damen zu Hause, kümmerten sich um die Kinder und kommunizierten sehr viel (ob Klatsch- und Tratsch-Magazine in Stein gemeißelt wurden, das konnten Evolutionspsychologen noch nicht beweisen). Männer hingegen waren die Jäger und mussten sich daher räumlich besser orientieren und logischer denken. Dieses Steinzeithirn, welches wir entwickelten, hat auch bis heute noch Bestand, so die gängige Hypothese. Wir können bei Kutscheras Gender-Buch lesen:  Männer seien aufgrund ihres Testosteronspiegels für die Kinderaufzucht ungeeignet (KUTSCHERA 2018: S. 307). Auch die Berufswahl sei geschlechterspezifisch. So interessieren sich Frauen für ihn nicht für die “harten Naturwissenschaften”, sowie für Informatik und Ingenieurswissenschaften (KUTSCHERA 2018: S. 159 & 185). Der Versuch, „junge Frauen mit allen Mitteln dazu zu überreden, Ingenieurinnen zu werden“ sei, so Kutschera, eine „geistige Vergewaltigung heranwachsender Frauen“ (KUTSCHERA 2018: S. 48). Er betont zwar, er würde sich durchaus für die Frauen in der Wissenschaft einsetzen, befürchtet aber gleichzeitig, dass die Biologie “verweichlicht” (bzw. “verweiblicht“) werden soll (KUTSCHERA 2018: S.116). Interessant, dass hier eine Verbindung zwischen verweichlicht und verweiblicht gezogen wird.

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