Diese Frage mag einem merkwürdig vorkommen, da man  es für eine Selbstverständlichkeit hält. Doch was unterscheidet das Tier von einer Pflanze oder einem Pilz?

Viele kommen zu dem Schluss, dass Tiere sich von Pflanzen oder anderen Tieren ernähren müssen, während Pflanzen Photosynthese betreiben können.

Doch das stimmt nicht ganz. So gibt es einige Pflanzen, die keine Photosynthese betreiben können, so z. B. Vertreter der Grünalgengattung  Polytomella oder der Vogel-Nestwurz (Neottia nidus-avis), einer parasitären Orchideenart ohne Chlorophyll (dem Farbstoff, der die Photosynthese ermöglicht).

Wiederrum gibt es im Tierreich die Schnecken-Spezies Elysia chlorotica, die sich von Grünalgen ernährt. Dabei ist sie in der Lage die Chloroplasten (Organellen der Pflanzenzelle, die das Chlorophyll einlagern und an denen die Photosynthese stattfindet) in ihr Gewebe einzulagern. Diese Chloroplasten (in der Schnecke auch Kleptoplasten genannt) sind über mehrere Monate photosynthetisch aktiv und versorgen die Schnecke somit mit Zucker und anderen organischen Molekülen.

Außerdem sind einige Bakterien, wie die Cyanobakterien, die nicht zu den Pflanzen zählen, in der Lage Photosynthese zu betreiben und einige Pilze (die weder Pflanze noch Tier sind) gehen eine Symbiose mit Grünalgen ein (nämlich die Flechten).

Abb. 1: Der Vogel-Nestwurz (Neottia nidus-avis), eine parasitäre Pflanzenart ohne Chlorophyll und Photosynthese und Elysia chlorotica, eine Schnecke mit eingelagerten Chloroplasten. Quelle: wikipedia

Sind Organismen übrigens in der Lage Licht oder chemische Verbindungen als Energiequelle nutzen, um selbst Kohlenhydrate herzustellen, so nennt man sie autotroph.

Müssen Organismen bereits vorhandene Stoffe wie Glucose zur Energiegewinnung nutzen (sprich: sich von anderen Organismen ernähren), so sind sie heterotroph.

Die Ernährungsweise ist also ein schlechtes Merkmal Tier und Pflanze voneinander zu unterscheiden.

Das Gleiche tritt auch auf die Beweglichkeit zu. Zwar können Pflanzen und Pilze sich nicht aktiv fortbewegen (sondern werden bestenfalls passiv von Wind, Wasser oder anderen Tieren transportiert wie bei Pollen und Samen), doch gibt es auch Tiere die fest sitzen, also sessil leben (z. B. Schwämme und Korallen).

Will man den Unterschied zwischen Pflanze, Pilz und Tier ermitteln, so muss man deren grundlegenden Bauplan studieren.

Die Grundeinheit des Lebens ist die Zelle und die meisten Tiere, Pilze und Pflanzen sind Vielzeller, bestehen also aus einen Verband mehrerer Zellen. Doch wie die Zelle miteinander verbunden sind, das ist der entscheidende Unterschied zwischen diesen Organismen-Gruppen.

Der Körper eines Tieres besteht nicht nur aus Zellen, sondern auch zu einem großen Teil aus Bindegewebe, die aus zugfesten Fasern bestehen. Je nach Lage im Körper organisieren sie sich diese Fasern als räumliches Gitterwerk, Flache Lagen, oder sie treten zu größeren Bündeln zusammen. Es kann Kalk eingelagert werden (wie bei unseren Knochen), oder die Bindegewebsfasern treten zu festen Teilen zusammen, wie bei Haaren, Fingernägeln, Hufen oder Krallen.

Dieses Prinzip des Zellverbandes tritt in jeder Tiergruppe auf: ob beim Fisch, Säugetier, Insekt oder Schwamm: Die Zellen sind immer in ein Geflecht aus Bindegewebsfasern eingebettet.

Die wichtigsten Bindegewebsfasern sind Kollagen (von dem es 4 Typen gibt) und elastische Fasern. Auch bestimmte Zelltypen wie die weißen Blutkörperchen sind Abkömmlinge des Bindegewebes.

Bei einigen Tieren überwiegt gallertiges Bindegewebe (z. B. bei Quallen, die zu über 90% aus faseriger, zäher Gallerte bestehen). Bei den meisten Tieren ist jedoch das Bindegewebe „straffer (Knochen, Knorpel, Haut, Schuppen, Horn etc.).

Wir können also feststellen, dass Tiere die Bindegewebs-Organismen sind, wodurch sie sich von allen anderen Organismen unterscheiden.

Pflanzenzellen sind im Gegensatz dazu mit Zellulose miteinander verbunden, dem Hauptbestandteil der Zellwand einer Pflanzenzelle. Pilze hingegen bilden Chitin, welches sie nach außen abscheiden und ihre Zellen damit umkleiden.

Abb. 2: Bindegewebe: Das was das Tier zum Tier macht. Quelle: dtv-Atlas Biologie(1983): Band 1, S. 90