In einem offenen Brief haben sich 500 Wissenschaftler vor dem Hintergrund des UN-Klimagipfels in New York und dem Hype um das schwedische Mädchen Greta an den UNO Generalsekretär Guterres und an die Leiterin des UN-Klimasekretariates Cantellano in Bonn gewendet. In ihrer „Europäischen Klimaerklärung“ wenden sie sich gegen die sinnlose Verschwendung von Billionen Dollar auf der Grundlage unwissenschaftlicher Annahmen und „unreifer“ Klimamodelle. Hier kann der offene Brief gelesen werden

Das Problem, wenn Wissenschaftler „Listen“ unterschreiben, die aussagen, dass es keinen Klima-Notstand gäbe, wirkt für den Laien ja erstmal überzeugend. Bei genauerem Hinsehen erweist sich das als Ente:

Wenn man sich die 500 Wissenschaftler anschaut, so finden sich Wissenschaftler aus allen Expertisen, von Jura-Professoren (seit wann sind die eigentlich „Wissenschaftler?) bis hin zu Chemikern … aber interessanterweise recht wenige Forscher, die tatsächlich an der Klimaforschung beteiligt sind, ob am aktuellen Klimawandel, an historischen Klimaereignissen oder Klimamodellen allgemein. Unterzeichner ist auch ein gewisser Lord Monckton, der mit Wissenschaft ungefähr so viel zu tun hat wie Kreationismus mit Wissenschaft. Das ist eine typische Taktik dieser Lobby. Wenn Wissenschaftler eine Petition unterschreiben, dann muss doch etwas daran liegen, schließlich sind es ja Wissenschaftler und die wissen bekanntlich alles – muss man wissen!

Mal angenommen es würde eine Petition verfasst werden, die aussagt, dass Impfen nicht hilfreich und sogar massive Schäden wie Autismus hervorruft (bei dem absurden Irrationalismus unserer heutigen Tage kann ich mir sogar vorstellen, dass so etwas existiert. Diese Petition wird unterschrieben von 500 „Wissenschaftlern“. Davon sind:

  • 2 Ärzte
  • 1 Zahnmediziner
  • 18 Jura-Professoren
  • 50 Lehrer
  • 50 Ingenieure
  • 200 Heilpraktiker & Homöopathen
  • 100 Wirtschaftswissenschaftler
  • 10 Klimawissenschaftler
  • 1 Botaniker
  • 38 Physiker
  • 30 Theologen

Nun haben 500 Menschen mit einer wissenschaftlichen Ausbildung (seien wir mal ausnahmsweise so tolerant und zählen Heilpraktiker und Homöopathen als so etwas ähnliches wie Akademiker) eine Anti-Impf-Petition unterschrieben. Jedoch – mit Ausnahme vielleicht der 2 Ärzte – ist keiner dieser Akademiker in irgendeiner Lage ein „Expertenurteil“ über das Impfen zu geben. Nur weil jemand einen Dr. oder Prof. im Titel hat, heißt es nicht, dass er ein Universalgenie ist (tut mir leid „Dr. Axel Stoll“). Und selbst wenn dazwischen mal ein Arzt funkt, der gegen das Impfen ist, heißt es nicht, dass der Arzt recht habe, nur weil er ein Arzt ist.

Warum sollte es bei Klima-Petitionen anders sein? Wenn man sich die Unterschreiber anschaut, ist der geringste Anteil von ihnen Klimawissenschaftler und selbst wenn man sehr tolerant ist und z. B. Geologen, die sich mit historischen Klimaereignissen befassten. Ein Großteil der Unterzeichner arbeitet nicht ansatzweise am derzeitigen Klimawandel, an Klimamodellen oder wenigstens an historischen Klimaereignissen. Teilweise finden sich, wie Fritz Vahrenholt und Richard Lindzen Lobbyisten der Industrie oder ein reaktionärer Adliger wie Christopher Monckton of Brenchley, dessen wissenschaftliche Kenntnisse nicht einmal die eines Grundschülers übertreffen. Diese als „Experten“ auszugeben ist schon sehr waghalsig.

Dasselbe gilt auch für ihre „Argumente“, sie sind so allgemein gehalten und so kurz, dass man sich fragen müsste, ob die selbsternannten „Experten“ nicht mal ansatzweise einen kleinen Literaturtipp geben könnten oder versuchen könnten, ihre Behauptungen zu beweisen. Es seien daher einige Kommentare erlaubt. Die Petition schreibt:

Das geologische Archiv zeigt, dass sich das Erdklima seit Bestehen des Planeten mit natürlichen Kälte- und Warmphasen verändert hat.

Kommentar: Dass sich das Klima schon immer änderte ist eine Weisheit, die wirklich jeder Klimawissenschaftler kennt und dass das die selbsternannten „Experten“ als erster erwähnen, zeigt mir nur eins: Sie sind keine Experten. Wer sich über die historischen Klimaereignisse informieren will, dem sei z. B. „Evolution der Erde“ von Wolfgang Oschmann empfohlen. Dabei geht Oschmann auf die geologischen und biologischen Prozesse der Erdgeschichte ein. Das Klima spielt dabei natürlich auch eine Rolle, denn zu jeder Epoche gibt es Abschnitte über das Klima. Entscheidend ist nicht, dass sich das Klima ändert, sondern in welcher Geschwindigkeit. Als kleines erdgeschichtliches Beispiel: Vor etwa 55,8 Mio. Jahren kam es zu einer nach geologischen Maßstäben sehr kurzen, aber extremen Erwärmungsphase, deren Dauern etwa 200.000 Jahre beträgt. Es kam innerhalb weniger tausend Jahre zu einem starken Anstieg von Treibhausgasen, sodass sich die durchschnittliche globale Temperatur um 6-8 °C erhöhte. In der Klimaforschung gilt dies als die bislang schnellste Erderwärmung. Diese Erwärmungsphase dauerte jedoch mehrere tausend Jahre an, die derzeitige Erwärmung läuft in wenigen Jahrzehnten ab, sodass sich Änderungen des Klimas viel schneller vollziehen werden. Eine Studie, publiziert im Fachmagazin „Nature“ (Clark et al. 2016), kam zum Ergebnis, dass sich aktuell das Klima 20-mal schneller erwärme als nach einer Eiszeit. Natürlich könnte man einwenden, wer die Messungen gemacht hat, auf welchen Daten diese Studie basiert, wie verlässlich die Modelle sind etc. Hier ein kleiner Tipp meinerseits: die Studie ist online zugänglich (und mit Sci-Hub auch komplett zu lesen), jeder kann sie lesen, jeder kann die Daten einsehen, jeder kann sie mit anderer Literatur vergleichen und jeder kann somit seine eigene Kritik schreiben. Also liebe Skeptiker: Ab in die Bibliothek, Literatur besorgen, Wörterbuch holen, die Studie lesen, Anmerkungen machen und eine Kritik verfassen, sie ggfs. sogar noch an „Nature“ senden. Wer sich das nicht zutraut und lieber meckern will: einfach mal die Klappe halten. Übrigens: wenn man sich ausnahmsweise mal an den Physikunterricht an der Schule erinnert: das reicht nicht aus.

„Die kleine Eiszeit endete erst mit 1850. Daher ist es nicht verwunderlich, dass wir jetzt eine Phase der Erwärmung erleben.“

Kommentar: Die Kleine Eiszeit war eine Periode relativ kühlen Klimas von Anfang des 15. Jahrhunderts bis in das 19. Jahrhundert hinein. Als Ursachen für die Kleine Eiszeit wurden verstärkter Vulkanismus, eine geringere Aktivität der Sonne und eine Wiederbewaldung landwirtschaftlicher Flächen nach einem Bevölkerungsrückgang durch Krankheiten erwogen. Bei durch die Abkühlung veränderten Meeresströmungen wird eine verstärkende Rolle vermutet. Zusätzlich zu diesen kurzzeitigen Einflüssen gab es einen über Jahrtausende reichenden Abkühlungstrend, der durch Änderungen der Erdumlaufbahn bewirkt wurde. (Quelle: Causes of Change in Large-Scale Temperature over the Past Millennium. In: Intergovernmental Panel on Climate Change [IPCC] (Hrsg.): Fünfter Sachstandsbericht (AR5). 2013, 10.7.1.). Die Quelle verweist schonmal, dass das IPCC die kleine Eiszeit durchaus anerkennt. Die „kleine Eiszeit“ (die übrigens keine echte Eiszeit ist), folgte der „Mittelalterlichen Warmzeit“. Gerne wird behauptet, dass hier also ein natürlicher Zyklus vorliegt: Warm- und Kälteperioden wechseln sich ab. Die „Mittelalterliche Warmzeit“ war jedoch regional begrenzt. Ein US-amerikanisches Forscherteam hat daher eine Weltkarte mit den Temperaturänderungen der letzten 1.500 Jahre erstellt (Mann et al. 2009), mit der sowohl die Mittelalterliche Warmzeit betrachtet werden kann, als auch die sogenannte Kleine Eiszeit (von Anfang des 15. bis ins 19. Jahrhundert). Diese Arbeit basiert auf mehr als tausend Sätzen von Proxydaten, für die beispielsweise Baumringe, Eisbohrkerne, Korallen oder Sedimentkerne analysiert wurden. Während der Mittelalterlichen Warmzeit herrschten in großen Teilen des Nordatlantiks, in Südgrönland, in der Eurasischen Arktis und Teilen von Nordamerika warme Bedingungen. In diesen Regionen scheinen die Temperaturen höher gelegen zu haben als im gewählten Vergleichszeitraum (1961 bis 1990), in manchen Gebieten erreichten die Temperaturen sogar das noch höhere heutige Niveau. In vielen anderen Regionen aber lag die Temperatur deutlich unter dem Durchschnitt der Jahre 1961 bis 1990, etwa in Zentraleurasien, im Nordwesten Nordamerikas oder im tropischen Pazifik.

Eine weitere Studie erschien 2013 in „Nature Geoscience“ (Ahmed et al. 2013). Eines der Ergebnisse des PAGES 2k-Teams war, dass die Erderwärmung der vergangenen rund hundert Jahre einen vorherigen, langanhaltenden Abkühlungstrend beendet hat. Und dass die gegenwärtigen Temperaturen (weltweit betrachtet) höher liegen als in den 1400 Jahren zuvor – inklusive der Mittelalterlichen Warmzeit. Die Forschungen ergaben auch, dass es solche regionalen Warmperioden zu verschiedenen Zeiten in verschiedenen Weltregionen gab:

„Die Zeit zwischen etwa 830 bis 1100 war in allen vier Teilregionen der Nordhalbkugel eine anhaltende Warmperiode. In Südamerika und Australien/Asien trat eine durchgehend warme Periode von etwa 1160 bis 1370 auf. In der Arktis und in Europa waren die Temperaturen während der ersten Jahrhunderte nach Christus relativ hoch.“

Für frühere weltweit synchrone, über mehrere Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte anhaltende Warmperioden (wie die moderne globale Erwärmung) fanden die Forscher keine Belege.

Eine Studie von Neukom et al. (2019) belegt des Weiteren, dass auch die kleine Eiszeit nicht weltweit stattfand, sondern regional war.

In der Skeptiker-Petition der „500“ heißt es weiter:

„Die Welt hat sich mit weniger als der Hälfte der ursprünglich vorhergesagten Rate erwärmt und mit weniger als der Hälfte der Rate, die aufgrund des anthropogenen Nettoantriebs und des Strahlungsungleichgewichts zu erwarten ist. Es zeigt uns, dass wir den Klimawandel nicht verstehen.“

Ich will nicht ausschließen, dass von den 500 Unterzeichnern kaum einer den Klimawandel nicht versteht. Doch trifft das auf die Klimawissenschaft zu? Nur weil das Klima komplex ist, heißt das noch lange nicht, dass man es nicht verstehen kann. Das Argument der Komplexität nutzen ja auch Kreationisten (insbesondere die Anhänger des „Intelligent Design“), um zu beweisen, dass Evolution nicht stattfinden kann, da alles so kompliziert ist. Natürlich erweisen sich die „Argumente“ der Kreationisten als naive Luftnummer. Doch bei der Klimawissenschaft? Leider geben die skeptischen 500 keine Quelle für ihre Behauptung. Doch in Bezug zur globalen Erwärmung können Folgende fakten gebracht werden: Church et al. (2011) haben die Analyse von Murphy et al. (2009), die den Gesamtwärmegehalt der Erde bis zum Jahr 2003 berechnet erweitert. Diese neue Studie kombiniert Messungen der Erwärmung des Ozeans, der Erwärmung des Bodens und der Atmosphäre sowie der Eisschmelze und stellt fest, dass unser Klimasystem bis 2008 weiterhin Wärme gespeichert hat, sich also global erwärmte. Weitere Quellen zur globalen Erwärmung seit 2008 finden sich auf einer Homepage von „Skeptical Science“ 

In Bezug auf die Rolle des Menschen geben folgende Studien Auskunft:

Tatsächlich haben die Klimaforscher der NASA 2010 in der renommierten Zeitschrift Science eine Studie mit dem Titel „Atmospheric CO2: Principal Control Knob Governing Earth’s Temperature.” („Atmosphärisches CO2: der Hauptwahlschalter zur Regelung der Erdtemperatur”) veröffentlicht – ja liebe Aluhut-Träger wir wissen, die NASA sind auch die Bösen, die auch die Mondlandung gefälscht haben (*Ironie aus*). Der IPCC-Bericht aus dem Jahr 2013 kam mit 95%-igem Vertrauensniveau zu dem Schluss, dass der Mensch zumindest für den Großteil und höchstwahrscheinlich für die gesamte globale Erwärmung seit 1950 verantwortlich ist.

Die skeptischen 500 schreiben weiterhin:

Klimamodelle weisen viele Mängel auf und sind als politische Instrumente nicht aus der Ferne plausibel. Darüber hinaus übertreiben sie höchstwahrscheinlich die Wirkung von Treibhausgasen wie CO2. Darüber hinaus ignorieren sie die Tatsache, dass die Anreicherung der Atmosphäre mit CO2 von Vorteil ist.“

Dies ist ein oft vorkommendes Vorurteil. Die Klimamodelle sind nicht verlässlich, also können sie nicht stimmen. Natürlich geben sie auch hierfür keine Belege. Klimamodelle sind mathematische Darstellungen der Wechselwirkungen zwischen Atmosphäre, Ozeanen, Landoberfläche, Eis – und Sonne. Dies ist eindeutig eine sehr komplexe Aufgabe, sodass Modelle eher zur Abschätzung von Trends als von Ereignissen erstellt werden. Ein Klimamodell kann beispielsweise aussagen, dass es im Winter kalt sein wird, aber es kann nicht sagen, wie die Temperatur an einem bestimmten Tag sein wird – das ist eine Wettervorhersage. Trends sind wichtig, weil sie einzelne Ereignisse eliminieren oder “glätten”, die extrem, aber sehr selten sind.

Klimamodelle müssen getestet werden, um herauszufinden, ob sie funktionieren. Man kann nicht 30 Jahre warten, um zu sehen, ob ein Modell gut ist oder nicht. Deswegen werden Klimamodelle getestet, indem vergangene Ereignisse, von denen wir wissen, was passiert ist, überprüft werden. Wenn ein Modell Trends irgendwo in der Vergangenheit von einem Ausgangspunkt aus richtig vorhersagen kann, können wir damit rechnen, dass es mit hinreichender Sicherheit vorhersagt, was in Zukunft passieren könnte. Daher werden alle Modelle zunächst in einem Prozess namens Hindcasting getestet. Die Modelle zur Vorhersage der zukünftigen globalen Erwärmung können die vergangenen Klimaveränderungen genau abbilden. Wenn sie die Vergangenheit richtig darstellen, gibt es keinen Grund zu der Annahme, dass ihre Vorhersagen falsch wären. Das Testen von Modellen anhand der vorhandenen Instrumentenaufzeichnung ergab, dass CO2 eine globale Erwärmung verursachen muss, da die Modelle nicht simulieren konnten, was bereits geschehen war, wenn nicht das zusätzliche CO2 zum Modell hinzugefügt wurde.

Natürlich sind auch solche Modelle, die ja nur Trends und keine genauen Vorhersagen geben, nicht perfekt. Anders als bei Wettervorhersagen liegen sie in einer fernen Zukunft, in der nur vermutlich noch Wissenschaftshistoriker danach fragen werden, wie gut diese von Klimamodellen vor vielen Jahrzehnten vorausberechnet worden ist. Dennoch gibt es einige gute Gründe für die Glaubwürdigkeit von Modellprojektionen. Der Bericht des Weltklimarates IPCC von 2007 (IPCC (2007): Climate Change 2007, Working Group I: The Science of Climate Change, FAQ 8.1. (Seite 600 ff. bzw. Seite 12 ff. von 74 der PDF-Datei) führt dazu fünf Argumente an:

  1. Klimamodelle basieren auf anerkannten physikalischen Gesetzen und Beobachtungen.
  2. Klimamodelle sind in der Lage, wichtige Aspekte des gegenwärtigen Klimas zu reproduzieren.
  3. Klimamodelle sind in der Lage, wichtige Aspekte des vergangenen Klimas und vergangener Klimaänderungen zu reproduzieren, z.B. des Letzten Glazialen Maximums, der Kleinen Eiszeit und den Temperaturanstieg der letzten Jahrzehnte als Folge der zunehmenden Konzentration von Treibhausgasen.
  4. Wettervorhersagemodelle, die oft die Ausgangsbasis für ein Klimamodell liefern, werden erfolgreich für Wetterprognosen und saisonale Vorhersagen eingesetzt. Die Projektionen von früheren Klimamodellrechnungen für die letzten beiden Jahrzehnte stimmen im Großen und Ganzen mit den darauf folgenden Beobachtungen überein. Die Kernaussagen dieser Modelle haben sich nicht wesentlich geändert.
  5. Die von verschiedenen Forschergruppen entwickelten Klimamodelle zeigen im wesentlichen dasselbe Verhalten.

Allerdings sind alle fünf Argumente mit gewissen Einschränkungen zu betrachten:

Zu 1. Modelle sind noch nicht in der Lage, Wolken und die Rückkopplungen der Kryosphäre hinreichend abzubilden. Herausforderungen stellen immer noch die Simulationen von Extremereignissen, außertropischen Stürmen und zu einem geringeren Teil des El-Niño-Phänomens dar.

Zu 2. Die Simulation des gegenwärtigen Klimas kommt in einigen Aspekten dadurch zustande, dass Modelle an die Datenlage angepasst (kalibriert) werden.

Zu 3. Die Kalibrierung gilt auch für die Vergangenheit. Gerade hier sind Daten und Modelle nicht unabhängig voneinander. Klimamodelle werden benutzt, um die Proxydaten zu interpretieren, und erzeugen auf diese Weise ein “beobachtetes” Paläoklima.

Zu 4. Erfolgreiche Vorhersagen über Tage, Monate oder auch einige Jahre sind keine Garantie, dass auf diese Weise auch die relevanten Prozesse erfasst wurden, die langfristige Klimaprojektionen bestimmen.

Zu 5. Die verschiedenen Modellierergruppen arbeiten keineswegs unabhängig voneinander. Die Kommunikation in der Community der Modellierer ist als relativ intensiv einzuschätzen.

Klimamodelle sind niemals in dem Sinne perfekt, dass sie die Wirklichkeit ohne Einschränkung wiedergeben können. Sie beschreiben das wirkliche Klima immer nur in Annäherung. Sie sind jedoch ein brauchbares Instrument, das Klimasystem und seine Veränderungen zu verstehen. In der Kombination von Globalen und Regionalen Klimamodellen sind Forscher in der Lage, innerhalb einer gewissen Bandbreite Entwicklungen zu prognostizieren. Durch die Unsicherheiten bei den Emissionen wie bei den Modellen werden Bandbreiten allerdings auch in Zukunft unvermeidlich sein. Modellsimulationen haben nachgewiesen, dass die globale Erwärmung der letzten Jahrzehnte eindeutig durch anthropogene Treibhausgase bedingt ist. Und sie haben übereinstimmend gezeigt, dass sich bei einem weiteren Anstieg der Treibhausgaskonzentration die globale Erwärmung beschleunigen wird. Bei allen Abweichungen im Einzelnen sind Klimamodelle für solche grundlegenden Erkenntnisse eine verlässliche Quelle.

Es gibt übrigens auch Klimamodelle, die tatsächlich zu konservativ in ihren Trends waren.

CO2 ist kein Schadstoff. Es ist wesentlich für alles Leben auf der Erde. Die Photosynthese ist ein Segen. Mehr CO2 schont die Natur und die Erde: Zusätzliches CO2 in der Luft hat das Wachstum der globalen Pflanzenbiomasse gefördert. Es ist auch gut für die Landwirtschaft und erhöht die Ernteerträge weltweit.

CO2 ist Pflanzennahrung. Das stimmt. CO2 ist kein Schadstoff: Das kommt auf die Konzentration an. Für Pflanzen ist CO2 Nahrung, würde die Atmosphäre aber nur aus CO2 bestehen, würden wir nicht überleben können. Schadstoffe sind immer eine Frage der Konzentration. Daher ist die Frage berechtigt: Ist mehr CO2 automatisch gut (für Pflanzen)?

Vielleicht hilft ein Vergleich: Wir Menschen müssen Nährstoffe aufnehmen in Form von Kohlenhydraten, Proteinen und Fetten. Ein wichtiger Kohlenhydrat-Lieferant ist Saccharose, unser Haushaltszucker. Er schmeckt nicht nur gut, sondern liefert auch Energie. Aber was passiert, wenn wir zu viel Zucker zunehmen? Von Adipositas über Herz-Kreislauf-Erkrankungen hin Diabetes. Ist zu viel Zucker gut für uns? Nein. Warum muss also mehr CO2 automatisch gut für (alle) Pflanzen sein?

Pflanzen leben nicht von CO2 alleine. Damit Pflanzen optimal wachsen können (abhängig natürlich für der jeweiligen Pflanzenart) braucht sie auch für sie entsprechende Temperatur- und Feuchtigkeitsbedingungen. Die globale Erwärmung sorgt dafür, dass gerade die Temperatur- und Niederschlagsbedingungen sich so ungünstig auf das Wachstum vieler Kulturpflanzen auswirken, dass durch die erhöhte CO2-Konzentration nicht kompensiert werden kann (vgl. Lobell et al. 2011, Zhao & Running 2010).

Die meisten wissenschaftlichen Studien zur CO2-Steigerung wurden bisher nur in solchen geschlossenen Gewächshäusern oder in einzelnen Wachstumskammern durchgeführt. Erst vor kurzem haben Forscher begonnen ihre Aufmerksamkeit auf Experimente im Freien zu lenken. Diese Free-Air CO2 Enrichment- oder “FACE”-Studien untersuchen die Pflanzen im Freiland, wenn sie erhöhten CO2-Konzentrationen ausgesetzt sind. Die Ergebnisse dieser Studien sind bei weitem nicht so vielversprechend wie die von Gewächshausstudien. Die endgültigen Ertragswerte liegen in den Freiluftstudien im Vergleich zu Gewächshausstudien durchschnittlich um 50% niedriger (Leaky et al. 2009, Long et al. 2006, Ainsworth 2005). Gründe für das bessere Wachstum in Gewächshäusern liegen z. B. darin, dass Pflanzen in Gewächshäusern isolierter voneinander sind, das Wurzelwachstum regelmäßiger ist und Schädlinge nicht so leicht eindringen können.

Abgesehen hiervon spielen noch weitere Faktoren eine Rolle: Verschiedene Pflanzenarten reagieren auf erhöhte CO2-Konzentrationen auf unterschiedliche Weise. Sie sind abhängig von der Pflanzenart, aber auch Alter, genetischer Variation, Photosyntheseleistung, Jahreszeit, atmosphärische Zusammensetzung, konkurrierende Pflanzen, Krankheits- und Schädlingsbefall, Feuchtigkeitsgehalt, Nährstoffverfügbarkeit, Temperatur und Verfügbarkeit von Sonnenlicht. Die fortgesetzte Zunahme von CO2 wird ein starkes Treibmittel für eine Vielzahl von Veränderungen darstellen, die für den Erfolg vieler Pflanzen entscheidend sind, die natürlichen Ökosysteme beeinflussen und große Auswirkungen auf die globale Lebensmittelproduktion haben. Der weltweite Anstieg von CO2 ist somit ein großes biologisches Experiment mit unzähligen Komplikationen, die es sehr schwierig machen, den Nettoeffekt dieses Anstiegs mit einem nennenswerten Detailgrad vorherzusagen.

„Es gibt keine statistischen Belege dafür, dass durch die globale Erwärmung Hurrikane, Überschwemmungen, Dürren und ähnliche Naturkatastrophen verstärkt oder häufiger werden. CO2-Minderungsmaßnahmen sind jedoch ebenso schädlich wie kostspielig. Zum Beispiel töten Windkraftanlagen Vögel und Fledermäuse, und Palmölplantagen zerstören die Artenvielfalt der Regenwälder.“

Die erste Behauptung hier ist unbestreitbar falsch. Ein kürzlich veröffentlichter Sonderbericht des IPCC kam mit hohem Vertrauensniveau zu dem Schluss, dass “die Häufigkeit und Intensität einiger extremer Wetter- und Klimaereignisse als Folge der globalen Erwärmung zugenommen haben und unter mittleren und hohen Emissionsszenarien weiter zunehmen werden”, einschließlich Dürren und Überschwemmungen. Untersuchungen haben auch gezeigt, dass wärmeres Meerwasser die stärksten Hurrikane verstärkt (Elsner et al. 2008).

Die zweite Behauptung ist noch absurder. Die meisten kohlenstoffarmen Technologien vernichten offensichtlich keine Wildtierbestände. Was die Windkraft angeht, so ergab eine Studie aus dem Jahr 2009 (Sovacool 2009), dass fossile Brennstoffe etwa 15-mal mehr Vögel pro produzierter Energieeinheit töten als Windräder. Eine umfassende Studie aus dem Jahr 2014 kam zu dem Schluss, dass Katzen in den USA etwa 7.000 Mal mehr Vögel pro Jahr töten als Windkraftanlagen (Erickson 2014).

Und die Waldrodung ist natürlich keine Maßnahme zur CO2-Minderung; die Wiederaufforstung ist es jedoch.

Zu guter Letzt schreiben die 500 „Skeptiker“:

Es gibt keinen Klimanotfall. Daher gibt es keinen Grund für Panik und Alarm. Wir lehnen die für 2 vorgeschlagene schädliche und unrealistische CO2050-Null-Strategie nachdrücklich ab. Wenn bessere Ansätze entstehen, und das werden sie sicherlich, haben wir genügend Zeit, um zu überlegen und uns anzupassen. Ziel der internationalen Politik sollte es sein, jederzeit und weltweit verlässliche und bezahlbare Energie zur Verfügung zu stellen.“

Es ist insofern zuzustimmen, dass es keinen Klima-Notfall gibt. In meinem Artikel „Irrationalismus und Klimaskepsis“ habe ich auf die Untergangsszenarien der kapitalistischen Produktionsweise hingewiesen. In „Klima und Klassenkampf – zur Diskussion der Klimadebatte in der Kommunistischen Organisation (KO)“ stellte ich meine Positionen zu den Forderungen der FFF-Bewegung (z. B. CO2-Steuer ab) dar und zeigte meine Ablehnung zur CO2-Steuer (vgl. auch weitere Diskussionsbeiträge zum Thema Klima und Kapitalismus der KO). Wir haben keine „Krise des Klimas“. Wir haben eine typische Krise des kapitalistischen Wirtschafsystems, die sich u. a. auch in der Klima-Diskussion ausdrückt. So wie es zweifelhaft ist, dass eine Bepreisung des CO2 (was zu Kosten der arbeitenden Bevölkerung geht) das Klima retten wird, so ist auch anzuzweifeln, dass die „skeptischen“ 500 Wissenschaftler eine Lösung anbieten werden.

Keineswegs hat der Artikel den Anspruch sämtliche Vorwürfe der Gegner der gloablen Erwärmung zu entkräften, das haben andere Seiten wie “SkepticalScience” und “Klimafakten” besser drauf