Papageien zählen zu den faszinierendsten und farbenprächtigsten Vogelgruppen der Welt. Mit ihren auffälligen Gefiederfarben, ihrer bemerkenswerten Intelligenz und der Fähigkeit, Laute und sogar menschliche Sprache zu imitieren, haben sie weltweit das Interesse von Forschern und Tierfreunden gleichermaßen geweckt. Die Ordnung der Papageien, wissenschaftlich als Psittaciformes bezeichnet, umfasst über 400 Arten in über 100 Gattungen und 4 Familien, die überwiegend in tropischen und subtropischen Regionen verbreitet sind. Ihre ökologische Bedeutung, ihre komplexen sozialen Verhaltensweisen und ihr Gefährdungsstatus durch Lebensraumverlust und illegalen Handel machen sie nicht nur zu einem beliebten Studienobjekt, sondern auch zu einem wichtigen Thema im Arten- und Naturschutz.
Verbreitung und Bedrohung
Papageien bewohnen hauptsächlich tropische Regionen, einige Arten kommen aber auch in kälteren Klimazonen vor, so in Neuseeland.
Die größte Artenvielfalt findet sich in Neuguinea, Australien sowie in Mittel- und Südamerika. Afrika und auch das asiatische Festland sind vergleichsweise artenarm. Eine Ursache für die Artenarmut der Papageien in diesen Regionen kann durch die Konkurrenz von Hörnchen liegen, die in Afrika und Asien häufiger vorkommen und artenreicher sind, als z. B. in der Neotropis (in der australischen Faunenregion fehlen sie komplett).[1]
Fast 50 Prozent aller Papageienarten sind bedroht, weitere 25 Prozent stark gefährdet. 19 Arten gelten als seit dem Jahr 1500 ausgestorben. Hauptgründe für die Bedrohung sind neben der Lebensraumzerstörung und invasiver Arten auch der illegale Vogelhandel. In einem Bericht von 2007 heißt es, dass in Mexiko, einem Land mit einem Lizenzsystem für den Fang und Verkauf einheimischer Vögel, von jährlich 65.000 – 78.000 Papageien 75% sterben).[2]
Mehrere Projekte, die speziell auf den Schutz von Papageien abzielen, waren erfolgreich. Die Umsiedlung gefährdeter Kākāpō, gefolgt von intensiver Pflege und Zusatzfütterung, hat die Population von 50 Individuen auf 247 im Jahr 2024 erhöht. In Neukaledonien war der Uvea-Sittich (Eunymphicus uvaeensis) durch den Fang für den Heimtierhandel und den Verlust seines Lebensraums bedroht. Durch gemeinschaftsbasierte Schutzmaßnahmen, die die Bedrohung durch Wilderei beseitigten, konnte die Population von etwa 600 Vögeln im Jahr 1993 auf über 2000 Vögel im Jahr 2009 ansteigen.
Allgemeine Merkmale[3]
Eine der kleinsten Papageienarten ist der 10 g schwere und 8 cm lange Braunstirn-Spechtpapagei (Micropsitta pusio), der Kakapo (Strigops habroptila) gehört mit einem Gewicht von 4 Kilo zu den größten Papageiarten, der Hyazinth-Ara (Anodorhynchus hyacinthinus) erreicht eine Länge von einem Meter.
Das auffälligste Merkmal der Papageien ist ihr kräftiger gebogener Schnabel. Der Oberkiefer ist nicht mit dem Schädel verwachsen, so dass er sich unabhängig bewegen kann, was zu dem enormen Beißdruck beiträgt, den die Vögel ausüben können. Der Unterkiefer ist kürzer und hat eine scharfe, nach oben gerichtete Schneidekante, die sich wie ein Amboss gegen den flachen Teil des Oberkiefers bewegt. An den Innenkanten des Schnabels befinden sich Tastrezeptoren, die als „Schnabelspitzenorgan“ bezeichnet werden und sehr geschickte Bearbeitung ermöglichen. Außerdem haben die meisten Papageien eine kräftige Zunge, mit der sie ihre Nahrung im Schnabel positionieren können. Der Schnabel dient des Weiteren als eine Art „Drittes Glied“ auch als Kletterhilfe.
Die seitlich gelegenen großen Augen erlauben ein großes Gesichtsfeld, ohne groß den Kopf zu drehen. Das Sehvermögen von Papageien ist auch empfindlich für ultraviolettes Licht.
Papageien haben kräftige, zygodactyle Füße: die beiden kurzen Zehen I und II sind zur Körpermitte des Papageis orientiert, die beiden langen Zehen III und IV nach außen. Die meisten Arten sind in der Lage, mit ihren Füßen Nahrung und andere Gegenstände mit einem hohen Maß an Geschicklichkeit zu handhaben.
Die vorherrschende Farbe des Gefieders ist grün, obwohl die meisten Arten auch eine andere Farbe in geringen Mengen aufweisen. Besonders die Aras, Edelpapageien und Loris zeichnen sich durch eine sehr große Farbenpracht aus. Der Graupapagei hat hingegen eine graue Grundfärbung, doch ist sein Schwanzgefieder leuchtend rot. Kakadus hingegen sind überwiegend schwarz oder weiß mit etwas Rot, Rosa oder Gelb. Kakadus haben zudem einen beweglichen Federkamm auf dem Kopf, den sie zur Schau stellen können. Ein ausgeprägter Geschlechtsdimorphismus im Gefieder ist bei Papageien nicht typisch, mit einigen bemerkenswerten Ausnahmen, z. B. bei Edelpapageien (Eclectus). Es wurde jedoch gezeigt, dass einige Papageienarten ein geschlechtsdimorphes Gefieder im ultravioletten Spektrum aufweisen.
Die Nahrung von Papageien besteht aus Samen, Früchten, Nektar, Pollen, Knospen und manchmal auch aus Gliederfüßern und anderen tierischen Beutetieren. Da die Samen oft durch Gifte geschützt sind, entfernen Papageien vor dem Verzehr die Samenschalen und andere chemisch geschützte Fruchtteile. Viele Arten fressen Lehm, der Mineralien freisetzt und giftige Verbindungen aus dem Darm absorbiert. Andere Papageien wie Loris (Loriini), Fledermauspapageien (Loriculus), und der Schwalbensittich (Lathamus discolor) spezialisieren sich auf den Verzehr von Nektar und Pollen und haben dafür Zungen mit Pinselspitzen zum Sammeln von Nektar sowie einige spezielle Darmanpassungen.
Einige Papageienarten ernähren sich bevorzugt von tierischer Kost. Goldflügelsittiche (Brotogeris chrysoptera) ernähren sich von Wasserschnecken, der neuseeländische Kea kann sich von Aas ernähren und kann, wenn auch sehr selten, Schafe angreifen und der Einfarblaufsittich (Cyanoramphus unicolor), ein weiterer neuseeländischer Papagei, dringt in die Höhlen nistender Sturmvögel ein und tötet die brütenden Altvögel. Einige Kakadus und der neuseeländische KāKā graben Äste und Holz aus, um sich von Larven zu ernähren; der Großteil der Nahrung des Gelbohr-Rabenkakadus (Zanda funereus) besteht ebenfalls aus Insekten.
Mit wenigen Ausnahmen sind Papageien monogame Brüter und keine anderen Territorien als ihre Nistplätze besitzen. Die Paarbindung der Papageien ist stark, und ein Paar bleibt auch außerhalb der Brutzeit eng beieinander, selbst wenn es sich größeren Schwärmen anschließt. Wie bei vielen Vögeln geht der Bildung von Paarbindungen eine Balz voraus, die bei Kakadus relativ einfach ist. Bei anderen Papageien gehören zu den üblichen Balzspielen, die in der Regel vom Männchen ausgeführt werden, langsame, bedächtige Schritte, die als „Parade“ oder „stattlicher Gang“ bekannt sind, und das „Augenblitzen“, bei dem sich die Pupille des Auges verengt, um den Rand der Iris zu enthüllen.
Der Mönchssittich (Myiopsitta monachus) und einige Arten der Unzertrennlichen (Agapornis) bauen Nester in Bäumen, und drei australische und neuseeländische Bodenpapageien nisten auf dem Boden. Alle anderen Papageien nisten entweder in Baumhöhlen oder in Felshöhlen, Termitennestern oder Uferböschungen. In den meisten Fällen sind beide Elternteile am Nestbau beteiligt. Bei den größeren Papageienarten kann die Verfügbarkeit von Nisthöhlen begrenzt sein, was zu einem intensiven Wettbewerb um diese Nisthöhlen sowohl innerhalb der Art als auch zwischen den Arten und mit anderen Vogelfamilien führt. Einige Papageienarten leben in größeren Kolonien, so die afrikanischen Graupapageien, deren schwärme bis zu 70.000 Tiere umfassen.
Papageien sind auch für ihre Intelligenz und Sprachbegabung berühmt. Einige Graupapageien haben gezeigt, dass sie in der Lage sind, Wörter mit ihren Bedeutungen zu verknüpfen und einfache Sätze zu bilden. Zusammen mit Krähen, Raben und Eichelhähern (Familie Corvidae) gelten Papageien als die intelligentesten Vögel. Einige Papageienarten, wie der Kea, sind auch sehr geschickt im Umgang mit Werkzeugen und beim Lösen von Rätseln. Graupapageien sind für ihre hervorragende Fähigkeit bekannt, Geräusche und menschliche Sprache zu imitieren, was sie seit der Antike zu beliebten Haustieren gemacht hat. Papageien haben keine Stimmbänder, so dass die Laute durch das Ausstoßen von Luft durch die Syrinx erzeugt werden. Unterschiedliche Töne werden durch Veränderung der Tiefe und Form der Luftröhre erzeugt.
Große Arten wie Kakadus, Aras und Amazonen können 80 Jahre alt werden, kleine Arten wie Wellensittiche und Unzertrennliche werden 15-20 Jahre alt. Die erhöhte Langlebigkeit von Papageien scheint mit einer verstärkten Expression verschiedener genomischer Merkmale zusammenzuhängen, darunter Gene, die bei der Zellteilung, der Regulierung des Zellzyklus, und der Reparatur von DNA-Schäden zum Einsatz kommen.
Die Vielfalt der Papageien
Noch in den 1990ern wurden zwei Familien innerhalb der Papageien unterschieden: Kakadus und die eigentlichen Papageien. Die meisten Taxonomen unterteilen die Psittaciformes heute in vier Familien:
- Die Strigopidae (Neuseeländische Papageien),
- Cacatuidae (Kakadus),
- Psittacidae (Afrikanische und Neuwelt-Papageien) und
- Psittaculidae (Altwelt-Papageien).
Psittacidae und Psittaculidae werden als Überfamilie Psittacoidea, die echten Papageien zusammengefasst.
Strigopidae[4]
Die Neuseelandpapageien (Strigopidae) sind die basalste Papageienfamilie und haben drei heute lebende Arten in zwei Gattungen. Die Gattung Nestor hat zwei Arten: den Kea (Nestor notabilis) und den Kaka (Nestor meridionalis), der in zwei Unterarten, die jeweils die Nord- und die Südinsel bewohnen, unterschieden wird. Diese zwei Unterarten entstanden als nach der Eiszeit der Meeresspiegel anstieg und die beiden Populationen voneinander getrennt wurden. Die Gattung Strigops hat nur eine Art, den Kakapo (Strigops habroptila), der einzigen heute lebenden flugunfähigen Papageienart. Dazu kommen noch zwei ausgestorbene Arten: der Norfolk-Kaka (Nestor productus), der seit 1851 ausgestorben ist und der Chatham Kākā (Nestor chathamensis), der vermutlich zwischen 1500 und 1650 ausstarb.
Cacatuidae[5]
Die Kakadus kommen mit 21 oder 22 Arten in 7 Gattungen in ganz Australien und Neuguinea vor. Sie kommen zudem auf einigen Südseeinslen, den Philippinen und einigen indonesischen Inseln östlich der Wallace-Linie wie Sulawesi, den Molukken und den kleinen Sundainseln vor.
11 Arten kommen nur in Australien vor. Einige Arten wie etwa der Rosakakadu (Eolophus roseicapilla) und Nymphensittich (Nymphicus hollandicus) sind fast auf dem ganzen australischen Kontinent zu finden, während andere australische Arten nur sehr kleine Verbreitungsgebiete haben. Drei Arten kommen sowohl in Australien und Neuguinea vor: Arakakadu (Probosciger aterrimus), Gelbhaubenkakadu (Cacatua galerita) und Nacktaugenkakadu (Cacatua sanguinea). Die restlichen 7 Arten bewohnen die Philippinen, Indonesien, Neuguinea und die Salomonen. Die am weitesten verbreiteten Arten, wie Rosakakadu und Nymphensittich, bewohnen offene Landschaften wie Savannen und Trockengebiete und ernähren sich von Grassamen.
Kakadus haben den für Papageien typischen kräftigen Schnabel und die typische Zehenanordnung. Das auffälligste Unterscheidungsmerkmal ist die bewegliche Federhaube. Kakadus richten diese gewöhnlich ruckartig auf, wenn sie beunruhigt oder erregt sind. Weitere Merkmale sind der Besitz einer Gallenblase und eine besondere Federstruktur, die Puderdunen. Diese sondern einen feinen Staub ab, der das Gefieder pflegt und schützt. Kakadus sind nicht so farbenprächtig wie andere Papageien. Das Gefieder ist meist weiß, grau, schwarz oder rosa gefärbt. Bei einigen Arten ist ein ausgeprägter Geschlechtsdimorphismus vorhanden, z. B. beim Helmkakadu (Callocephalon fimbriatum).
Psittacidae – die eigentlichen Papageien[6]
Die Psittacidae, die eigentlichen Papageien, dürften wohl zu den bekanntesten Papageien der Welt zählen. Insgesamt gehören 37 Gattungen mit fast 180 Arten in diese Familie. Sie kommen in Afrika, sowie in Mittel- und Südamerika vor. Es gibt zwei Unterfamilien: die Psittacinae, die in zwei Gattungen und 12 Arten in Afrika vorkommen und die Arinae mit 35 Gattungen und etwa 165 Arten, die die Neotropis bewohnen.
Die bekannteste der zwei afrikanischen Gattungen sind die Graupapageien (Psittacus), die hauptsächlich in den Regenwaldgebieten Afrikas vorkommen. Der Kongo-Graupapagei (P. erithacus), kommt in Zentralafrika vor und der Timneh-Graupapagei (P. timneh) in Westafrika. Letzterer ist kleiner und dunkler gefärbt, als der Kongo-Graupapagei und seine Schwanzfedern sind nicht so leuchtend rot gefärbt. Die zweite afrikanische Gattung sind die Langflügelpapageien (Poicephalus). Charakteristisch ist für die etwa staren- bis taubengroßen Papageien dieser Gattung ein mittellanges Schwanzgefieder, so dass die Flügelspitzen bis fast an die Spitze der Schwanzfedern reichen. Die 10 Arten bewohnen fast ganz Afrika südlich der Sahara. Während einige Arten wie der Kongo-Papagei (Poicephalus gulielmi) die Regenwälder bewohnen, sind andere wie der Rotbauchpapagei (Poicephalus rufiventris) Bewohner der Dornbuschsavannen.
Die größte Artenvielfalt der Psittacidae findet sich aber in der Neotropis. Die Lebensräume der Arten reichen von Mexiko bis Feuerland, einschließlich vieler Inseln der Großen und Kleinen Antillen und den Bahamas. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts waren die neotropischen Papageien mit dem Karolinasittich (Conuropsis carolinensis) sogar bis in den Nordosten der USA verbreitet. Die Lebensräume der neotropischen Papageien sind vielgestaltig, und reichen von den Tieflandregenwäldern bis in die Hochlagen der Anden (über 6000 m) und auch hinein in die Trockenwälder und Dornbuschsavannen.
Nach einer taxonomischen Studie aus dem Jahr 2023 lassen sich innerhalb der Neuweltpapageien vier Gattungsgruppen einteilen.[7]
Die Amoropsittacini haben vier Gattungen: die kleinen, stämmigen und hauptsächlich grün gefärbten Buntschwanzpapageien (Touit) mit 8 Arten, sowie eine Klade, bestehend aus Nannopsittaca mit zwei Arten, Dickschnabelsittiche (Bolborhynchus) mit drei Arten und Psilopsiagon mit zwei Arten.
Die zweite Gattungsgruppe bilden die Forpini mit einer Gattung, den Sperlingspapageien (Forpus), die mit maximal 30g zu den kleinsten Papageien der Neotropis gehören.
Die umfangreiche Gattungsgruppe der Androglossini hat 10 Gattungen. Die meisten Gattungen haben nur eine oder wenig Arten (Pionopsitta, Graydidascalus, Alioppsitta, Triclaria, Myiopistta, Hapalpsittaca). Die Gattungen Schmalschnabelsittiche (Brotogeris) und die Rotsteißpapageien (Pionus) haben jeweils acht Arten, die Gattung Pyrilia sieben.
Die größte und bekannteste Gattung mit über 30 Arten sind die Amazonen (Amazona). Bei Amazonenpapageien ist der Schnabel hornfarben, dunkelgrau bis schwarz und bei einer Art, der Taubenhalsamazone (Amazona vinacea), sogar rot. An der Schnabelbasis findet sich eine leicht hervortretende Haut, die so genannte Wachshaut. Sie haben im Vergleich zu vielen anderen Papageien eine vollständige Schädelkapsel, ein Merkmal was sie mit der nah verwandten Gattung der Rotsteißpapageien (Pionus) haben. Ein weiteres gattungstypisches Merkmal ist der mit so genannten Feilkerben versehene Gaumen. Diese Feilkerben schärfen die Schneide des Unterschnabels und dienen zum Festhalten sowie zum Zerkleinern der Nahrung. Charakteristisch für das Erscheinungsbild der Amazonen sind der breit abgerundete Schwanz und die breiten, abgerundeten Flügel. Ihr Gefieder ist überwiegend grün gefärbt, mit roten, gelben oder blauen Farbmarkierungen am Kopf, an den Flügeln oder an den Schwanzfedern.
Die vierte Gattungsgruppe, die Arini, sind meist deutlich größer als die Androglossini. Viele Arten werden hier auch Aras genannt. Hierher gehören über 20 Gattungen, von denen aber 10 jeweils nur eine Art haben (Diopsittaca, Guaruba, Thectocercus, Leptosittaca, Ognorhynchus, Orthopsittaca, Cyanoliseus, Deroptyus, Cynaospitta, Conuropsis). Hierzu gehören unter den bekannteren Vertretern der Fächerpapagei (Deroptyus accipitrinus), der sehr seltene Spixara (Cyanopsitta spixii) und der mittlerweile ausgestorbene Karolinasittich (Conuropsis carolinensis), der in den USA lebte. Die Arasittiche (Rhynchopsitta), Langschnabelsittiche (Enicognathus) und Weißbauchpapageien (Pionites) haben je zwei Arten. Die Blauaras (Anodorhynchus) haben drei Arten, von denen der Hyazinthara (Anodorhynchus hyacinthinus) der größte flugfähige Papagei der Welt ist und der Türkisara (A. glaucus) möglicherweise ausgestorben ist; auch die Gattung der Kleinaras (Primolius) hat drei Arten. Die Gattung Eupsittula hat fünf Arten, die Keilschwanzsittiche (Aratinga) sechs und Psittacara hat 13 Arten, von denen eine Art, der Monasittich (Psittacara maugei) aus Puerto Rico ausgestorben ist. Die Rotschwanzsittiche (Pyrrhura) sind die artenreichste Gruppe innerhalb Arini mit über 20 Arten. Die Gattung der eigentlichen Aras (Ara) hat 9 Arten und hier finden sich die bekannten Arten Grünflügelara (Ara chloropterus), Gelbbrustara (Ara ararauna), Soldatenara (Ara militaris) und Hellroter Ara (Ara macao). Alle Echten Aras weisen eine Gesichtsmaske auf, die aus einer größeren Hautfläche besteht, die großteils unbefiedert ist. In diese Gattung gehört auch der ausgestorbene Kuba-Ara (Ara tricolor).
Psittaculidae – Altweltpapageien[8]
Die Altweltpapageien kommen in Afrika, Asien, Australien und vielen Südseeinseln vor. Mit etwa 200 Arten in über 50 Gattungen sind sie die artenreichste Papageienfamilie. Die Trennung der Psittaculidae von den Psittacidae geschah aufgrund genetischer Daten. Die neusten taxonomischen Untersuchungen teilen die Altweltpapageien in sechs Unterfamilien.
Die basalste Unterfamilie sind die Psittrichasinae zu denen zwei Gattungen gehören: die Borstenkopfpapageien (Psittrichas) mit einer Art und die Vasa-Papageien (Coracopsis) mit vier. Der Borstenkopfpapagei (Psittrichas fulgidus) lebt auf Neuguinea. Auffällig ist ihr schmaler gekrümmter Schnabel, der an Geier erinnert. Die Vasa-Papageien sind dunkel gefärbte Papageien, die in Madagaskar, den Komoren und Seychellen vorkommen.
Die Unterfamilie Psittaculinae wird in drei Gattungsgruppen aufgeteilt. Die Micropsittini haben eine Gattung: die Spechtpapageien (Microspitta), deren sechs Arten auf Neuguinea und den vorgelagerten Inseln vorkommen. Die Polytelini haben drei Gattungen (Alisterus, Aprosmictus, Polytelis) mit insgesamt 8 Arten, die in Australien, Neuguinea, den Kleinen Sunda-Inseln und den Molukken vorkommen. Die Psittaculini haben 8 Gattungen und über 40 Arten mit einem Verbreitungsschwerpunkt in der Orientalis, insbesondere Indonesien und den Philippinen (Psittinus, Prioniturus, Tanygnathus, Psittacula), kommen aber auch in der australischen Region vor (Geoffroyus, Eclectus). In letzterer sind vor allem die Edelpapageien (Eclectus) zu nennen, bei denen Männchen und Weibchen unterschiedlich gefärbt sind. Die Edelsittiche (Psittacula) kommen zwar schwerpunktmäßig in Asien vor, aber der Halsbandsittich (Psittacula krameri) lebt auch in Afrika. Drei Arten, die die Inseln des indischen Ozeans bewohnt haben, sind ausgestorben: Mauritius-Grausittich (P. bensoni), Rodrigues-Sittich (P. exsul) und Seychellen-Sittich (P. wardi).
Zwei Gattungen, die zu den Psittaculini gehören und im indischen Oezan lebten sind ebenfalls ausgestorben: der Mauritiuspapagei (Lophopsittacus mauritianus) und der Rodrigues-Papagei (Necropsittacus rodericanus). Die Stellung des ebenfalls ausgestorbenen Maskarenen-Papageien (Mascarinus mascarinus) ist unsicher. Einige stellen ihn in die Verwandtschaft der Vasa-Papageien, andere zu den Psittaculini. Der Mauritius-Sittich (P. eques) ist der einzige auf den Inseln des indischen Ozeans lebende Vertreter dieser Unterfamilie.
Die Unterfamilie Psittacellinae hat eine Gattung mit vier Arten, die Bindensittiche (Psittacella) und sind auf Neuguinea endemisch.
Die Platycercinae sind eine Unterfamilie mit 13 Gattungen, die in zwei Gattungsgruppen unterteilt werden. Die Pezoporni haben drei Gattungen (Neophema, Neopsephotus, Pezoporus) mit etwa 9 Arten, die alle in Australien vorkommen. Die zweite Gattungsgruppe sind die Plattschweifsittiche (Platycercini), deren über 30 Arten in 10 Gattungen in Australien (Lathamus, Barnardius, Platycercus, Psephotus, Psephotellus, Northiella, Purpureicephalus) und den Südseeinseln wie Fiji, Neukaledonien und Neuseeland (Prosopeia, Eunymphicus, Cyanoramphus) vorkommen. Fünf Arten dieser Unterfamilie sind ausgestorben: Tahiti-Laufsittich (Cyanoramphus zealandicus), Braunkopf-Laufsittich (Cyanoramphus ulietanus), Lord-Howe-Ziegensittich (Cyanoramphus subflavescens), Macquarie-Laufsittich (Cyanoramphus erythrotis) und Paradiessittich (Psephotellus pulcherrimus).
Die Unterfamilie Agapornithinae hat drei Gattungen. Am bekanntesten ist hier die Gattung Agapornis, die Unzertrennlichen, mit 8 Arten in Afrika und einer in Madagaskar. In diese Unterfamilie gehören aber auch der Stummelschwanzpapagei (Bolbopsittacus lunulatus) aus den Philippinen und die Fledermauspapageien (Loriculus) mit 15 Arten, die von Indien bis Neuguinea vorkommen.
Die Unterfamilie Loriinae ist mit fast 70 Arten in drei Gattungsgruppen sehr vielfältig. Ihre mit Abstand größte Gattungsgruppe sind die der Loris (Loriini), die bis zu 61 Arten und 12 Gattungen (Oreopsittacus, Charminetta, Hypocharmosyna, Charmosynopsis, Charmosyna, Neopsittacus, Chalcopsitta, Glossoptilus, Psitteuteles, Trichoglossus, Vini, Lorius) ausmachen. Fast alle Arten kommen östlich der Wallace-Linie vor mit einer besonders hohen Artenvielfalt in Neuguinea. Es gibt aber auch viele Arten in Australien, den Molukken und den Südseeinseln wie den Salomonen, Neukaledonien und Fiji. Einige Arten kommen auch westlich der Wallace-Linie auf den Philippinen vor. Eine Art, der Diademlori (Vini diadema, Synonym: Charmosyna diadema) aus Neukaledonien ist möglicherweise ausgestorben.
Die Gattungsgruppe der Cyclopsittini hat sieben Arten in zwei Gattungen (Cyclopsitta, Nannopsittacus), die alle auf Neuguinea leben und eine Art zusätzlich in Australien.
Die Gattungsgruppe der Melopsittacini hat nur eine Gattung mit einer Art, den aber fast alle kennen dürften, den Wellensittich (Melopsittacus), der wild in Australien vorkommt und in Europa seit 1840 als Ziervogel gehalten wird und heute weltweit die am häufigsten gehaltene Papageienart ist. Es existieren zahlreiche in Größe, Farbe und Gefiedermerkmalen von der Wildform abweichende Zuchtformen.
Fossilbericht der Papageien[9]
Molekulare Studien deuten darauf hin, dass die Kronengruppe der Papageien vor etwa 59 Millionen Jahren in Gondwana entstanden sind und sich die Hauptkladen vor etwa 50 Mio. Jahren diversifizierten. Die Seltenheit von Papageien in den Fossilienbeständen erschwert jedoch die Bestätigung dieser Hypothese. Es gibt derzeit eine höhere Anzahl fossiler Überreste aus der nördlichen Hemisphäre im frühen Känozoikum.
Zwei fossile Gattungen werden zu den Neuseelandpapageien gerechnet: Nelepsittacus, von dem mindestens drei Arten beschrieben wurden, kam im frühen Miozän Neuseelands vor. Heracles inexpectatus, ein großer, wahrscheinlich flugunfähiger, Papagei stammt ebenfalls aus dem frühen Miozän Neuseelands vor 19 Mio. Jahren.
Es sind nur wenige Kakadus fossil überliefert, es gibt aber einige Funde aus dem Miozän Australiens. Auf Neukaledonien und Neuirland wurden subfossile Knochen von Kakadus gefunden, die offenbar die frühe Besiedlung durch den Menschen nicht überlebt haben.
Aus dem Miozän Europas sind die Gattungen Mogontiacopsitta, Archaeopsittacus, Xenopsitta, Bavaripsitta und Pararallus bekannt, deren genauen phylogenetischen Verwandtschaftsverhältnisse aber noch zu untersuchen sind. Xenopsitta ähnelt dem Graupapageien, die anderen den Mitgliedern der Psittaculini.
Aus dem Miozän Nebraskas wird ein fragmentarischer Fund von manchen der Gattung Conuropsis zugeordnet, zu dem auch der kürzlich ausgestorbene Carolinasittich gehört. Das früheste südamerikanische Papageienfossil ist ein Schädel aus dem Pliozän Argentiniens, der dem noch existierenden Taxon Aratinga zugeordnet wurde.
Die afrikanischen Fossilien der Psittaciformes sind ebenfalls rar und die frühesten Fossilien stammen aus dem frühen Pliozän Südafrikas, von denen eines, Khwenena, zu den Psittacini gehört und das andere eine ausgestorbene Agapornis-Art ist. Eine weitere ausgestorbene Agapornis-Art wurde im späten Pliozän Marokkos beschrieben.
Während die Kronengruppe der Psittaciformes aus dem Miozän bekannt sind, finden sich im Eozän die Stammgruppenvertreter der Gattung Quercypsitta. Diese Gattung weist ein Merkmalsmosaik aus typischen Papageienmerkmalen, aber auch einige ursprüngliche Merkmale zeigen, was auf eine Position außerhalb der Kronengruppe der Psittaciformes hindeutet.
Es wird allgemein angenommen, dass die Stammformen der Psittaciformes während des kreidezeitlichen-paläogenen Aussterbeereignisses (K-Pg-Aussterben) vor 66 Millionen Jahren präsent waren. Sie waren wahrscheinlich allgemein auf Bäumen lebende Vögel und hatten nicht die spezialisierten, zerdrückenden Schnäbel moderner Arten.
Genomanalysen liefern starke Belege dafür, dass Papageien die Schwestergruppe der Sperlingsvögel sind und die Gruppe Psittacopasseres bilden, die die Schwestergruppe der Falken ist.
In Europa und Nordamerika wurden zudem eine Reihe vollständiger Fossilien von Vögeln beschrieben, die morphologisch den Papageien ähneln, aber nicht deren direkten Vorfahren sind und morphologisch auch mit den Sperlingsvögeln vermitteln. Die Ursprünge der letzten und mit Abstand artenreichsten Vogelordnung, inklusive dieser Stammgruppen, werden in der nächsten Episode vorgestellt.
[1] Corlett, R, Primack, R. (2011). Tropical Rain Forests: An Ecological and Biogeographical Comparison, Second edition, S. 155
[2] Zur Bedrohung der Papageien siehe:
- Lowther, J et al. (2002). Crime and Punishment in the Wildlife Trade. World Wildlife Federation. https://web.archive.org/web/20080910131939/http://www.wwf.org.uk/filelibrary/pdf/crime_and_punishment.pdf
- Vallery, A (2015). The Truth About the Exotic Bird Trade Will Make You Rethink Buying a Parrot in the Pet Shop https://www.onegreenplanet.org/animalsandnature/the-truth-about-the-exotic-bird-trade-will-make-you-rethink-buying-a-parrot-in-the-pet-shop/
[3] Siehe hierzu:
- Del Hoyo, J. (2020): All the Birds of the World. Lynx Nature Books
- Del Hoyo, J.; Elliot, A.; Sargatal, J., eds. (1997): Handbook of the Birds of the World, volume 4, Sandgrouse to Cuckoos, Lynx Edicions, Barcelona.
- Winkler, D. W., Billerman, S. M., Lovette, I. J. (2015): Bird Families of the World: A Guide to the Spectacular Diversity of Birds. Lynx Edicions, Barcelona.
[4] Winkler, D. W., S. M. Billerman, and I. J. Lovette (2020). New Zealand Parrots (Strigopidae), version 1.0. In Birds of the World (S. M. Billerman, B. K. Keeney, P. G. Rodewald, and T. S. Schulenberg, Editors). Cornell Lab of Ornithology, Ithaca, NY, USA. https://doi.org/10.2173/bow.strigo1.01
[5] Winkler, D. W., S. M. Billerman, and I. J. Lovette (2020). Cockatoos (Cacatuidae), version 1.0. In Birds of the World (S. M. Billerman, B. K. Keeney, P. G. Rodewald, and T. S. Schulenberg, Editors). Cornell Lab of Ornithology, Ithaca, NY, USA. https://doi.org/10.2173/bow.cacatu2.01
[6] Winkler, D. W., S. M. Billerman, and I. J. Lovette (2020). New World and African Parrots (Psittacidae), version 1.0. In Birds of the World (S. M. Billerman, B. K. Keeney, P. G. Rodewald, and T. S. Schulenberg, Editors). Cornell Lab of Ornithology, Ithaca, NY, USA. https://doi.org/10.2173/bow.psitta3.01
[7] Siehe:
- Smith, BT et al. (2023). Phylogenomic analysis of the parrots of the world distinguishes artifactual from biological sources of gene tree discordance. Systematic Biology. 72 (1): 228–241. https://doi.org/10.1093/sysbio/syac055
[8] Billerman, S. M. (2020). Old World Parrots (Psittaculidae), version 1.0. In Birds of the World (S. M. Billerman, B. K. Keeney, P. G. Rodewald, and T. S. Schulenberg, Editors). Cornell Lab of Ornithology, Ithaca, NY, USA. https://doi.org/10.2173/bow.psitta4.01
[9] Siehe:
- Mayr, G. (2009). Paleogene Fossil Birds. Heidelberg: Springer
- Mayr, G. (2016): Avian Evolution: The Fossil Record of Birds and its Paleobiological Significance. TOPA Topics in Paleobiology.